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Jakob Paul Freyherr von Gundling (GND 11854361X)


Daten
Nachname Freyherr von Gundling
Vorname Jakob Paul
GND 11854361X
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Jakob Paul Freyherr von Gundling in der BSB

Freyherr von GUNDLING (Jakob Paul) zu Hersbruk bey Nürnberg am 19. August 1673 gebohren. Von diesem Schriftsteller habe ich auch in meinen Freundschaftlichen Briefen (Sulzbach b. Seidel 1823) Beylage zu Brief 83. S. 233--235. Biographische Notitzen gegeben. Er war des Nikolaus Hieronymus Gundling Bruder, studirte zu Helmstädtund Jena, machte eine Reise durch England und Frankreich, und wurde 1705 an der Ritterakademie zu Berlin Professor der Geschichte. Nachdem König Friedrich Wilhelm I. zur Regierung kam, wurde jene Akademie aufgehoben, und weil der König einen Gelehrten wollte, der ihn bey der Tafel und Abends, aus der alten und neuern Geschichte unterhalten, und täglich einen Auszug aus den Zeitungen vortragen sollte, ward Gundling dem Könige empfohlen, der ihn zu seinem Hofrath, Zeitungsreferenten, und Historiographen ernannte. Allein seine unbändige Neigung zum Trunke, seine Pedanterie, und sein höchst steifes komisches Aussehen, vereitelten allen Anschein von Würde, und machten ihn den Hofleuten blos lächerlich, die ihn bald als einen Hofnarren behandelten. Er war im Weintrinken unersättlich, trank vom frühesten Morgen an bis Abends, und klagte immer über Durst, disputirte und schimpfte, wenn er besoffen war, und strotzte dabey von einem pedantischen Hochmuth, weil er sich für den grösten Gelehrten hielt, wodurch er nur noch lächerlicher ward. Die Hofleute und Offiziere spielten ihm unzählige Schwänke, und der beständigen Nekereyen müde, entwich er daher, ward aber bald überredet, zurückzukehren. Der König erhob ihn in den Freyherrnstand, und ernannte ihn zum Kammerherrn, Hofkammerrath, Kriegsrath, Oberappellations- und Kammergerichtsrath, dann zum geheimen Rath, Präsidenten der Societät der Wissenschaften, und Oberceremonienmeister. Allein seine vielen Titel und Würden änderten seine Lebensart, seine Liebe zum Trunk und das Gespötte über ihn, nicht im geringsten. Er starb zu Potsdam am 11. April 1731, und wurde in einem sehr grossen Sarge begraben, der wie ein Weinfaß gestaltet, und mit harten Reimen, worinn er halb Schwein, halb Mensch genannt wird, überschrieben war. Ungeachtet der Sonderbarkeiten, die Gundling an sich hatte, und ungeachtet der Behandlung, die er erfahren mußte, waren doch seine Einsichten und seine Verdienste um die Gelehrsamkeit groß. Seine Schriften:

1. Severini de Monzambano lib. de statu imperii germanici. Colon. 1706.
2. Leben und Thaten Friedrich I. Churfürsten von Brandenburg. 8. Halle 1715.
3. Nachricht von dem Alterthum der Stadt Halle. 1715.
4. Nachricht von dem Grosherzogthum Florenz. 4. Leipzig 1717. Frankfurt 1723.
5. Lebensbeschreibung des geheimen Raths Plarre. 1717.
6. Geschichte und Thaten K. Heinrichs VII. Halle 1719.
7. Geschichten u. Thaten Königs Conrad IV. und Königs Wilhelm. 8. Berlin 1719.
8. Geschichte u. Thaten Königs Richard, und Historie des interregni. ebend. 1719.
9. Geschichte u. Thaten K. Conrad III. Halle 1720.
10. Imperialia, oder Anmerkungen über die teutsche Reichssachen. Erster Theil. 1722.
11. Auszug Chur Brandenburg. Geschichten Joachim I. und II. und Johann Georgs, bey Gelegenheit der Lebensbeschreibung des Lampert Distelmayer. 8. Halle 1722.
12. Nachrichten von Parma und Piacenza, und deren Dependenz vom römischen teutschen Reich. 1723.
13. Pommerischer Atlas, oder geographische Beschreibung des Herzogthums Pommern. 1724.
14. Brandenburgischer Atlas, oder geographische Beschreibung der Churmark Brandenburg. 8. Potsdam 1724.
15. Landkarte des Churfürstenthums Brandenburg, ausgefertiget von Gundling und Busch. Berlin 1725.
16. Specialkarte der Altmark, oder Churbrandenburg.
17. Karte des Herzogthums Magdeburg, mit seinen Kreisen u. Ländern, gezeichnet von Gundling, gestochen von Busch. Berlin 1730
18. Diss. epist. de numo Vizonis, obotritorum regis ad S. R. Jo. Rau.
19. Geschichte u. Thaten K. Friedrichs. 8. Berlin.
20. Bestand des Rußischen Kaisertitels.
21. Diss. de originibus Marchionatus Brandenburg. Fol.
22. Diss. de Philippo Suevo.
23. Hand- und Bataillen-Kalender.
24. Geographische Beschreibung des Herzogthums Magdeburg. 8. Frankf. u. Leipzig 1730.
25. Leben und Thaten Alb. Ursi, Fürsten von Anhalt. Fol. Berlin 1731.

Vergl. Jöchers Gelehrten Lexikon B. II. S. 1281. Wills und Nopitsch Nürnberg. Gel. Lexikon B. I. S. 591--593. und B. V. S. 445--447. Leben und Thaten J. P. Freyh. v. Gundling. 8. Berlin 1793. Waldau neue Beyträge 1790. H. VI. S. 369. Hirschings hist. lit. Handbuch B. II. Abth. 2. S. 209--213.


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