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Eugen Pausch (GND 121618544)


Daten
Nachname Pausch
Vorname Eugen
GND 121618544
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Eugen Pausch in der BSB

Pausch, (Eugen), 1758 zu Neumarkt (jetzt im Oberdonaukreise) geboren, äusserte schon als Kind von 3 bis 4 Jahren ein besonderes Genie zur Musik, indem er Arien, die er in der Kirche seiner Vaterstadt hörte, sogleich im Gedächtnisse behielt, und zu Hause sang oder pfif. Seinen erster Unterricht im scientivischen, und auch in der Musik bekam er zu Neumarkt in der Schule, von da er im eilften Jahre seines Alters als Sopranist nach Neuburg an der Donau gekommen ist. Hier erhielt er eine bessere Bildung in der Musik, sein Geschmack wurde veredelt, und so entwickelte sich bald sein musikalisches Talent. Der junge Pausch würde, seiner Neigung gemäß, ausschlüßig mit der Musik sich beschäftiget haben, hätten ihn nicht seine Obern auch zur Erlernung der Wissenschaften angehalten. Als er daselbst die Gymnasial-Klassen durchwandert hatte, begab er sich 1775 nach Amberg (jetzt im Regenkreise), wurde daselbst in das Seminar aufgenommen, und studirte die Philosophie. Hier, wo die Musik damals noch nicht so mächtig nach dem neuern Geschmacke, wie in Neuburg an der Donau vorangeschritten war,[1] schrieb er 1776 das Singspiel: Jephte, für die Preisevertheilung der Studirenden, und erwarb sich mit diesem ersten Versuche in der Tonsetzkunst großen Beifall, indem eine reiche Phantasie, und ein melodischer Gesang vorzüglich in dieser Musik glänzten. Im Jahre 1777 wurde er in den Cisterzienser-Orden zu Walderbach aufgenommen, wo die Musik unter dem Prälaten Alberik Eisenhut, der sowohl Kenner, als Beförderer derselben gewesen ist, auf einer bedeutenden Stufe der Kultur stand. Nachdem er dort seine theologischen Studien vollendet hatte, und zum Priester geweihet war, übertrug ihm der Prälat die Aufsicht über das Seminar, den Unterricht der Seminaristen im scientivischen und musikalischen Fache, und die Direktion des Chors. Hier war Pausch an seinem Platze, und er benützte jede Stunde, die ihm seine Berufsgeschäfte übrig liessen, um Komposition zu studiren. Vogler’s eben herausgekommene Tonschule war sein Lieblingsbuch. Um nun Theorie mit Praktik zu verbinden, schrieb Pausch eine Menge Messen, Offerrorien und andere Kirchen-Musiken, die sich im Manuskripte in ganz Baiern, und selbst im Auslande verbreiteten, und überall sehr beliebt waren, weil er seinem Satze eine gewisse Leichtigkeit zu geben verstand, und überhaupt artige Gedanken und angenehme Melodien vortrug. Das Fach, worinn er bei günstigern Umständen würde etwas von bedeutender Größe haben leisten können, war das musikalische Dramma. Als er Professor am Schulhause zu Burghausen gewesen, setzte er bei zwölf Operetten in Musik, welche bei Gelegenheit der feierlichen Preisevertheilungen in Burghausen, Neuötting, Amberg und Cham aufgeführt wurden, überall großen Beifall erhielten, und den Foderungen der Tonkünstler und Kenner entsprachen. Im Jahre 1790 gab er sechs Messen in den Druck, wozu ihn der Musikdirektor Joseph Anton Laucher in Dillingen aufforderte. Dieses Werk hat folgende Aufschrift: Sechs kurze, doch solemne Messen, sieben Motetten und eine Seelenmesse, mit vier gewöhnlichen Singstimmen, zwei Violinen, zwei Waldhorn, Orgel und Baß. Nach dem neuesten Geschmacke bearbeitet von Herrn Eugenius Pausch, des berühmten Cisterzienser-Stiftes Walderbach in der obern Pfalz, d. Z. Professor. -- Im Verlage bei Joseph Anton Laucher, Musik-Direktor in Dillingen an der Donau. Gedruckt bei Franz Anton Roßnagel, Hofbuchdrucker 1790. Bald darauf folgte ein feierliches Te Deum etc. bei Lotter in Augsburg, worauf dieser Verleger den Wunsch äusserte, alle Vesper-Psalmen von des Pausch Komposition zu haben, und Pausch komponirte dieselbe, und gab sie 1792 bei Lotter unter dem Titel: Das vollständige Vesperwerk von 28 Psalmen samt Antiphonien, heraus. Der Verfasset hält dieses Werk für sein beßtes, und es fand in allen Kathedral- und andern Kirchen den verdienten Beifall. Im Jahre 1797 gab er abermals sechs Messen, deren die erste Pastoral- die letzte aber eine Seelenmesse ist, und 1807 sechs solemne Messen mit einem Requiem auf Verlangen seiner Verleger gedruckt heraus. Nach Aufhebung der Abteien in Baiern ward Pausch nach Amberg zur Direktion des dortigen Seminars berufen, blieb aber nur ein Jahr daselbst, und begab sich, um den Rest seiner Tage in Ruhe zuzubringen, in seine Vaterstadt Neumarkt zurücke, wo er noch von Zeit zu Zeit Musiken verfertiget, die dem Zeitalter, in dem er lebt, nicht unwürdig sind.


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Fußnoten

  1. In Amberg bestand überhaupt schon immer eine große Liebe zur Tonkunst, auch gab es daselbst immer sehr geschickte Musiker, nur nicht nach modernem Geschmacke, sondern nach soliden Grundsätzen, nach dem Sisteme der Contrepunktisten. Den neuen Geschmack dahin zu verpflanzen fiengen Roman Reuter und Eugen Pausch an, denen dann 1779 und 1780 die drei Brüder, Schermer, Jos. Widmann und Schadutz folgten, die alle aus dem Neuburger Seminar gekommen sind. Sehr vieles verdankt indessen die Tonkunst in Amberg dem ehemaligen Oberstaabschirurg und nachmaligen Medizinalrathe Egid Ströhl, einem großen Musikfreunde, der viele fremde Virtuosen nach Amberg zog, die daselbst, von ihm unterstützt, Konzerte gaben, oder auf dem Musikchore der Salesianer-Nonnen, den auch verschiedene Musikliebhaber vom Stande besuchten, spielten. Hierdurch gewann die Tonkunst in dieser Stadt einen neuen Aufschwung, und nun wurden auch die Werke eines Joseph und Michael Haydn, eines Mozarts, Vanhall, Vogler, Winter, Rosetti, Misliwezeck etc. ausgeführt, und allgemein bekannt.