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Iakob Danzer (GND 118678833)


Daten
Nachname Danzer
Vorname Iakob
GND 118678833
( DNB )
Wirkungsgebiet Politik, Wissenschaft, Religion


BSB Iakob Danzer in der BSB

DANZER (Iakob), der Theol. Doktor, Benediktiner von Isny, geistlicher Rath und Professor der Moral- und Pastoral-Theologie zu Salzburg. Er wurde am 4ten März 1743 zu Lengenfeld im Moskirchischen in Schwaben geboren, tratt zu Isny in den Benediktinerorden, und wurde im Iahr 1784 nach Salzburg an die Universität als öffent. ordentlicher Professor der Moral- und Pastoral-Theologie berufen. Hier lehrte und schrieb er seine von allen aufgeklärten Katholiken mit Beyfall aufgenommene christliche Moral. Allein seine ganz vorurtheilsfreye, helle Denkungsart, und seine Freymüthigkeit machten ihm unter den Obskuranten und den Feinden der Aufklärung so viele und so mächtige Gegner, dass er gezwungen wurde, seine Professorstelle, welcher er im achten Iahre durch seine Vorlesungen und durch seine Schriften, mit eben so grossem Ruhme, als Nutzen vorstund, niederzulegen, und am 20sten Mai 1792 Salzburg zu verlassen. Er gieng in sein Kloster nach Isny zurük, hielt um seine Säkularisation an, erhielt sie, und tratt nun in den Weltpriesterstand. Nach seiner Trennung vom Kloster hatte er sich in der Grafschaft Wurzag niedergelassen, wo er sich eine Zeit lang kümmerlich durchbringen, oft mit Nahrungssorgen kämpfen, und auch schwere Krankheiten ausstehen musste. Am 12ten Nov. 1795 erhielt er von der Fürstin und dem Kapitel des Damenstifts zu Buchau, aus eignem Antriebe, eine Präbende, und durch einstimmige Wahl den Ruf als zweyter Kanonikus an der dortigen Kollegiatkirche. Es war nun, nach seinem Geständnisse, niemand glücklicher, als er; denn seine Wünsche waren immer, wie er mich auch oft selbst (noch zu Salzburg) versicherte: ungestört studiren, so unabhängig als möglich privatisiren zu können, und so viel Einkünfte zu haben, als zu einer mässigen Lebensart, manchmal zur Bewirthung eines nur kleinen freundschaftlichen Zirkels, zum Bücheranschaffen, und zuweilen zu kleinen Reisen nöthig ist. Er war nun am Ziel dieser seiner Wünsche, brachte seinen Morgen in der Kirche, seinen Tag im Studirzimmer, und die Abende im Freyen, mit Spatziergängen, oder in Gesellschaften zu. Sein Haus war niedlich meublirt, und überall, wo er zu ordnen hatte, herrschten Ordnung, Reinlichkeit und Geschmak. Seine Laune war sich immer gleich, immer unverstimmt und immer munter. In Gesellschaften gab er Beweise seiner Einsichten und Gelehrsamkeit, aber ohne alle Anmassung, und ohne das Gewicht und die Ueberlegenheit seines Geistes jemanden fühlen zu machen. Er wusste sich in alle Umstände und Gemüthsarten zu schiken, gewann alle Herzen; man versammelte sich gern um ihn, und freute sich seiner. Unbekümmert um die Geschichten des Tages, gieng er ruhig seinen Weg fort, liess jedem sein Steckenpferd, wich sorgfältig allem aus, was ihn in fremde Angelegenheiten hätte hineinziehen können, lieh nie Klatschereyen sein Ohr, und noch viel weniger der Verläumdung, dachte und sprach selbst von allen Menschen das Beste, und freute sich aufrichtig, wenn ihm von Andern Gutes erzählt wurde. Von seinen Feinden und Verfolgern, deren Ketzerwuth ihn um seine Lehrersstelle zu Salzburg gebracht hatte, sprach er nie anders, als mit Bescheidenheit und Mässigung. Seine ruhige und glükliche Lage in Buchau dauerte leider! nicht lange. Er bekam eine widernatürliche Dikleibigkeit, eine bleiche Gesichtsfarbe, war bey der geringsten Bewegung entathmet, zeigte sich während seiner langen Krankheit als einen wahren christlichen Philosophen, und starb den 4ten Sept. 1796 an einer Herzwassersucht, in seinem 55sten Lebensjahre, sanft und ruhig, wie er lebte.

Seine Schriften sind:

  • Reflexionen über Teutschlands achtzehntes Iahrhundert, und seine Verfasser, nebst einer Betrachtung über die Lage des heutigen Mönchswesens und daraus entstehenden Folgen, von einem Freund der Wahrheit. Sieben Päckchen, 8. 1782.
  • Iosephs des grossen Toleranz, ein theologisches Fragment, 8. 1783.
  • Was sind die Reichsprälaten, und wie sind sie es geworden? aus geschichtlichen Beweisen beantwortet, 8. 1785, 163 S.
S. Ien. ALZ. 1785, IV. S. 290. ADB. 86 B. S. 55. Schotts Bibl. der neuesten jur. Lit. 1786 I. S. 170.
  • Hingeworfene Gedanken über das Büchercensurrecht der Bischöfe, und wie es zu unsern Zeiten ausgeübt wird, 8. 1785, 6 Bogen.
S. Schotts Bibl. der neuest. jur. Lit. 1786, II, S. 406. Ien. ALZ. 1786, III. S. 619. ADB. Anhang zu 53--86 B. I. S. 256.

Anleitung zur christlichen Moral für seine Schüler in Privatstunden. Erster Theil, 8. Frankfurt und Salzburg 1787, 586 S. -- 2ter B. 1789, 712 S. -- Nachlese zum ersten B. 1789, 109 S. -- 3ter B. 8. Salzburg bey Duyle 1791, 850 S. -- 2te vom Verf. verbess. Aufl. ebend. 8. Erster Band 474 S. 2ter B. 1792, 588 S. 3ter B. 1792, 850 S.

S. Obert. ALZ. 1788, I. S. 409--414 und 417--419. 1789, II. S. 769--780. 1791, II. S. 561--565. Ien. ALZ. 1787, V. S. 105. Goth. gel. A. 1788, I. S. 273. Nürnb. gel. Z. 1788, S. 378, 1790 S. 494. Auserl. Lit. des kath. Teutschl. B. 1, St. 2, S. 168, B. 3, St. 2, S. 212--225. Wirzb. gel. Z. 1788, St. 4. Seilers gemeinnütz. Betracht. der neuest. Schr. 1792. III. S. 463--469.

Rede über den Einfluss der Moral auf die Glükseligkeit der Menschen, und über die Art und Weise, dieselbe nützlich zu studiren, bey Eröffnung seiner Privatvorlesungen den 26sten im Wintermonate. 8. Salzb. 1789, 54 S.

S. Obert. ALZ. 1790, I. S. 159. Auserl. Literatur des kath. Teutschl. 3 B. St. 3, S. 145.
  • An den Klub des Obskurationssystems, oder einige Anmerkungen über das Sendschreiben des Herrn von Brentano, Herausgeber eines N. T. zum Gebrauch der Kemptischen Unterthanen. Von einem Unpartheyischen. 8. Freyb. (vielleicht Kempten) 1792.

Ueber den Geist Iesu und seine Lehre. Ein Beytrag für nachdenkende Christen in ihren Andachtsstunden, 8. Salzb. bey Mayr 1793, 158 S. 2te Aufl. 1795.

S. Seilers gemeinnütz. Betr. der neuest. Schr. 1793, III. S. 531. Obert. ALZ. 1793, I. S. 102. Nürnb. gel. Z. 1793, S. 163.
  • Kritische Geschichte des Portiunkula -- Ablasses, von Cyprian dem Iüngern. (Ulm bey Wohler), 8. 1794. Neue Aufl. 1797.
S. Ien. ALZ. 1795, III. S. 281--284. Neue ADB 15 B. II. S. 546--548 Wirzb. gel. Z. 1795, IV. S. 208--210. Neues theologisches Iournal, B. 6, S. 1107--1135. Staatsw. und jur. Lit. 1794, IV. S. 257--259.
  • Rede am allgemeinen Buss- und Bettage, den 2ten April 1794 im Tempel der Menschheit gesprochen von einem Priester des Predigerordens, 8. Ulm 1794, 47 S.
S. Obert. ALZ. 1794, II. S. 54--56. Neue ADB. 17 B. I. S. 87. Nürnberg. gel. Zeitung 1794. S. 496. Wirzb. gel. Z. 1795, IV. S. 205. Tübing. gel. Z. 1795, S. 19.

Magazin zur Verbesserung des dogmatischen Lehrbegriffs der Katholiken, 1ster B. 1794, 8.

  • Beyträge zur Reformation der christlichen Theologie überhaupt und der katholischen Dogmatik insbesondere, 1stes Heft. (Ulm), 8. 1793.
S. Neue ADB. 8. B. I. S. 156--162. Wirzb. gel. Z. 1794, III. S. 193. Seilers gem. Betracht. d. neuesten Schr. 1794, Beyl. S. 81--96.

Gebetbüchlein für Kinder, 8. Buchau am Federsee 1797.

Rezensionen in der oberteutschen allgemeinen Literaturzeitung vom Iahre 1789 an, bis zum 69sten Stük 1796.

S. Eigne Sammlungen. Meusels gel. Teutschl. 5te A. B. II. S. 19. AL. Anzeiger 1797, Mai S. 548 und Dec. 1604, 1798, Aug. S. 1246. Beytrag zur Entlassungsgeschichte des verewigten I. Danzers von Salzburg, in den Beyträgen zur Beförd. des ält. Christenth. und der neuest. Philos. 23. Heft S. 230--241. Beyträge zur Reformat. der christl. Theol. 1793 (enthalten 6 sein Schiksal betreffende Aktenstücke). Obert. ALZ. 1796, II. S. 1032. Wirzb. gel. Z. 1797, n. 48, S. 357. Baaders Reisen, I. 6, 226. und II. B. S. 459. Danzers lezte Lebenstage in Buchau, vom Kanonikus Vogler. (Sammt Danzers Porträt) 1796 in 12. 33 S.


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