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Franz Xaver Rueder (GND 129485438)


Daten
Nachname Rueder
Vorname Franz Xaver
GND 129485438
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Franz Xaver Rueder in der BSB

Rueder, (Franz Xaver), den 13. September 1769 im oberpfälzischen Markte Oberbiberach ebenfalls geboren. Da seine Schwester einen Jugendlehrer heirathete, so gab ihr Mann diesem Rueder Unterricht in der Musik, der aber hiefür nicht empfänglich zu seyn verrieth, und überhaupt kein musikalisches Gehör zu haben schien. Der Vater gab ihn nun auch in das Seminar nach Speinshart; allein auch hier begriff sein Sohn nichts, und machte keinen Fortgang. In dieser großen Verlegenheit pilgerte er nun mit dem Xaver zu seinen Vetter dem Stadt-Organisten Daubenmerkl nach Amberg, und klagte dem sein Herzensleid. Daubenmerkl prüfte den Knaben, und dieser entsprach nicht, war ganz unkündig der Musik. Da sieht es böse aus -- äusserte sich endlich der Organiste Daubenmerkl, und lächelte; -- aber nun fieng der Knabe bitterlich zu weinen an, und bat seinen Vetter er möchte sich seiner annehmen, ihn nicht verstossen. -- Dieses Gefühl, diese Bitte rührte dem gutmütigen Daubenmerkl, und er brach in die Worte aus: nein! mein Kind! ich verstosse dich nicht. Ich danke meinem Vetter Joh. Bapt. Rueder, was ich kann, nun will ich versuchen an dir ihm danken zu können, und dich wenigst für einen Jugendlehrer brauchbar zu bilden.

Daubenmerkl begann nun mit seinem kleinen Vetter den Unterricht auf dem Klavier; allein drei Wochen verflossen, und der Junge begriff noch nichts. Aber plötzlich wurde es hell in seinem Kopfe. Nach sechs Wochen wußte er alles zu sagen, was man ihm gelernt hatte, und binnen eines halben Jahres spielte er zur Verwunderung auf der Orgel in der Martins-Pfarrkirche zu Amberg. Dieses machte dem Junge Muth, und dem Organisten Daubenmerkl große Freude. Beide verdoppelten ihren Eifer, und binnen 3 Jahren war der junge Rueder schon ein fertiger Organist. Da er solche Progressen in der Musik gemacht hatte, vermuthete man ähnliche in den Wissenschaften, und nun fieng er in seinem 16ten Jahre zu studiren an. Auch hierin entsprach er den Erwartungen, und wurde dann als Organist in dem Seminar daselbst angestellt, worinn er bis 1792 verblieb, dann aber im Kloster Rebdorf bei Eichstädt aufgenommen wurde. Anfangs widmete er sich in diesem Kloster nur den Wissenschaften, und sah die Musik ganz gleichgültig als Nebensache an; diese Gleichgültigkeit gegen die Tonkunst behielt er selbst dann noch bei, als er den 5. Nov. 1793 in Eichstädt die Pastoral-Theologie, das geistliche Recht, und die Kirchengeschichte studirte. Den 25. Jul. 1795 wurde er zum Priester geweihet, und nun fieng er an sich dem Predigeramte zu weihen, und die Musik wieder zu üben. Er gab im Orgelspielen Knaben und Jugendlehrern Unterricht, und bildete manchen guten musikalischen Zögling. Um seinen Unterricht in der Musik allgemeiner, und für jedermann nützlich zu machen, entschloß er sich ein Lehrbuch über Fingersatz, Präambulen, Generalbaß, Transitionen, Fugen etc. zu schreiben. Drei volle Jahre arbeitete er an diesem Werke, das schon 456 Seiten stark war; als ihn ein alter Freund besuchte, dem er das Manuscript zur Einsicht vorlegte. Dieser bat ihm auf einige Tage das Manuscript nach Hause zu geben, um dasselbe mit Musse zu durchlesen. Rueder willigte ein, erhielt es jedoch nicht mehr zurücke, weil seinem Freunde das ganze Manuscript entwendet wurde. Das verdroß ihn nun so sehr, daß ihm die Liebe zur Authorschaft vergieng, und er fest beschloß nichts mehr zu schreiben. Schade, daß dieser Mann, einer der ersten Organisten Baierns, seine Kunst nicht anderen mehr mittheilet, und durch diesen unseeligen Zufall abgestumpft wurde, der musikalischen Welt durch seinen leichten, faßlichen und gründlichen Unterricht für das Klavier und die Orgel zu nützen!

Nachtrag aus: Lipowsky Musiker

Rueder, (Franz Xaver), von dem oben S. 292-294 die Rede gewesen, starb zu München den 14. November 1810.


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