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Franz Wadler (GND 124289525)


Daten
Nachname Wadler
Vorname Franz
GND 124289525
( DNB )
Wirkungsgebiet Religion


BSB Franz Wadler in der BSB

WADLER (Franz) Uhrmacher zu Nürnberg. Er wurde am 20. Jäner 1746 zu Surheim, einem kleinen, zur Pfarrei Salzburghofen gehörigen, Dorfe im Salzburgischen gebohren, und schrieb sich wie sein Vater und Grosvater, Surrer, welchen Familiennamen er erst in Nürnberg ablegte, und dafür den Namen Wadler annahm. Daher er auch, weil Thaddäus sein Klostername, und Franz sein Taufnahme war, bald als Thaddäus Surrer, bald als Franz Wadler vorkömmt, wovon ich aber die letztere Benennung adoptire, weil sie auch seine letzte war. Sein Vater war Mesmer und Bauer. Er fieng im Kloster Andechs in Oberbaiern im Jahre 1759 zu studiren an, kam 1761 an das Gymnasium zu Salzburg, und zog noch als Gymnasialschüler am 21. November 1765 in der Salzburgischen Vorstadt Mülln im Augustinerkloster das Ordenskleid an. Er beklagte sich in der Folge sehr oft über die Art, mit der er, noch ohne Erfahrung, und ohne reifem Nachdenken, ohne Beruf und Neigung, von seinen Anverwandten und einigen Geistlichen zum Klosterleben gebracht wurde. Am 23. November 1767 legte er die feyerlichen Ordensgelübde ab, und erhielt den 27. Dezember 1768 mit Dispensation von 13 Monathen am vorgeschriebenen Alter die priesterliche Ordination. Unterbessen lag er den philosophischen und theologischen Studien mit Eifer ob, zeigte sich bald als einen sehr fähigen Kopf, und ward 1771 Lektor, das ist Klosterprofessor der Philosophie. In seinen freien Stunden beschäftigte er sich damit, hölzerne Uhren zu verfertigen, und brachte es hierin bald zu einiger Vollkommenheit. Im J. 1773 ward er Lektor des geistlichen Rechts und der Moral, bediente sich im ersten der damahligen neuesten katholischen und protestantischen Lehrbücher, folgte in der Moral seinem eigenen System, übergieng geradezu die, bis dahin noch sehr geachteten, Casuisten, und machte Philosophie, Bibel, und die ältesten Kirchenväter, zu den einzigen Quellen seines Vortrags. Er verursachte durch seine, allerdings für einen Klosterprofessor nicht passende und anstößige, Lehrart ein, ihm nachtheiliges, Aufsehen, ward 1778 der Lehrerstelle entsetzt, und nach Kufstein in Tyrol gesendet, um dort Nichts zu thun, als allenfalls Uhren zu machen, womit er sich auch 3 Jahre lang unterhielt. Im Jahre 1781 wurde er doch wieder als Lektor der Moraltheologie und juris canonici in seinem Kloster Salzburg angestellt, im J. 1785 zum Superior am Dürrnberg bei Hallein, und bald darauf zum Prior des Augustinerklosters in Hallein befördert. Er stand diesem Amte 3 Jahre vor, und warb 1789 als Prior nach Tittmoning bestimmt, als er wider alle Erwartung, statt nach diesem Salzburgischen Städtchen zu gehen, nach Regensburg entfloh, hier sein Ordenskleid, und seinen Ordensnamen eines Paters Thaddäus ablegte, den Namen Wadler, mit seinem Taufnamen Franz annahm, und nach Nürnberg gieng. Er arbeitete nun, da er auch das Buchbinden verstand, einige Zeit zu Fürth bei einem Buchbinder, wurde in diesem Gewerbe geprüft, und als Buchbindergeselle bei einem Meister zu Nürnberg angestellt, wo er zur protestantischen Confession übergieng. Nach einem halben Jahre gab er das Buchbinden auf, und suchte als Mechanikus, Gros- und Holzuhrmacher das Nürnbergische Bürgerrecht, welches er auch erhielt, und sich dann verehelichte. Er verfertigte sich seine meisten Werkzeuge selbst, und wuste nicht nur alle alte hölzerne Uhren, wenn sie auch noch so schadhaft waren, und eiserne Kirchenthurm-Uhren wieder herzustellen, sondern war auch im Stande, sowohl astronomische als andere mathematische Uhren ganz neu zu verfertigen. Da seine Arbeiten Beifall fanden, hatte er ein ganz hinlängliches Einkommen, und war in Nürnberg als ein geschickter, fleißiger, und ruhiger Bürger bekannt. Er starb am 15. Junius 1803. Seine Schriften:

Vergl. Will’s u. Nopitsch Nürnb. Gel. Lexikon B. VIII. S. 368. Kiefhaber’s Nachrichten 1803. S. 123. Meusel’s gel. Teutschl. B. VIII. S. 282. u. B. XI. S. 733. Baur’s Handwörterbuch merkw. im I. Jahrzehend des 19. Jahrh. verst. Pers. B. II. S. 665. Blätter literarische, Nürnb. 1805. B. V. n. 10. S. 157--160. Hirsching’s Handbuch, fortges. von Ernesti B. XV. Abth. 2. S. 180.

  1. 1. Das Bibellesen in den ältesten Zeiten, ein allgemeines Glaubensbedürfniß; ein Fragment aus den Zeiten Joh. Chrysostomus, mit den Zeugnißen vieler anderer Väter belegt, und mit Anmerkungen herausgegeben. 8. Salzburg 1784. 6 Bog. [1]
  2. 2. Freymüthige Beleuchtung des Glaubensbekenntnißes des Pietro Giannone und der Mönchsgelübde, von Franz Wadler, sonst Surrer. 8. Nürnberg b. Raw. 1790. 704 S. [2]
  3. 3. Charakter des Thaddäus Surrer, dermaligen Franz Wadler’s, Bürgers, Mechanikus, und Holzuhrmachers zu Nürnberg, gezeichnet von dem Revisor der Augsburger Kritiker, und freymüthig berichtigt von Wadler selbst. 8. Nürnb. 1791. 64 S.
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Fußnoten

  1. s. Jen. Lit. Z. 1787. IV. S. 619.
  2. s. Nürnb. gel. Z. 1790. S. 705. Allg. t. Bibl. B. 115. II. S. 585. Jen. Lit. Z. 1791. II. S. 371. Sandbichler’s Revision der Augsburg. Kritiker 1791. S. 129.