Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Joseph Lerch (GND 129149152)


Daten
Nachname Lerch
Vorname Joseph
GND 129149152
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Joseph Lerch in der BSB

Lerch (Joseph), wurde den 16ten Februar 1740 zu Immenstadt im Algey geboren, wo er die Malerkunst bei Anton Winter lernte, und sich dann auf Reisen begab, um sich in dieser Kunst noch mehr zu vervollkommnen. Zu Bicki, unweit Basel, malte er für den ehemaligen deutschen Ordens-Komthur und K. K. Feldmarschall Grafen v. Königsegg viele Kabinettsstücke in Miniatur, und da derselbe hiemit sehr zufrieden war, mußte er ihm auch Kabinettsstücke für sein Landgut Althausen verfertigen. Er erhielt hierauf den Ruf vom Fürsten von Hohenzollern zu Hechingen, für den er ebenfalls mehrere Kabinettsstücke in Miniatur malte, worauf er sich nach München begab und dort 1760 als Professor der Zeichen-und Malerkunst an der churbaierischen Porzellain-Fabrik in Nymphenburg angestellt wurde. Sechs Jahre stand er diesem Lehramte mit allem Beifall und Zufriedenheit seiner Vorgesetzten vor, bildete sehr geschickte junge Leute, und trug sehr vieles zu einer schönen, guten und geschmackvollen Malerei auf Porzellain bei. Er heurathete endlich 1766 und wurde Bürger und Gipsmüller in der Residenzstadt München, übte aber aus Neigung nebenher die Malerkunst fort. Vortrefflich malte dieser Künstler nach der Natur, und der den Thieren eigenen Stellungen und Charakter Vögel, vierfüßige Thiere und Insekten, eben so Blumen und Früchte, die noch jeder Kenner bewunderte. Aber eben daher seine Celebrität und sein großer Ruf, der bis nach St. Petersburg drang; indem er für Rußlands große Kaiserin Katharina II. viele Kabinettsstücke in Miniatur zu malen den Auftrag erhielt, die sich dort allen Beifall erwarben und ihm auch gut bezahlt wurden. Dieser Künstler besitzt noch eine sehr schätzbare und reichhaltige Sammlung verschiedener von ihm wahr, fein und mit allem Fleiße verfertigter Miniaturgemälde aus dem Thier- und Pflanzenreiche, die, nur zu sehen, ein großes Vergnügen dem Kunstkenner und dem Naturkundigen gewähren. Der Miniatur-Maler Johann Paul Rumel[1] in München ist sein Schüler.


Vorheriger
Vorheriger
Eintrag
Seite 243 Seite 244 Nächster
Nächster
Eintrag


Fußnoten

  1. Johann Niedermayr, ein Töpfer (Hafner) zu München an der Schaflergasse, hatte sich durch Reisen und das Studium der Chemie dergestalt gebildet, daß er anfieng anfangs Geschirre und endlich auch Oefen aus Porzellainerde mit weißer Glasur und vergoldeten Ornamenten nach einem guten Geschmacke zu verfertigen. Diese Oefen, welche in der churfürstl. Residenz zu München, dann auch im Schlosse zu Nymphenburg von ihm gesetzt wurden, erwarben ihm großen Beifall, und selbst Churfürst Maximilian III. bewunderte dieses Mannes Erfindung, Geschmack und Ausführung. Hierdurch gerieth der Churfürst auf den Gedanken, eine Porzellainfabrik in Nymphenburg zu errichten, und über dieselbe den Sigmund Grafen v. Haimhausen, einen großen Kenner und Unterstützer der Wissenschaften und Künste, als Direktor zu setzen. Diese glücklich getroffene Wahl in der Person dieses Grafen veranlaßte nicht nur, daß die Fabrik im Jahr 1758 entstand, sondern sich auch bald sehr vervollkommnete, und gut und elegant gearbeitete, dann zierlich gemalte Geschirre, Vasen, Figuren u. s. w. verfertigte. Der Töpfer Niedermayr hatte die Mischung der Erde, die Glasur und das Brennen zu besorgen. Franz Pastelli, ein geborner Italiener, wurde als Modellmeister, und Joseph Lerch als Professor der Zeichen- und Malerkunst hiebei angestellt. Um gleich beim Entstehen dieser Porzellainfabrik nach dem neuesten Geschmacke zu arbeiten, ließ der Direktor derselben, Sigmund Graf von Haimhausen, sich vom chursächsischen Hofmodellmeister Andreas Gärtner zu Dresden mehrere Modelle liefern. In der Folge arbeiteten Dominik Aulizeck als Modellmeister und Joseph Weiß als erster Maler bei dieser Fabrik.