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Nicasius Grammatici (GND 100108296)


Daten
Nachname Grammatici
Vorname Nicasius
GND 100108296
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Nicasius Grammatici in der BSB

GRAMMATICI (Nicasius), Iesuit, Professor und Astronom zu Ingolstadt. Er wurde zu Trient im Iahre 1684 geboren, und trat im Iahre 1702 in den Iesuitenorden. Zu Landsberg in Oberbaiern machte er die 2 Probejahre seines Ordens, und studirte zu Ingolstadt im Iahre 1704 die Logik, 1705 die Physik, und im Iahre 1706 die Metaphysik unter Anton Heislinger, und nebenher unter Ioseph Mayer die Mathematik, welche seine Lieblingswissenschaft wurde. Nachdem er 4 Iahre lang Magister oder Lehrer der Grammatik mit ihren Fortsetzungen, und der Dichtkunst zu Trient gewesen war, wurde er mit Ende des Iahrs 1710 nach Amberg in der obern Pfalz geschickt, wo er 3 Iahre lang Theologie studirte, sie dann zu Ingolstadt vollendete, und öffentlich aus der gesammten Gottesgelahrtheit Theses mit grossem Beyfalle vertheidigte. Während seiner theologischen Studien hatte er die Mathematik nicht versäumt, und übte sich in Auflösung der schwersten mathematischen Aufgaben. Nun hielt er, den Ordensstatuten gemäs, zu Ebersberg sein drittes Prüfungsjahr aus, und lehrte dann 3 Iahre lang zu Freyburg im Breisgau die Philosophie. Im Iahre 1720 erhielt er den Auftrag, an der hohen Schule zu Ingolstadt die Mathematik und die hebräische Sprache zu lehren. Zugleich versah er während der fünf Iahre dieses Lehramts die Sternwarte zu Ingolstadt, und führte mit vielen Astronomen und Mathematikern in und ausser Teutschland einen gelehrten Briefwechsel. Da der König in Spanien Philipp der Fünfte zu Madrid ein Kollegium errichten wollte, in welchem der spanische Adel in jenen Wissenschaften Unterricht erhalten sollte, welche zum Kriegsdienste und zur Seefahrt nöthig sind, erhielt Grammatici vom König den Ruf zum Lehrstuhl der Mathematik und Astronomie, und von seinen Ordensobern Erlaubniss, nach Spanien zu gehen, wohin er auch im Oktober 1726 abreiste. Er brachte in Madrid 3 Iahre vergeblich zu, weil das erwähnte Kollegium nicht zu Stande kommen wollte, und musste, ohne die Sache noch länger abwarten zu können, da der spanische Himmel auf seine Gesundheit höchst nachtheilig wirkte, vom König die Erlaubniss begehren, nach Teutschland zurückkehren zu dürfen. Er kam mit sehr geschwächter Gesundheit im Iahr 1730 wieder in Baiern an, und lehrte noch 2 Iahre lang unter immerwährenden Krankheitsanfällen zu Amberg die Moraltheologie. Die Obern nahmen ihm also die Lehrstelle ab, und machten ihn zum Vorsteher des Seminariums zu Regensburg, und als er auch diesem Amte nicht weiter vorstehen konnte, zum Pater spiritualis des dortigen Kollegiums. Er starb zu Regensburg am 17ten September 1736.

Seine Schriften sind:

Solis et lunae eclipsium in plano organicae delineandarum methodus nova, 4. Friburgi Brisgoiae 1720.

S. Parnass boic. 10. Unterred. 1724. S. 357.
  • Problema geographicum de longitudine locorum terrae per acum nauticam indaganda, propositum a duobus societatis Iesu religiosis, 4. Ingolstadii 1723.
  • Exercitatio de cometa anni 1723, quam in alma electorali universitate Ingolstadiensi academicae disputationi subiecere duo soc. Iesu religiosi, 4. ibid. 1724.
S. Parnass. boic. 1725. 16. Unterr. 120. Bericht. S. 318.

Observationes circa coniunctionem Veneris et Reguli 2. et 3. Iul. 1724: in den Actis eruditorum, Lips.

Beobachtungen der Bedeckungen der Iupiterstrabanten vom Iahre 1725 zu Ingolstadt; im Parnass boic. 190 Unterredung.

Beobachtung der Mondsfinsterniss vom 21sten Oktober 1725; ebendas.

Planetolabium novum, in quo tempore quovis solis minorumque planetarum situs promte et accurate designari possunt, astrophilis exhibitum a Mathesi Ingolstadiensi soc. Iesu, fol. 1726. Augsburg, gestochen von Bodenehr. 1. Regalb.

Explicatio et usus planetolabii novi a mathesi Ingolstadiensi soc. Iesu exhibiti, 4. Ingolst. 1726.

  • Tabulae binares ex theoria et mensuris geometrae celeberrimi D. Isaaci Newtoni in gratiam astronomiae cultorum concinnatae a quodam uranophilo e soc. Iesu, 4. ibid. 1726.

De aera seu epocha conditi, et per natales ac mortem filii Dei reparati terrarum orbis, dissertatio chronologica, in qua e sacr. scripturae infallibilibus oraculis, nec non indubiis astronomiae characteribus ostenditur mundi aetas verumque nati ac passi Christi tempus, 4. Ingolstadii ap. de la Haye, 1734.

Institutiones principis christiani. (Aus dem Spanischen ins Latein, übersezt.) 8. 1734.

S. Eigne Sammlungen. Parnass. boic. 1727. Unterred. 23. S. 398. Kobalts Ms. Mederer annales Ingolstad. B. III. S. 151, 156, 169, 174 u. 175. Schranks Nachr. von berühmten Gelehrten. B. I. S. 311--327.


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