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Johann Sigmund Mörl (GND 117088323)


Daten
Nachname Mörl
Vorname Johann Sigmund
GND 117088323
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft, Religion


BSB Johann Sigmund Mörl in der BSB

MÖRL (Johann Sigmund) Prediger und Professor zu Nürnberg; daselbst am 3. März 1710 gebohren, und des Gustav Philipp Mörl Sohn. Nachdem er unter der Leitung seines gelehrten Vaters am Gymnasium seiner Vaterstadt gründliche humanistische Kenntniße erlangt hatte, studirte er von 1726 bis 1732 zu Altdorf, machte dann einige Reisen, und wurde 1735 zu Nürnberg Diakon bei St. Egidien, 1741 Diakon bei St. Sebald, 1756 Pastor an der Marienkirche, und 1759 Prediger und Inspektor am Gymnasium zu St. Egidien. Im J. 1749 hatte er sich mit Maria Magdalena, des Pastors Oswald zu Lohnerstadt Tochter, verehelichet. Im J. 1765 wurde ihm die Professur der griechischen Sprache, und 1770 zugleich die Predigerstelle an der Kirche zu St. Lorenz übertragen. Im J. 1773 ward er vorderster Prediger zu St. Sebald, Antistes des Nürnbergischen Ministeriums, und Stadtbibliothekär. In demselben Jahre verwechselte er seine bisherige Professur mit jener der Dogmatik und Moral, hielt sich aber nicht so genau an seine Nominalprofessuren, sondern suchte immer über allerhand nützliche Gegenstände zu lesen z. B. über die Kenntniß der alten Klassiker, über theologische Literatur, über neue Geschichte und Geographie. Im Dezember 1785 feierte er sein fünfzigjähriges Amts-Jubiläum, und starb an langsamer Entkräftung den 22. Februar 1791. Er ward in dem Sarge begraben, den er sich schon 20 Jahre vor seinem Tode hatte machen lassen, und den er in seiner Bibliothek, nebst dem Texte und der Melodie zur Trauermusik, die bei seiner Leiche aufgeführt werden sollte, sorgfältig aufbewahrte. Seine Predigtvorträge waren nicht rednerisch, aber voll Ordnung, Deutlichkeit, und Anwendbarkeit für die Zuhörer. Er lebte, seine Amtsgeschäfte abgerechnet, immer in seinem Museum, und in der auserlesenen Bibliothek, die er sich gesammelt hatte. Für mehrere Wissenschaften, besonders für literarische Notitzen, war er ein lebendes Repertorium, und stand immer bereitwillig, andern Gelehrten, mit seinen Kenntnißen zu dienen. Ein ruhiges Temperament, ein von häuslichen Sorgen freies Leben, eine mäßige und gleichförmige Diät, führten ihn bei aller Unmäßigkeit im Studieren, und bei allem Mangel an körperlicher Bewegung, bis in ein Alter von ein und achtzig Jahren. Von seinem siebenzigsten Jahre an hielt er an jedem Abend eine Todesbetrachtung, und las wiederhohlt den Cicero de Senectute, des Aeschines Dialogen, den Axiochus de morte, den Cydonius de contemnenda morte, und Platos Phädon. Seine Schriften:

Vergl. Hirschii diptycha. Biblioth. Nor. Will. B. II. S. 1305. u. B. VIII. S. 1388. J. S. Mörl’s Leben u. Verdienste, von Döderlein, Nürnb. u. Altd. 1793. (steht auch in Hänleins u. Ammons neuen theol. Journal B. 1. St. 3.) Will’s u. Nopitsch Nürnb. Gel. Lexikon B. II. S. 635--637. u. B. VI. S. 436--438. Meusel’s Lexikon verstorbn. Schriftst. B. IX. S. 221--225. Schlichtegroll’s Nekrolog auf 1792. II. S. 351--357. Rötger’s Nekrolog St. I. S. 126. Rotermund’s Lexikon B. IV. S. 1887. Ladvocat’s Handwörterbuch B. VIII S. 388. Journal von u. für Franken B. II. H. 4. S. 350.

  1. 1. Scholia philologica et critica ad selecta S. Codicis loca. 8. Norimb. 1737. Editio altera emendatior et multum auctior, post mortem auctoris curata a G. Cp. Wildero. 8. Nürnb. b. Stein 1793. 183 S. [1]
  2. 2. Schediasma philologico-geographicum, in quo Joh. Harduinii disquisitio de situ paradisi terrestris examinatur. Fol. Nor. 1750.
  3. 3. Oratio de meritis Norimbergensium in geographia d. 16. Oct. 1750 cum munus professoris publ. hebr. linguae ac geograph. in auditorio Egidiano susciperet; in Willii Museo Norico S. 121 --136.
  4. 4. Kurzer Entwurf der sämmtlichen Glaubenslehren der christlichen Religion, in einem Jahrgang von 1757 bis 1758 der Gemeine zu St. Marien in Nürnberg vorgetragen. 8. Nürnb. 1759.
  5. 5. Kurzer Entwurf der sämmtl. Christen Pflichten, in einem Jahrgang von 1758 bis 1759. eb.
  6. 6. Kurzer Entwurf, nach welchem die Glückseligkeit wahrer Christen in einem Jahrgang von 1759 bis 1760 der Gemeine zu St. Egidien soll vorgetragen werden; nebst einem darauf gerichteten Gebet. eb.
  7. 7. Kurzer Entwurf der vornehmsten Stücke, welche bei der Kinderzucht in Betrachtung zu ziehen sind, nach welchem dieselbige in einigen Wochenpredigten in der Kirche zu St. Egidien sollen abgehandelt werden. 8. eb. 1761. Diese letzten Entwürfe hat nachher Dr. u. Schaffer Panzer ausgearbeitet, und in 28 Predigten zum Druck befördert unter dem Titel: Predigten von der Auferziehung der Jugend. 8. eb. 1765.
  8. 8. Leichpredigt auf Dr. Joh. Jak. Pfitzer. Fol. 1759. steht in dessen funeralibus.
  9. 9. Jubelvesperpredigt (von J. S. Mörl), welche den 1. Septemb. 1768 am Tag Egidii bei dem feierlichen Gedächtniß der vor 50 Jahren vollzogenen Einweihung des wieder erbauten Egidientempels gehalten, u. nach dem davon mitgetheilten kurzen Entwurf auf geschehenes Verlangen ausgefertiget, und zum Druck befördert worden von M. C. M. Schmidbauer. 4. Nürnb. 1768.
  10. 10. Sammlung einiger bekannten Lieder der evangel. Kirche, wie solche den zum Tode verurtheilten Missethätern können vorgesprochen werden. 8. eb.
  11. 11. Leichpredigt auf Prediger Andr. Rechberger (steht in dessen Ehrengedächtniß von D. Dietermayr, Nürnb. 1772).
  12. 21. Versuch einiger Erläuterung er Geschichte von der Dauer der Assyrischen Monarchie; in der Halleschen allg. Welthistorie Th. 3. S. 550--553.
  13. 13. Beiträge zur Erläuterung der alten Geschichte: in den Erläuterungsschriften zur allg. Welthistorie B. 1. S. 443--456.
  14. 14. Tabelle der 400 Jahre I. B. der Könige 6. ebend. im 6. Theil. (Die dazu gehörige Abhandlung blieb ungedruckt).
  15. 15. Neuer Versuch einer Zeitrechnung vom Ausgange der Kinder Israel bis auf den Salomo; in der Antideistischen Bibel (Erlangen 1768). Th. 4.
  16. 16. Unvorgreifliche, jedoch wahrhaft patriotische Vorschläge zur Verbesserung des Nürnbergischen Kirchen und Schulstandes; in Siebenkees Materialien zur Nürnb. Geschichte B. 1. S. 210--226.
  17. 17. Vorrebe zu Leonhardi Erweis, daß die Rabbinen schnurstraks wider das Mosaische Gesetz lehren (Nürnb. 1781).
  18. 18. Hauptinhalt einer Predigt über die kirchliche, im J. 1785 gehaltene Reformation; im Journal von u. für Teutschland 1785. St. 7. S. 57.
  19. 19. Der Entwurf seiner 1785 gehaltenen Predigten steht in Waldau Beiträgen B. 1.
  20. 20. Er war noch gesinnt, Sonntags und Gelegenheits Predigten in 2 Bänden herauszugeben, was aber unterblieb.
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Fußnoten

  1. s. Leipz. gel. Z. 1737. S. 27 u. 1739. Acta erudit. Lips. latin. suppl. B. 2. S. 475. Erfurt. gel. Z. 1793. S. 359. Rintel. Annal. 1794. I. S. 52. Jen. Lit. Z. 1795. I. S. 394.