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Andreas Seidl (GND 109881435)


Daten
Nachname Seidl
Vorname Andreas
GND 109881435
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Andreas Seidl in der BSB

Seidl (Andreas), geb. zu München 1760, lernte in seinen frühern Jahren beim dortigen Hofbaumeister Lespilliez die Zeichnung der Ornamente, die Säulenordnung und die Anfangsgründe der Architektur überhaupt, widmete sich aber in der Folge der Malerkunst, und gieng in das Historienfach über, wo er beim Hofmaler und Professor Ignatz Oefele Unterricht nahm, und bei diesem Künstler 13 Jahre studirte. Damals malte er die Freskogemälde an der vom Churfürsten Karl Theodor zu München neu erbauten Gallerie von innen und außen. Da diese Gemälde Seidls Talent verriethen, so schickte ihn dieser erhabene Kenner und Schützer der Künste auf seine Kosten 1781 nach Rom, woselbst er sechs Jahre blieb, in der dortigen Künstlerakademie zum heil. Lukas einen Preis erhielt, und von der Akademie zu Bologna u. Parma als Mitglied aufgenommen wurde. Während diesen sechs Jahren besuchte er auch die ersten Städte Italiens, und kam 1787 in sein Vaterland zurück. Der Churfürst ernannte ihn hierauf zu seinem Hofmaler im historischen Fache, und im folgenden Jahre, 1788, zum Professor an der damaligen Zeichnungs-Akademie, in welcher Eigenschaft er auch bei der nunmehrigen Königl. b. Akademie der bildenden Künste angestellt worden. In dem außer der Stadt München neu angelegten Leichenacker ist das jüngste Gericht, von ihm gemalt, zu sehen. Das Urtheil des Paris ist eins seiner neuesten und schönsten Gemälde.[1] Seidl malt auch mit vielem Geschmacke Grotesken.[2] Der Königl. b. Hofkammerrath v. Ditmar besitzt sechs ovidische Stücke von seinem Pinsel, als z. B. Ariadne und Bacchus, eine beim Mondschein schlafende Diana, Vulkan u. Venus, dann schlafende Nimpfen. Von seinen gemalten Altarblättern werden hier folgende angeführt: Zu Altfraunhofen: 1) Niklas; 2) die Familie Christi; 3) Sebastian und Niklas von Tolentin. Auch ist das Deckengemälde in dieser Kirche auf nassem Kalk von ihm verfertigt, und zu Haidhausen nächst München: der erwachende heil. Joseph.


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Fußnoten

  1. In der Bildung der Gesichter und des Wuchses dieser drei Göttinnen hielt sich Seidl ganz an die Antiken. Er gab ihnen das griechische Profil, die vornehmste Eigenschaft einer hohen Schönheit. Dieses Profil ist eine fast gerade oder sanft gesenkte Linie, welche die Stirn mit der Nase bildet. Daß in diesem Profil eine Ursache der Schönheit liege, beweiset das Gegentheil hievon; denn je stärker der Einbug der Nase ist, je mehr weicht sie von der Form des Schönen. Er gab ihren Körpern sieben und zwei Drittel Köpfe in der Länge, einen kleinen Kopf, langen Hals, niedrige Schultern, runde Arme, dünnen Leib, ein wenig starke Hüften, lange Schenkel und Beine, kleine Füße und eine zierlich geründete Brust. Das Fleisch dieser Göttinnen ist jedoch zu röthlich im Kolorite gehalten.
  2. So nennt man eine besondere und seltsame phantastische Gattung malerischer Verzierungen. Das Groteske besteht aus kleinen menschlichen Figuren und Thieren, deren Extremitäten sich als Blumen und Laubwerk in einander schlingen, und so ein Ganzes, aus dem Thier- und Pflanzenreiche gebildet, darstellen. Man traf solche Gemälde in den alten Grotten zu Rom an, und Joh. v. Udine soll dieselben zuerst in den Bädern des Titus entdeckt haben. Vitruv B. VII. Kap. 5. klagt sehr über den verdorbenen Geschmack dieser Art Malerei, und vergleicht sie mit einem abentheuerlichen Traum, dessen Bilder ohne alle Verbindung zusammengesetzt wären. Indessen gehört diese Malerei zur Gattung des komischen, und ist nicht ganz zu verwerfen. Da wahrscheinlich diese Art Malerei in Egypten und Arabien zuerst entstand; so wird dieselbe auch Arabeske genannt. Der eben genannte Joh. v. Udine und P. del Vaga haben in der Gallerie des Vatikans, die wegen der darin befindlichen Gemälde die Bibel des Raphaels genannt wird, dergleichen Verzierungen angebracht, die Raphael selbst soll gezeichnet haben. Der Graf Caylus, der in der Vorrede seines Recueil des peintures antiques etwas von den antiken Grotesken, nach den Originalien gezeichnet und kolorirt herausgegeben hat, hält sie für Kopien derer, die in den Bädern des Titus entdeckt wurden. Die Chineser haben eine besondere Art von Grotesken, die noch abentheuerlicher ist, als das Antike; indem sie auch Gebäude und Landschaften, als in der Luft schwebend, oder aus Bäumen hervorwachsend, darstellen. J. G. Sulzers Theorie der schönen Künste. Fiorillo Geschichte der zeichn. Künste. Th. I. S. 93.