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Iohann Leonhard Frisch (GND 118536095)


Daten
Nachname Frisch
Vorname Iohann Leonhard
GND 118536095
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Iohann Leonhard Frisch in der BSB

FRISCH (Iohann Leonhard), Rektor des Gymnasiums am grauen Kloster zu Berlin, geboren zu Sulzbachobern Pfalz am 19ten März 1666, und ein Sohn des sulzbachischen geheimen Registrators, und nachher nürnbergischen geh. Registrators, endlich brandenb. Verwalters zu Schnabelwaid, Iohann Christoph Frisch. Er gieng im Iahre 1683 nach Altdorf, fieng da seine Universitätsstudien an, sezte sie im Iahre 1686 zu Iena, und 1688 zu Strassburg fort, wo er sich nebenbey auf Sprachen verlegte, und unter Dr. Isaak Faust öffentlich disputirte. Im Iahre 1690 gieng er in das innere Frankreich, und dann nach Basel, Zürich, Bern, Solothurn, Schafhausen, Konstanz, Lindau, von da nach Memmingen und Augsburg, wo er der Krönung Kaiser Iosephs des Ersten beywohnte. Auf seinen Reisen waren Bibliotheken, Kunstsammlungen, Fabriken, Maschinen, Zeughäuser und Werkstätten berühmter Meister die vorzüglichsten Gegenstände seiner Aufmerksamkeit. Er wurde nun zu Nürnberg Kandidat des evangel. Predigtamts, aber sein Hang zum Reisen trieb ihn im Iahre 1691 nach Oberungarn, wo er zu Neusohl dem alten evangel. Prediger Elias Breithorn adjungirt wurde. Die damals ausgebrochnen Unruhen schränkten ihn so ein, dass er 2 Iahre lang in einer Scheune predigen, und im Iahre 1693 die Flucht ergreifen musste. Er gieng nach Venedig und Padua, und im Iahre 1694 nach Nürnberg zurück, wo er wenig Unterstützung fand, bis sich im folgenden Iahre ein Baron von Bodenhausen seiner annahm, und ihn zum Oekonom seines Landgutes zu Arnstein machte, wo er aber nur anderthalb Iahre blieb. Ein Graf von Hartenfels nahm ihn mit sich nach Hessen, vertraute seinen Sohn Georg Albrecht seiner Unterweisung, und schickte ihn damit auf Reisen. Auf diese Weise sah Frisch die Städte Frankfurt, Mainz, Köln und Amsterdam, kam durch Westfriesland über Franecker und Gröningen nach Ostfriesland (wo er in der Herrschaft Dornum, auf der Insel Nordernai, und wo er sonst Gelegenheit hatte, öfters predigte) gieng dann zur See nach Hamburg, wo er seine Hofmeisterstelle niederlegte, und endlich nach Berlin. Hier verschaffte ihm anfangs sein Landsmann, der Prediger Astmann, Gelegenheit, Privatunterricht zu ertheilen; er wurde aber bald als Subrektor am Gymnasium zum grauen Kloster, im I. 1708 als dessen Konrektor, und im Iahre 1727 als Rektor angestellt. Im Iahre 1706 wurde er Mitglied der königl. Societät der Wissenschaften (hauptsächlich durch Leibnitzens Empfehlung, den er in der russischen Sprache unterrichtete), im Iahre 1725 Mitglied der Akademie nat. curios. unter dem Namen Vegetius, und 1731 Direktor der historischteutsch-philologischen Klasse an der Akademie. Er war ein gelehrter Mann, und machte sich durch die vorzügliche Kultur der teutschen Sprache, durch sein teutschlateinisches Wörterbuch, durch die Erfindung des Berlinerblau, und wegen der zum Behuf des Seidenbaues zuerst in Teutschland angelegten Maulbeerbaumpflanzung berühmt. Er starb am 21ten März 1743, alt 77 Iahre, und hinterliess 2 Söhne, nämlich Ferdinand Helfreich Frisch, zu Berlin 1707 geboren, der ein sehr geschickter Kupferstecher war, und im Iahre 1758 starb, und Iakob Leopold Frisch, welche Prediger zu Grüneberg in Schlesien wurde.

Von seinen Schriften sind mir bekannt:

Dictionaire nouveau des passagiers francois-allemand et allemand-francois. 8. à Leipsic in 2. Bänden, 1712. Neue Auflagen: 1730, 1733, 1746, 1752, 1767 u. 1771, 5 Alph. von Mauvillon stark vermehrt, 8. Leipzig, 1780, 2 Bände.

S. acta eruditorum, Lips. 1712. S. 41.

Bödikers Grammatik verbessert und vermehrt. 8. Berlin, 1723. Die nämliche Grammatik unverändert. ebend. 1729.

Versus memoriales über das alte und neue Testament. 8.

Grammatica marchia graeca maior. . . 2te Aufl. 8. Erfurt, 1745. Ein Auszug davon. 8. ebend.

Beschreibung von allerley Insekten in Teutschland nebst nützlichen Anmerkungen und nöthigen Abbildungen von diesem kriechenden und fliegenden inländischen Gewürme. 13 Theile (die zusammen einen mässigen Band ausmachen). 4. Berlin mit 273 Kupfertäfelchen, 1720--1838. Neue Auflage (bis zum eilften Theil) ebendas. 4. mit Kupf. 1766-1779.

S. ADB. 41 B. S. 511. Delic. Cobres. Augsb. Th. I. S. 365. Füesli entomol. Magazin u. s. w.

Liber symbolicus Russorum, II. tom. Lips. 4. 1727.

Russischer Katechismus ins Teutsche übersezt. 4. 1727.

Teutsch-lateinisches Wörterbuch, darinnen nicht nur die ursprünglichen, nebst denen davon hergeleiteten und zusammengesezten allgemein gebräuchlichen, Wörter, sondern auch die bey den meisten Künsten und Handwerken, bey Berg- und Salzwerken, Fischereyen, Iagd- Forst- und Hauswesen u. f. gewöhnliche teutsche Benennungen befindlich sind, 2 Theile. 4. Berlin, 1741.

Vorstellung der Vögel in Teutschland, und beyläufig auch einiger fremden mit ihren natürlichen Farben. Aus seinem desswegen von vielen Iahren her gesammelten Vogelkabinet u. s. w., wobey den kleinern ihre eigne Grösse geblieben, bey den grössern aber das Maas bemerket worden. 1--12 grosse Klassen. Berlin bey des Auktoris Sohn, (ohne Iahrzahl, aber ohne Zweifel 1757). Bey der Fortsetzung zur 4ten Klasse findet man: Berlin 1763, fol.

Iede Klasse ist mit einem besondern Titel versehen, und alle 12 Klassen zusammen enthalten 179 unbezeichnete Seiten Beschreibung, und 255 illum. Kupfertafeln nebst 1 Titelkupfer. Frisch hat nur zu den 4 ersten Klassen die Beschreibung, und sein Sohn Leopold die Fortsetzung geliefert. S. Reg. gel. N. 1757. S. 151. ADB. 12 B. II. S. 318. Berlin. Sammlung. B. V. S. 434. Brückmanns Bibl. animal. S. 89. Hamb. Magaz. B. 4. S. 394.

Observationes ad Car. du Fresne gloss. mediae et infimae lat.

Observat. et notae ad Schilteri gloss. teuton. in den Miscell. Berol. tom. V. S. 201--210.

In den Miscell. Berol. kommen noch mehrere Abhandlungen und Aufsätze von ihm vor, welche meistens naturhistorischen Innhalts sind.

Er gab auch mehrere Programmen und Beobachtungen zur Erläuterung der teutschen Sprache heraus.

S. Eigne Sammlungen. Sein Leben durch seinen Amtsnachfolger Iohann Iak. Wippel beschrieben, 4. Berlin. 1744. Acta scholastica B. 3. St. 3, S. 259. Bougine Handbuch der lit. Gesch. B. IV. S. 162. Ladvocats hist. Handwörterbuch fortges. B. II. S. 1494. Hirschings hist. literar. Handbuch. B. II. Abth. 1. S. 328. Vocke ansbach. Geb. u. Todtenalm. I. B. S. 226 u. 234. Meusels Leitfaden z. Gesch. der Gelehrsamk. 3. Abth. S. 952.


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