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Joh. Baptist Rueder (GND 101006632)


Daten
Nachname Rueder
Vorname Joh. Baptist
GND 101006632
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Joh. Baptist Rueder in der BSB

Rueder, (Joh. Baptist), ein Sohn eines Faßbinders, (Bötticher, Schäfler), wurde den 13. Sept. 1723 im oberpfälzischen Markte Oberbiberach geboren. In früher Jugend zeigte er eine ausserordentliche Freude zur Musik; allein der Vater war hierzu nicht empfänglich, und hielt ihn schon in seinem 11ten Jahre zur Erlernung seines Handwerkes an. Als er fünf Jahre dasselbe übte, wurde er dessen überdrüßig, und beschloß zu studiren und Musik zu lernen. Der Vater willigte endlich ein, um einen geistlichen Herrn Sohn an ihm zu erleben, und wallte mit ihm nach dem Kloster Speinshart. Der Abt dieser Prämonstratenser-Abtei nahm ihn auf, und gab ihn als Zögling in das dortige Seminar[1]. Tage und Nächte hindurch studirte nun unermüdet der 16jährige Eleve, übertraf binnen vier Wochen alle seine Mitschüler in den Wissenschaften, und nahm in der Musik, unter der Leitung des dortigen Kapitularen Joseph Wild, (von Stadt Kemnath gebürtig, und damals ein berühmter Organist) dergestalt zu, daß er nach Verfluß von drei Viertel Jahren die Kloster-Orgel mit großer Bewunderung seiner Zuhörer spielte. Nachdem er sieben Viertel Jahre in der Abtei Speinshart den Wissenschaften obgelegen und die Musik gelernt hatte, fand er im Jesuiten-Seminar zu Amberg als Organist einsweilige Versorgung, und studirte daselbst in einem Alter von 18 Jahren die erste Schule (Rudiment) am dortigen Gymnasium, daher ihn seine Mitschüler den Patriarchen nannten. Rueder harrte mit einem ausserordentlichen Fleisse aus, behauptete den ersten Platz, und behielt ihn während seines Studiums in allen Schulen fort. In der zweiten Schule (Grammatik) fieng er zu komponiren an, und in der dritten (kleiner Syntax) verfertigte er für das Seminar eine geistliche Operette, die bei ihrer Aufführung sein musikalisches Genie verrieth. Als er die erste Schule im Lyceum (Logik) frequentirte, ward er im Seminar zum Prafekten ernannt, und stand disem Amte bis 1752, wo er zum Weltpriester geweihet worden, mit aller Zufriedenheit vor. Da Rueder schon in seinem zwanzigsten Lebensjahre graue Haare hatte, so eignete man dieses seinem ausserordentlichen Fleisse zu. Rueder bildete zwei vortreffliche Organisten, den nachmaligen Franziskaner Organisten P. Liberat Kufner, und den großen sistematischen Organisten Daubenmerkl, auch unterrichtete er im Klavierspielen 462 Individuen, worunter sich die Frau Gräfinn von Montgelas, geborne Gräfinn von Arco Excell. als eine der ersten Tonkünstlerinnen vorzüglich auszeichnet. Dieser fleißige und gute Tonkünstler schrieb ein Buch über Generalbaß, Galanterie-Stücke und Fingersatz, und verfertigte 25 Opern und Meditationen, 19 Messen, 32 Simphonien, 36 Litaneien, 40 Veni Sancte Spiritus, 18 Salve Regina u. s. w. Seine Pastorell-Messen sind besonders geschätzt und beliebt. Er starb, geachtet wegen seiner Kunst und Wissenschaft, und geliebt wegen seines redlichen guten Herzens, zu Amberg den 7. April 1807, in einem Alter von 84 Jahren, und im 55sten Jahre seines Priesterthums, wie sein Grabstein beurkundet.


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Fußnoten

  1. Der Gedanke, der Erziehung, dem Unterrichte eine andere Tendenz zu geben, das Mechanische der Bildung zu entfernen, und Theorie mit der Praxis, das Nützliche mit dem Nothwendigen, und alte klassische Litteratur mit der neuen zu vereinen, erhob sich nicht mit einem Male in seiner ganzen Größe. Mehrere Zeitalter zurück trift man schon Spuren von solchen Unternehmungen, und zwar innerhalb jenen Mauern an, welchen man jenes edle Bestreben nicht zutraute, und sie als Zufluchtsorte blöder Köpfe und bigotter Menschen ansah. Die sogenannten Singknaben, von denen schon das Bituricensische Konzilium 1584 verordnet: Pueros choristos non tantum voce, sed etiam compositis moribus, et habitu, et literullis pro captu aetatis ornatos esse debere (Gerbert T. II. de cantu et musica sacra), und welche man seit ungedenklichen Jahren erhalten hatte, gaben hierzu den beßten Anlaß. Man vereinigte anfangs die Musik mit dem Unterrichte in der lateinischen Sprache; sah nach und nach die Möglichkeit ein, daß der Wirkungskreis eines zärtern Alters sich etwas weiters erstrecke, und nahm gewahr, daß sich nebst den Anfangsgründen der lateinischen Sprache, und einer nur zur Gedächtnißübung dienenden Christenlehre dem Knaben sich auch noch andere nützliche, und ihm faßliche Kenntnisse beibringen ließen. So giengen aus den Seminarien Knaben hervor, die nicht nur Gefühl für die Musik hatten -- und hierbei hatte die Erziehung schon viel gewonnen, denn was ist ein Mensch, der in sich keine Musik hat? -- sondern auch gut gebildete Sänger und Tonkünstler wurden, in der Folge selbst in der litterarischen Welt Epoche machten, und als Gelehrte berühmt waren. -- Will man heut zu Tage die Knaben nur für die Litteratur bilden, und Musik entfernen, will man die figurirte Musik aus den Kirchen verbannen, und dafür einen allgemeinen Volksgesang, von einer Orgel begleitet, einführen, so gebe man ja acht, daß man das Kind nicht mit dem Bade ausschütte. Die Arkadier und Athener liebten die Musik, und Musik war die Grundlage ihrer Bildung. Die Errichtung der Klosterschulen in Frankreich, besonders für die adeliche Jugend, wo man Religionslehre, schöne Wissenschaften, Mathematik u. dgl. mit dem Unterrichte in der Musik vereinte, und die gute Köpfe, und wohlunterrichtete Männer dem Vaterlande gaben, fanden auch in Deutschland die Achtung, welche ihnen gebührte, fanden eine nützliche, ehrenvolle Nachahmung. Die deutschen Abteien betrieben nicht nur die sogenannten innern, sondern auch die äußern Sekundärschulen mit einem solchen Eifer, daß ihnen die Augsburgische Konfession den Vorwurf machte, sie wären nun Schulen geworden. (Historia rei litterariae Ord. Sti. Benedicti.) Schon seit ungedenklichen Zeiten wurden in den Klöstern Baierns arme Knaben zum Unterrichte in den Wissenschaften und in der Musik angenommen, und unentgeldlich verpflegt. Als die Jesuiten sich daselbst niederließen, errichteten sie an ihren Sitzen, wo sie ein Lyceum und Gymnasium hatten, ebenfalls Seminarien, und diese waren zugleich die Konservatorien der Musik. Aus den Seminarien der Jesuiten und der Abteien, so wie aus den in der Folge beibehaltenen Seminarien an den baierischen Lyceen und Gymnasien, giengen Männer erster Größe hervor, Männer die dem Staate und der Kirche wichtige Dienste leisteten, sich durch Gelehrsamkeit und Künste auszeichneten und bewiesen, daß der scientivische Unterricht mit dem der Musik wohl bestehen könne, und daß hierdurch keines vernachläßiget werde, oder eines das andere hindere. Daß sie das geworden, kann nur Folge ihrer Erziehung in diesen Seminarien seyn, und wenn gleich in frühern Zeiten eine regelmäßige deutsche Sprachlehre nicht eingeführt gewesen, und man mehr auf die Sprache der Gelehrten (die lateinische Sprache) hielt; so ist doch nicht zu verkennen, daß bei den Singknaben die Rohheit der Töne durch den Gesang gemildert, und wenigst die Mundart verfeinert wurde, dann daß die Macht der Tonkunst überhaupt ihre stille Gewalt über das Nervensistem geltend gemacht habe. Diesen Knaben war zugleich die Gelegenheit verschaft, nicht nur in Chören, sondern auch in Arien, Duetten u. s. w. ihre Geschicklichkeit zu zeigen, wo sie nicht nur in musikalischer Uebung erhalten wurden, sondern auch überdieß Muth und Aufmunterung erhielten, um sich im Gesange zu vervollkommnen, auch ihnen selbst eine gewisse Unerschrockenheit und Geistesgegenwart eigen geworden. Nebst diesen wurde ihr Charakter verfeinert, ihre Sitten wurden sanfter, und ein reiner Trieb zur Ehre, und ruhmvoller Auszeichnung erwachte in ihnen, dessen gedeihliche Folgen nicht nur die Tonkunst, sondern auch die Wissenschaften umfaßte. -- Aber eben diese Seminarien gewährten noch den wesentlichen Vortheil, daß den ärmern Menschen Gelegenheit dargeboten war, unentgeldlich in der Musik und in den Wissenschaften nicht nur unterrichtet, sondern auch verpflegt, wohl gar hier und da gekleidet zu werden. Ausgezeichnete Talente werden öfters unter dem Strohdache geboren, und diesen Unterstützung versagen, diese unkultivirt, unbenützt zu lassen, würde nicht Aufklärung und Geisteskultur befördern heissen. Wer dieses Satzes Wahrheit bezweifeln wollte, würde eine große Unwissenheit in der Geschichte, und in den Biographien großer Männer verrathen. Wäre dú Val nicht nach Pont a Mousson gekommen, und hätte d’Orbetto keinen Felice Besasorzi gefunden, so würde der erste Kühehirt, und d’Orbetto ein Kohlenzeichner geblieben seyn. Vielleicht hätten auch Virgil und Horatz, ohne Unterstützung, wie ihre Väter, mit Töpfen und Salz gehandelt, und Raphael Sanzio d’Urbino seine ganze Lebenszeit hindurch nur irdene Geschirre gemalt u. s. w. Wenn man nach dem Durchschnitte für die ehemaligen 70 Abteien in Altbaiern, dann die Seminarien an den Lyceen und Gymnasien nur 4 bis 5 Knaben jährlich annimmt, welche in denselben unentgeldlich verpflegt, dann in der Musik und den Wissenschaften unterrichtet wurden, so ergiebt sich, daß binnen einer Zeit von einem halben Jahrhundert 17500 Kinder unterhalten, und beinahe 8750 gebildete Söhne dem Vaterlande gegeben wurden. Eine herrliche zahlreiche Ausbeute, unter der sich doch auch Gold- und Silbererzt befand, und wobei auch Kupfer und Eisen zu manchem brauchbar war, und nützliche Dienste leistete. Wilhelm Erber’s Rede über die in Klöstern befindlichen Sing- und Realschulen, vorgetragen bei der feierlichen Preisevertheilung zu Prifling. (1788.) Westenrieder’s Jahrbuch der Menschengeschichte in Baiern. (München 1783.) B. I. S. 366.