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Joseph Stephan (GND 120683660)


Daten
Nachname Stephan
Vorname Joseph
GND 120683660
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Joseph Stephan in der BSB

Stephan (Joseph), ein Oel-Landschafts und Thiermaler, wurde zu München geboren, lernte beim Hofkupferstecher Späth die Anfangsgründe des Zeichnens; bildete sich dann ferner bei dem vortrefflichen, guten Watterschott[1], wo er fünf Jahre blieb. Dann reiste er nach verschiedenen deutschen Städten, und heurathete, als er 1745 wieder nach München kam, die Wittwe eines Gemäldehändlers, setzte den Handel fort und verkaufte seine und anderer Künstler Werke größtentheils in das Ausland. Seine Handlung bestand gewöhnlich in Landschaften, die er von Beich, Watterschott, Lätter u. von Bidermann zu Starenberg, der eine Tochter des berühmten Malers Niklas Stuber zur Ehe hatte[2], erhielt. Diese Mutter, die zwei Söhne, Anton und Ferdinand, dann ihre beiden Töchter, malten ebenfalls Landschaften, die sie damals, wo noch mehrere Kunstliebhaber bestanden, wo das Geschmiere papierner Tapeten noch nicht Mode war und glänzende Armuth verrieth, überall gut angebracht haben. Stephan gab in der Folge die Gemäldehandlung auf und widmete sich ganz der Malerkunst. Im Schlosse zu Nimphenburg sind sehr schöne Gemälde, welche Thiere und Vögel vorstellen, von ihm zu sehen. Für den in der Kgl. Residenz zu München gewesenen sogenannten Schimmelsaal malte er in der Oberdecke den Phaeton, dessen Wagen mit 4 weißen Pferden bespannt war, die eine solche Stellung hatten, daß man an jedem Orte des Saales glaubte, diese 4 Schimmel nähmen die Richtung gegen den Standort der Person. Die Skizze hievon besitzt der Spiegelverleger Sebastian Kircher in München. In der Abtei zu Neustift waren 2 Landschaften von ihm, deren eine die Gegend des Chiemsees, die andere aber die Gegend des Klosters Weltenburg vorstellt. Westenrieder. S. 409. Kunstzeitung von 1772. S. 86. Im zweiten Geschoß des Königl. General-Kommissariats vom Isarkreise in München, ist ein Kabinet, das schöne Landschaften von diesem Künstler enthält.[3]

Nachtrag aus: Lipowsky Künstler II

Stephan (Joseph). Dieser B. II. S. 119. vorkommende Künstler starb zu München im Monate September 1786 in dürftigen Umständen, weil er sich in seinem hohen Alter nichts mehr verdienen konnte, auch Kunstgemälde wenig Abgang mehr fanden. Er hat eine Landschaft mit alten Gebäuden und Ruinen selbst radirt. Sie ist bezeichnet: Joseph Stephan inv. et sculp. 1769. v. Kretz Mspt.


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Fußnoten

  1. S. Watterschott.
  2. S. Bidermann.
  3. Einige Bemerkungen über die Landschaftsmalerei überhaupt dürften hier an ihrem Orte stehen. Da der Himmel oder die Beleuchtung die Hauptsache in einem Landschafts-Gemälde ist; so hängt alles von der glücklichen Wahl eines schönen Auf- oder Untergangs der Sonne ab. Beim Aufgange der Sonne scheint die ganze Natur neu belebt; bei ihrem Untergange sehnt sich alles nach süßer Ruhe. Diesen Effekt hervorzubringen, verstand, wie schon bemerkt worden, Klaudius Gelée, und unter den Neuern Vernet. Aber die Wirkung einer unbewölkten Nacht mit dem silbernen Schimmer des glänzenden Mondes, der sich auf ruhigen Wellen irgend einer Wasserfläche spiegelt, darzustellen, wagten bisher nur wenige Künstler, auch war van der Neer der einzige, der diesen Ausdruck der Natur in einer hohen Vollkommenheit zu erreichen wußte. Andere Künstler bemüheten sich, dem Auge die Reize der Natur in ihrer Größe und Mannigfaltigkeit darzustellen. Ueberraschende Abwechselung des Erhabenen und Schönen, des Anmuthigen und Grauenvollen war ihr Zweck, und so zeigten sie ihr Genie in Darstellung der Gebirge, Thäler, Auen, Fluren und Ebenen mit Wasserflächen, oder majestätisch sich in die Ferne wälzenden Flüssen; oder in Darstellung von Wüsteneien, aufgethürmten Felsenmassen, Höhlen und Wäldern, in herabstürzenden Bergwassern etc. Aber selbst diese mannigfaltigen Landschaften erhalten erst dann einen größern Effekt, wenn sie von Menschen oder Thieren bewohnt, hierdurch belebt werden, und nachdem die Landschaft ist, Freude oder Furcht erwecken. Andere Künstler wählen schauerliche Ereignisse der Natur. Sie schildern Stürme, Gewitter, Ueberschwemmungen, Orkane, Feuersbrünste, feuerspeiende Berge etc. Endlich selbst das Weltmeer ist ein Gegenstand artistischer Behandlung für den Landschaftenmaler. Sie schildern einsame Gestade, oder mit Schiffen und Fahrzeugen angefüllte Häfen, eine ruhige See, oder schäumend emporsteigende Wellen, mit dem Sturm kämpfende Schiffe, von Fluthen umgebene Felsen, woran Schiffe scheitern etc. Auch hierin zeigte sich Gelée’s Zauberpinsel mit der ihm eigenen Kraft. Die Landschaftsmalerei bietet überhaupt dem Künstler ein großes Feld dar. Die ganze Erde mit allen Phänomen des Himmels liegt in ihrem Gebiete. Gebirge, Hügel, Ebenen, Saaten, Steppen, Wälder, Gebüsche, Wasser, und selbst das Weltmeer umfaßt diese Kunst. Aber eben daher muß einem guten Landschaftsmaler das Studium der Pflanzenkunde, der Mineralogie und der Phisik nicht fremd seyn. Sicher wird der Reiz einer Landschaft sehr erhöht, wenn man sie, wie Poussin, mit bemoosten und grün überzogenen Ruinen alter Herrlichkeit, mit stolzen Pallästen und Tempeln, oder, wie Claudius Gelée, mit anspruchlosen Dörfern und ruhigen Hütten, oder, wie Vernet, mit dem thätigen Leben des Handels ziert. Salvator Rosa gieng von diesen Reizen der Natur ab. In seinen Landschaften herrschet Schauer und öde Wildheit. Seine Waldungen erregen Furcht, seine Berge, Felsen und Klippen haben das Gepräge verwitterter Urgebirge, und meistens stellt er dem Auge Gegenden dar, die selten oder nie der Fuß eines Menschen betrat. Dughet lieferte mit Meisterhand die Gegenden Roms, Tivoli, Albano und Frescati, mit einer Anmuth, die bezaubert. Ihm war es aber nicht genug, die leblose Natur zu schildern; sondern er verstand es, dieselbe durch die mannigfaltigen Wirkungen der Beleuchtung, oder auch des Windes, Regens, Gewitters u. s. w. zu beleben und in Thätigkeit zu setzen. Alesio de Marchis, ein geborner Neapolitaner, liebte die Darstellung der Feuersbrünste, und um diese desto natürlicher malen zu können, zündete er einst eine Scheune an, weßwegen er einige Jahre auf die Galeeren kam. Zu Anfange des 17ten Jahrhunderts zeichnete sich in Seestücken vorzüglich Agostino Buonamici, mehr unter dem Namen Tassi bekannt, aus. Wegen verübter Verbrechen wurde er auf mehrere Jahre zur Galeere verurtheilt, und hatte auf solche Art Gelegenheit Seegegenstände zu studiren. Der Holländer Peter Molyn (auch mulier de mulieribus, und Cavalier tempesta genannt) übertraf aber den Tassi in Darstellung schrecklicher Naturereignisse auf der See.