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Claudius Gelée (GND 118574450)


Daten
Nachname Gelée
Vorname Claudius
GND 118574450
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Claudius Gelée in der BSB

Gelée, (Claudius) genannt Lorrens, auch Lorain, wurde 1600 in der Champagne in der Nähe von Toul in Lothringen geboren. Als ein Pastetenjunge wanderte er nach Rom, wo er beim Augustin Tasso, einem Schüler des berühmten Paul Bril Koch und Aufwärter wurde. Er sah hier Gemälde, hörte Gespräche über Kunst, und so entwickelte sich allmählig sein Talent. Sein älterer Bruder Johann, der Formschneider zu Rom war, gab ihm einigen Unterricht im Zeichnen, und manchmal gab sich auch sein Herr mit ihm ab. Claudius fieng nun von selbst über die Kunst zu denken an, und, sich selbst überlassen, hielt er sich gerade an die Natur, ohne seinen Geist mit knechtischer Nachahmung und Kopiren zu unterdrücken. So reifte er zu jener Größe heran, die ihm ward. Er verließ nun die Küche, lebte ganz für die Kunst, und begab sich nach Neapel, malte dort Landschaften, und studirte die Baukunst und Perspektive bei Goffredi, einem Schüler des Bartholome Bremberg. Claudius kehrte hierauf nach Rom zurück, und erwarb sich dort allgemeinen Ruhm; aber nun gieng er nach Deutschland, und setzte sich in München, wo er für den churbaierischen Hof malte. Die Städte waren ihm verhaßt, die freie Natur willkommen, und so erbaute er das in einer der schönsten Gegenden Münchens auf einer Anhöhe an der Isar liegende Schlößchen Harlaching, das er bewohnte; allein ihm behagte das rauhe Klima nicht, und so verließ er München, und begab sich nach Nanci; wo er ebenfalls nicht lange verweilte, sondern wieder nach Italien zog, und Rom zu seinem Aufenthaltsorte wählte, wo er 82 Jahre alt am Podagra 1682 starb. Claudius de Lorrens ist einer der beßten Landschaftsmaler. Niemand hat das Kolorit so frisch, wie er, herausgebracht, niemand die verschiedenen Tageszeiten mit solcher Natur dargestellt. Seine Luftperspektive ist sicher berechnet, und oft läßt er in seinen Gemälden leichte Nebel zwischen dem Gebirge aufsteigen, und verbreitet einen leisen Duft über die Ferne, der gleich einem befeuchtenden Thau darüber gehaucht zu seyn scheint, und wohlthätig auf das Auge wirket. Sein Himmel ist in fortdauernder Bewegung, und seine dünnen Wolken schwimmen vom leichten Zephyr getragen. Seine Komposition ist wahr, geschmackvoll und reichhaltig, dabei mit Größe und nach den reinsten Regeln der Kunst. Seine Behandlung arbeitet gerade auf den Zweck los, und ist nur Darstellung der schönen Natur. Meere, Hügel, Bäume und Pflanzen sind ganz das Bild derselben, die reizendste Harmonie ist dem Ganzen und jedem Theile eingezaubert, und die Architektur ist in seinen Gemälden sehr schön.[1] Nur war er in seinen Figuren nicht so glücklich. Sie sind steif, schlecht gezeichnet, und marschiren zu sehr in geraden Linien auf, indessen schön gruppirt; daher er selbst zu sagen pflegte: ich verkaufe meine Landschaften und gebe die Figuren darein. Die königl. baier. Gallerie zu München besitzt von diesem Künstler: a) eine Abendlandschaft; b) den Morgen; c) den Mittag, d) abermals eine Landschaft, den Morgen vorstellend; e) einen Seeprospekt, alle auf Leinwand und f) eine Landschaft, auf der man einen Menschen über eine Brücke gehen sieht, auf Kupfer. Einige seiner Landschaften haben Figuren, die Philipp Lauri und Jakob Courtois malten. Claudius hat auch 28 Landschaften in Kupfer geäzet. Pascoli, Vite de Pittori, Scultori ed Architetti moderni. (Roma 1730) T. I p. 20. v. Mannlich. B. I. S. 180. B. II. Nro. 1011. 1012. 1170. u. 1176. von Weitzenfeld. Nro. 739. u. 743. Rittershausen S. n. 314. J. C. Frhr. v. Obermayr über Malerkunst. Manuscpt. Die Bildergallerie in München. (München 1787.) S. 84. 147. u. 152. Allgemeines Künstler-Lexikon. (Zürich 1808.) Th. II. S. 423. Sandrart. S. 331. erzählt, daß er öfters mit diesem Künstler spaziren gegangen, und daß ihm derselbe beßer, als was je ein Naturkündiger vermocht hätte, bemerkbar machte, wie ein und derselbe Prospekt Wirkung und Farbe nach den verschiedenen Momenten verändere, in denen er das Licht aufnimmt, und je nachdem er von den Dünsten des Abends oder dem Thaue des Morgens befeuchtet ist.


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Fußnoten

  1. Siehe: Stephan (Joseph) in der Note.