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Johann Pachelbel (GND 119456613)


Daten
Nachname Pachelbel
Vorname Johann
GND 119456613
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Johann Pachelbel in der BSB

Pachelbel, (Johann), geboren zu Nürnberg den 1. September 1653, zeigte schon in früher Jugend zu den Wissenschaften, vorzüglich aber zur Tonkunst eine besondere Neigung. Er kam nach Regensburg, studirte daselbst am Gymnasium, und lernte in seinem sechszehnten Jahre bei Prenz die Komposition. Nachdem er die untern Schulen zurückegelegt hatte, besuchte er die hohe Schule zu Altdorf, hielt sich aber daselbst, aus Mangel eines hinreichenden Vermögens, nur ein Jahr auf, gieng sodann nach Regensburg zurücke, und begab sich von dort auf der Donau nach Wien. In dieser Stadt fand er Gelegenheit auf der Orgel in der dortigen Stephanskirche zu spielen, wo er so sehr gefiel, daß man ihn als Adjunkt zur Aushilfe des Organisten anstellte. Seine Celebrität, vorzüglich auch durch seine gefällige musikalische Kompositionen veranlaßt, verbreitete sich in Bälde in entferntere Gegenden, und 1675 erhielt er wirklich einen Ruf nach Eisenach, wo er als Organist angestellt wurde. Im Jahre 1678 verließ er diesen Dienst, und begab sich nach Erfurt, wo er zwölf Jahre lang verblieb, dann aber 1690 nach Stuttgard sich begab, wohin er mit besonders vortheilhaften Bedingnissen berufen wurde. Aber hier konnte er nicht lange verweilen, da ihn die in dieses Herzogthum eingedrungenen französische Kriegsvölker vertrieben; daher er die ihm angebothene Bedienstung des Herzogs von Sachsen Gotha annahm. Als er diese Dienste kaum angetreten hatte, ward er 1695 in seiner Vaterstadt an des gestorbenen Georg Kaspar Wecker Stelle gekommen, wo er auch den 3. März 1706 gestorben ist, unter leisen Singen: Herr Jesu Christ, meines Lebenslicht etc. Diesem Künstler bleibt das rühmliche Verdienst, daß er die Kirchenmusik zu seiner Zeit verbesserte, und die Ouvertürmethode[1] auf dem Klavier einführte. Von seinen Werken erschienen zu Nürnberg in Kupfer gestochen folgende: a) Musikalische Sterbensgedanken, aus vier variirten Choralen bestehend. (1683.) b) Musikalische Ergötzung aus sechs verstimmten Parthien, von zwei Violinen und Generalpaß. (1691.) c) Chorale zum Präambuliren, acht an der Zahl. (1693.) d) Hexachordum Apollinis, aus 6 sechsmal variirten Arien. (1699.) Ferners verfertigte er viele Stücke für das Klavier und andere Instrumente. Doppelmayr am a. O. S. 457.


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Fußnoten

  1. Ouverture bezeichnet im weitern Sinne des Wortes jedes ausgeführte vollstimmige Instrumentalstück, welches einer Oper, Cantate, einem Ballet etc. zur Einleitung oder Eröffnung dient. Im engern Sinne hingegen eine besondere Gattung der Eröffnungsstücke (Intrada) welchen besonders Lülli eine bestimmte Form gegeben hat. Diese letztere Gattung der Ouvertüre besteht aus einem nicht zu weitläufig ausgeführtem Satze, von langsamer Bewegung, und von einem ernsthaften, aber erhabenen und feuerigem Charakter im 4/4 Takte geschrieben, dem unmittelbar eine Fuge von munterer Bewegung in beliebiger Taktart folget. Diese Fuge, frei behandelt, ist mit verschiedenen, nicht unmittelbar auf dem Hauptsatze, oder Contrasubjekte fließenden Zwischensätzen, vermischt, und erhält hierdurch einen lebhaften Gang, und einen, dem Gehöre schmeichelnden, gefälligen Charakter. Nach dem Schlusse der Fuge wird meistens der erste langsame Satz (den wir Grave nennen) entweder ganz, oder zum Theil widerholt, und dann der Uebergang zur Opernmusik selbst gemacht. -- In dem letzten Viertel des nun dahin geschwundenen achtzehenden Jahrhunderts verlor sich diese Art der Ouvertüren, man kam auf die Idee im Eröffnungsstücke nicht nur einen musikalischen Vorgeschmack von dem, was man in der Oper selbst zu erwarten hat, zu geben, sondern in der Ouvertür die ganze Opernmusik als ein Miniatür-Gemälde, oder im verjüngten Maasstabe, oder als Skizze zu liefern. Mozart aber hat durch die Ouvertüre seiner Zauberflöte die ältere Form an das Tageslicht hervorgezogen, und gezeigt, daß diese Methode, die wahrscheinlich in des Schweitzer’s Alceste die letzte von der Art gewesen, nicht zu verwerfen, sondern sehr schön seye, wenn man sie zu behandeln versteht, und wenn man sich als Künstler zeiget, und nicht klimpert. Heinrich Christoph Koch musikalisches Lexikon. (Frankf. am Main 1802.) B. II. S. 1126.