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Peter von Verschaffelt (GND 118804286)


Daten
Nachname Verschaffelt
Vorname Peter von
GND 118804286
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Peter von Verschaffelt in der BSB

Verschaffelt (Peter von), wurde zu Gent in Flandern den 9ten Mai 1710 von bürgerlichen Aeltern geboren; arm an Vermögen, aber reich an Talenten, fühlte er einen unwiderstehlichen Hang zur Bildhauerkunst.[1] Sein Fleiß überstieg jedes Hinderniß. Bei seinem Großvater, einem sehr mittelmäßigen Zierrathen-Schnitzler, wurde er bis in das neunte Jahr seiner Kindheit erzogen. Nach dem Tode seines Großvaters kam er zu seinen Aeltern zurück und sollte ein Handwerk lernen; allein des Knaben Neigung entschied für die Bildhauerkunst, und so wurde er der Leitung des zwar geschickten aber kränkelnden Bildhauers Minilius übergeben. Nach verflossenen Lehrjahren verließ er seine Vaterstadt und arbeitete 6 Monate lang zu Amiens in der Piccardie, um die französische Sprache zu erlernen und sich nach Paris zu begeben. Dahin gieng er auch wirklich, und kam zu dem berühmten Verbreck in Arbeit, bei dem er fünf Jahre blieb und den ersten Preis an der Akademie zu Paris, die er nebenbei besuchte, erhielt. Zu eben dieser Zeit hatte der König den berühmten Bildhauer Bouchardon von Rom berufen, welcher unter andern vielen Arbeiten die Verfertigung der 12 Apostel für die Kirche des heil. Sulpitz unternommen hatte, und Verschaffelt fand Gelegenheit, in dessen Werkstätte, gegen Bezahlung von täglich 25 Sols, aufgenommen zu werden. Verschaffelt verfertigte zur vollen Zufriedenheit dieses Künstlers einen Apostel, und erhielt einen größern Tagelohn. Nach einem zehnjährigen Aufenthalte in Paris reiste Verschaffelt nach Rom, wozu ihn hundert ersparte Louisd’or in Stand setzten, um dort nach Antiken und andern Werken großer Künstler seine Fähigkeiten zur Vollkommenheit zu bringen. Er modelte dort anfangs den Kopf eines zehnjährigen Mädchens nach der Natur, und erwarb sich hiemit großen Beifall. Benedikt XIV. folgte auf dem päbstlichen Stuhle dem damals verstorbenen Clemens XII., und dieser gab ihm Arbeit. Auf dessen Befehl verfertigte er: a) auf die Façade della Santa Croce in Jerusalem das 14 Palmen hohe Bild des heil. Johann des Evangelisten, nebst vier großen Basreliefs, Engel vorstellend, welche die Marterwerkzeuge des Leidens Christi tragen; b) Pabst Benedikt XIV. in Lebensgröße von weißem Marmor, für den Benediktiner-Orden auf dem Monte Cassini bei Neapel; c) den heil. Paul von 23 Palmen auf die Peterskirche zu Bologna; d) das Modell für den in Bronze gegossenen Engel auf der Engelsburg in Rom; e) zwei Kinder, eine Guirlande haltend, auf dem Fronton zu St. Maria Magdalena; f) das Brustbild des heil. Norberts an dem Portale der Norbertskirche zu Rom; g) das große Brustbild dieses Pabstes für das Kapitol in Rom; h) einen 5 Palmen großen Genius, welcher die päbstlichen Attribute hält, für die Domkirche zu Ancona. Diese Arbeiten fanden allen Beifall, und die Römer nannten ihn Pietro il Piamingo. Verschaffelt faßte nun den Entschluß, in Rom immer zu bleiben, daher er sich dort mit einer gewissen Chinchinieri verheurathete. Ihr früher Tod brachte ihn aber auf andere Gesinnungen, und er verließ Rom, um dem Rufe des Prinzen von Wallis nach London zu folgen. Aber dort verweilte er nur 9 Monate, indem der Tod dieses Fürsten seine Aussichten trübte. Er verfertigte während dieser Zeit in London einen Triton, einen Bacchus und verschiedene Köpfe nach Alterthümern. Aber nun berief ihn Karl Theodor, Churfürst von der Pfalz, nach Mannheim, um eines Theils die Plane dieses Fürsten für die Beförderung der Künste zu vollziehen, andern Theils die für die dortige Jesuitenkirche und den herrlichen Schloßgarten zu Schwezingen bestimmten Meisterstücke der Bildhauerkunst zu verfertigen. Er kam den 11. Septbr. 1752 zu Mannheim an, und wurde mit einem ansehnlichen Gehalte als Zeichnungs-Akademie-Direktor und erster Bildhauer angestellt. Seine dort verfertigten merkwürdigsten Arbeiten und ewigen Denkmäler seiner Kunst bestehen in folgenden: In Mannheim: a) die 5 Säulen an der Façade der Jesuitenkirche; b) auf dem hohen Altare in derselben die schöne Gruppe des heil. Ignatz, wie er dem nach Indien reisenden Apostel Xaver den Segen ertheilt etc.; c) die beiden Engel am Kreuzaltare; d) die marmornen Basreliefs an den Seitenaltären und die Weihwasserschalen; e) die beiden Bildsäulen von Marmor, den Churfürsten und die Churfürstin vorstellend, in dem Rittersaale des Schlosses; f) die beiden Büsten der Landesherrschaft in der churfürstl. Bibliothek, und das schöne große Basrelief in dem Fronton dieses Gebäudes; g) das schöne Grabmal seiner Tochter, der Gräfin v. St. Martin, in der Nonnenkirche; h) Joh. der Täufer, sehr niedlich gemacht, in einer Nische des Hauses, Karlsberg genannt, an der Seite der Kapuzinerstraße. Im Schwetzinger Schloßgarten: i) im Apollotempel die Bildsäule des Apollo[2], die beiden Najaden von vortrefflicher Proportion und gutem Geschmacke; k) die Donau und der Rhein, zwei kolossalische Bildsäulen an dem großen Kanal; l) die 4 personifizirten Elemente; m) zwei große Hirsche, von Hunden gejagt, an dem großen Wasserbehälter; n) vier Sphinxe bei dem Apollotempel; o) im Badehause die vier Jahrszeiten von gebrannter Erde; p) verschiedene marmorne Brustbilder, Vasen und Urnen. Nach seinem Tode, der den 5. April 1793 erfolgte, fand man in seiner Werkstätte unter andern: einen Cupido von weissem Marmor, einen Apollo von weißem Marmor, einen Joh. Evangelist von Marmor, einen Hermaphroditen, sein Porträt, das Porträt der Churfürstin Elisabeth Augusta als Minerva, J. S. Rousseau, Cicero, Alexander den Großen, den italienischen Dichter Dante, eine Juno, einen Triton u. s. w. Sein ehemaliger Schüler, der churpfalzb. Münzgraveur Bolzhauser zu Mannheim, hat seinem Lehrer eine Denkmünze verfertiget, und Anton Karcher hat nach Sinsenis Gemälde sein Porträt in Kupfer gestochen. Lebensbeschreibung des Ritters Peter von Verschaffelt, Vorstehers der churfürstl. Zeichnungs-Akademie zu Mannheim. (Mannh. bei Schwan und Götz 1797.)


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Fußnoten

  1. Wir haben vortreffliche Gemälde- und Kupferstich-Sammlungen, Säle der Antiken u. s. w., aber noch keine Sammlungen der ältern und neuern Bildhauer-Arbeiten. Es lohnte sich der Mühe und des Kostenaufwandes, einen Saal zu erbauen, um hierin die Werke von Entstehung der Bildhauerkunst angefangen, im baierischen Vaterlande aufzustellen und zu verwahren. Geschieht dieses nicht bald, so gehen wenigstens die Statuen, Büsten s. a. aus dem 13ten, 14ten und 15ten Jahrhunderte verloren, und in der Folge auch Werke der ersten Künstler neuerer Zeit. Wie schön, wie herzerhebend, wie vortheilhaft wäre es für die Kunst, wenn wir z. B. von unsern Ableitner, Angermayr, Tobias Baader, Bendel, Benkert, Boos, Faistenberger, Groft, Heschler, Kraft, Lamine, Messerschmid, Petel, Straub, Verschaffelt etc. Werke ihrer Kunst in einem Saale aufgestellt hätten, wenn sich das Kunsttalent dieser Männer, die Monumente ihres schöpferischen Geistes, an einem Orte versammelt, uns anschaulich darstellten und der Nachwelt aufbehalten würden? -- Viele schön gearbeitete Grab- und andere Denkmäler zerstört der Zahn der Zeit, hat sie zum Theil schon zerstört; sollte man nicht auf die Erhaltung derselben bedacht seyn? --
  2. Man tadelte an dem Apollo, daß Verschaffelt dem Gotte die Lira in die rechte Hand gab, und ihn mit der linken spielen ließ; allein ganz naiv antwortete er: Apollon seroit une pitoyable divinité, s’il ne savoit pas jouer à deux mains.