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Ludw. August Le Brün (GND 12086245X)


Daten
Nachname Brün
Vorname Ludw. August Le
GND 12086245X
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Ludw. August Le Brün in der BSB

Brün, (Ludw. August Le) wurde zu Mannheim 1752 geboren, widmete sich der Tonkunst, studirte die Komposition, und lernte die Oboe blasen, auf welchem Instrumente er sich solch eine große Geschicklichkeit erwarb, daß er einer der ersten und größten Virtuosen geworden. Er wurde als Hofmusikus in seiner Vaterstadt vom Churfürsten Karl Theodor 1767 angestellt, der ihn wegen seiner Kunst sowohl, als wegen seiner übrigen scientivischen Kenntnisse, und seines guten und moralischen Benehmens sehr hoch schätzte. Er heirathete daselbst die berühmte und große Sängerinn Franziska Danzi 1778, und lebte mit ihr eine sehr glückliche Ehe. Le Brün gehörte mit seiner Gattinn unter die musikalischen Weltwunder, die überall nicht nur den verdienten allgemeinen Beifall sich erwarben, sondern Staunen, Bewunderung und Entzücken erregten; aber ebendeßwegen buhlten die ersten Höfe von Europa diese Künstler zu hören, zu besitzen. Sie sangen und spielten in Konzerten und Opern in den ersten Städten Italiens, in Wien, Paris, London, Berlin u. s. w. und überall suchte man sie unter den vortheilhaftesten Bedingnissen zu behalten; allein nirgends nahmen sie Dienste, sondern blieben bei ihrem Churfürsten, das von ihrem dankbaren Gefühle, von ihrer treuen Anhanglichkeit an ihren Fürsten, und von großer Uneigennützigkeit zeiget, und ihren Herzen Ehre macht. Im Jahre 1784 bezauberte Le Brün mit seiner Gattinn Paris, und alle Journale konnten derselben Kunst nicht genugsam loben, rühmen und verherrlichen. Das namliche geschah in London, wo er schon früher, 1781 namlich, mit seiner Gattinn gewesen. Daselbst speiste einst Sacchini[1], bei ihm zu Mittag. Die Rede fiel von ungefähr auf die Beschuldigung, welche manchmal die Deutschen und Franzosen den italienischen Komponisten machen, daß sie nicht genug modulirten. -- Wir moduliren -- entgegnete Sacchini in der Kirchenmusik, da kann die Aufmerksamkeit, weil sie nicht durch die Nebensachen gestöret wird, leichter den mit Kunst verbundenen Veränderungen der Töne folgen; aber auf dem Theater muß man deutlich und einfach seyn; man muß mehr das Herz rühren, als in Erstaunen setzen; man muß sich selbst minder geübten Ohren begreiflich machen. Der, welcher, ohne den Ton zu ändern, abgeänderte Gesänge darstellt, zeigt weit mehr Talent, als der, welcher ihn alle Augenblicke ändert. Und hastig ergriff hierauf Sacchini eine Feder, und schrieb auf der Stelle eine Menuet von 16 Takten nieder, in welcher er, ohne Verletzung irgend einer Regel, sechszehnmal aus der Tonart wich. Jedermann bewunderte sie; allein spielt sie -- sagte hierauf Sacchini -- und ihr werdet sie abscheulich finden.

In Italien war Le Brün mit seiner Gattinn vergöttert, und ihre Kunst bis zu den Sternen erhoben. Auch seine musikalische Kompositionen fanden großen Beifall. Er schrieb mehrere Konzerte für die Oboe, Flöte, Violine, und das Klavier, die in Paris, Berlin, Mainz etc. aufgelegt wurden, und ehr beliebt und gesucht waren. Aber eben diese Komposition war ihm auch bei Behandlung seiner Oboe sehr vortheilhaft. In der Oper zu London mißlang ihm einst ein Ton; im Augenblicke wußte er diesen Fehler durch Aushaltung des Tones, und eine hierauf eingeleitete Kadenz dergestalt schön zu decken, daß ihm einmüthig alle Zuhörer applaudirten, und diese mit Kunst und Geistesgegenwart ausgeführte Verbesserung bewunderten. Die Leichtigkeit mit der er die Oboe blies, die Fertigkeit, die er auf diesem Instrumente sich eigen gemacht hatte, sein schöner, angenehmer und voller, der menschlichen Stimme ganz ähnlicher Ton, dem er der Oboe zu entlocken verstand, seine Delikatesse und Nettigkeit im Vortrage, sein Gefühl, sein Ausdruck, wenn er spielte, u. s. w. war unnachahmlich, und hoben ihn zum ersten Künstler auf diesem Blasinstrumente empor, und dieser große Künstler starb so früh im 38sten Jahre seines Lebens zu Berlin den 16. Dezember 1790, wo er sich eben mit seiner Gattinn befand, selbst mit großer Betrübniß des Königl. Preussenschen Hofes.


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Fußnoten

  1. Sacchini, (Anton Maria Kaspar), ein in ganz Europa beliebter Kompositeur, zuletzt Musikmeister der Königinn von Frankreich, war zu Neapel den 13. Mai 1735 geboren. Als Jüngling kam er in das Musik-Konservatorium St. Onorio in seiner Vaterstadt, und studirte daselbst mit Piccini, Traetta und Guglielmi unter dem Kapellmeister Durante. Auf der Violin erwarb er sich eine sehr große Geschicklichkeit. Nachdem er diese Schule verlassen hatte, suchte er sich durch verschiedene Kompositionen einen Namen und musikalischen Kredit zu verschaffen. Seine erste Oper: la Contadina di Corte schrieb er 1760, und wurde 1762 lebenslänglich für das Operntheater in Rom engagirt; doch blieb er dort nur acht Jahre, indem er den Ruf nach Turin, Neapel, Mailand, Pavia und Monaco erhielt, um daselbst Opern zu schreiben. Im Jahre 1769 wurde er nach Venedig als Kapellmeister des Konservatoriums Ospedaletto berufen, wo er aber nur vier Jahre blieb, und 1770 nach Deutschland reiste, wo er für die italienische Opern-Theater zu Stuttgard und München Opern schrieb. In letzterer churpfalzbaierischen Residenz-Stadt wurden von ihm 1770 die Opern: Scipione, und Eroe chinese aufgeführt und dirigirt. Von München begab er sich 1771 nach London, und schrieb während seines dortigen Aufenthaltes 13 Opern, welche daselbst mit sehr großem Beifalle gegeben wurden. Im Jahre 1783 verließ er London, wo er 1800 Pf. Sterlinge jährlichen Gehalt bezog, und gieng nach Paris, wo er für jede von ihm komponirte Oper 10,000 Liv. erhielt, und dann als Musikmeister der Königinn mit 6000 Liv. Gehalt angestellt wurde. Er starb zu Paris 1786 den 7. October am zurückegetretenen Podagra. Forkel’s Almanach Jahrg. 1783.