Johann Gottfried Gross (GND 118698095)

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Daten
Nachname Gross
Vorname Johann Gottfried
GND 118698095
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft

GROSS (Johann Gottfried) Zeitungsschreiber zu Erlangen. Er wurde am 8. Oktober 1703 zu Uhlfeld als der Sohn des Pastors Johann Matthias Groß gebohren. Er kam in die Schule nach Nürnberg dann auf das Gymnasium nach Coburg, und studirte zu Halle und Leipzig Theologie, mehr aber Humaniora, Geschichte, Statistik, und Politik. In Leipzig las er als ein noch sehr junger Mann ein Zeitungs-Collegium. Nach vollendeten akademischen Jahren wurde er bey einem Hn. von Lindenfels zu Nayritz Hofmeister, kam dann als Präceptor an das Pädagogium zu Halle, dann in gleicher Eigenschaft an die Klosterschule zu Bergen bey Magdeburg, versah zu Köthen bey einer verwittibten Fürstin von Anhalt, dann bey einem Grafen in der Wetterau, ohne ordinirt zu seyn, Schloßpredigersstelle, übernahm in Regensburg eine Hausinformatorsstelle, und blieb an keinem dieser Plätze lange, folgte aber im J. 1740 dem Rufe nach Erlangen als Professor der Geschichte auf der, damahls bestandenen, Ritterakademie. Im darauf folgenden Jahre fieng er bereits seine politische Zeitung zu schreiben an, die ihn sehr berühmt machte, und in fürstlichen Kabinetten, in Versammlungen von Gelehrten, in Wachtstuben, auf Bierbänken, und in Privathäusern, überall mit Beyfall, gelesen wurde. Sein, für Jedermann faßlicher, historisch statistischer Vortrag, seine mit unerschöpflichem Witze vorgebrachten, Anekdoten und Satyren, verschafften dem Blatte so viele Leser, daß in manchem Jahre achtzehntausend Exemplare verkauft wurden. Groß erwarb sich hierdurch viel Geld, aber auch, bey seiner oft zu großen Freymüthigkeit, und bey Anzüglichkeiten ohne Schonung irgend eines Standes und Ranges, viele Unannehmlichkeiten, und oft ward er zu anderen Auslegungen seiner Behauptungen, zu Vertheidigungen, Widerrufungen, und Abbitten gezwungen. Als die Universität zu Erlangen errichtet wurde, lehnte er die ihm angebothene Professorsstelle ab. Er zog dafür nach Nürnberg, wo er seine Zeitung fortsetzte, und im Jahre 1745 von der Kaiserin Maria Theresia zum Rath und Agenten ernannt ward. Im J. 1752 wurde Groß Markgräflich Brandenburgischer Rath und Historiograph, und 1765 Königl. Preußischer Hofrath. Zu Nürnberg wohnte er anfangs in der Stadt, dann brachte er aber ein Landgut bey St. Johannis vor der Stadt an sich, und bezog dasselbe. So fürchterlich er sich manchem Gegner mit seinem Witz und der satyrischen Geisel machte, so ängstlich und unruhig war er immer wegen möglichen und erträumten Gefahren, und fürchtete stets persönliche Nachstellungen, daher es Unbekannten und Fremden schwer wurde, bey ihm auch nur für einige Augenblicke vorzukommen. Er durchwachte oft, mit Waffen versehen, die Nacht und schlief bey Tage. In seinem Landhause wanderte er mit seiner Schlafstätte durch alle Zimmer, und ließ auch im nämlichen Zimmer das Bette bald an diese und bald an jene Wand machen, während er immer geladene Schießgewehre bey sich hatte, die Fenster mit Balken geschlossen, und alle Zimmerthüren dreyfach verriegelt waren. Er glaubte sich endlich ungeachtet aller Vorsichtsmaaßregeln in seinem Landhause nicht mehr sicher, und zog wieder nach Erlangen, wo er den Rest seines Lebens zubrachte. Zu Planen und Unternehmungen war er sehr aufgelegt; aber er führte, ausser seiner Zeitung, keine aus. Schon in seinen jüngern Jahren gieng er mit einer Commerzien-Akademie, mit einem politischen Seminar, und mit Verbesserung von Erziehungsanstalten um, fand aber nirgends die nöthige Unterstützung. Er wollte auch ein großes allgemeines encyklopädisches Wörterbuch in Verlag nehmen, wozu er viele Materialien gesammelt hatte, und wozu er immer Mitarbeiter suchte. Wie seine politische Zeitung ein Auszug der neuesten Weltgeschichte seyn und heißen sollte, so wollte er auch eine gelehrte Zeitung als einen Auszug der neuesten Gelehrtengeschichte liefern, und hatte dabey den guten Einfall, daß über der Menge neuer Bücher die alten nicht vergessen, und die besten derselben in Erinnerung gebracht werden sollten. Er verfertigte drey Blätter, und übertrug dann dieses Geschäft dem Professor Will in Altdorf, der auch wirklich unter dem angegebenen Titel zwey Jahrgänge 1749 und 1750 besorgte. Manche dürftige Gelehrte erhielten von ihm Geldunterstützungen. Der Realschule in Berlin machte er mit cedirten Schuldbriefen große Geschenke in Betrag zu dreissigtausend Gulden. Vom Schachspiel war er ein großer Liebhaber, und schrieb oft, während der Gegner auf seinen Zug dachte, seine, stets mit witzigen Einfällen gewürzte, Zeitung auf einzelne Blättchen, die er nach und nach in die Druckerei schickte. Im Umgang war er ein gefälliger, aufrichtiger, scherzhafter, durch Geschichten und Anekdoten einnehmender und belehrender Mann, der alles Gute, aber auch die Ausschweifungen des sanguinischen Temperaments an sich hatte. Er blieb unverheirathet; doch ließ er sich leicht, und oft gleich beym ersten Sehen, mit Frauenzimmern in ernsthafte Verhältniße ein, so sehr er auch immer von seinen Geliebten betrogen wurde. Er starb am 12. Julius 1768. Schriften:

Vergl. Will’s u. Nopitsch Nürnberg. Gel. Lexikon B. V. S. 425--431. Denkwürdigkeiten aus dem Leben ausgez. Teutschen des 18. Jahrh. S. 706. Fikenscher’s gel. Baireuth B. III. S. 120--126. Memoria Joh. Gottfr. Grossii (a J. P. Reinhard). Fol. Erlang. 1768. Lebensgeschichte J. G. Groß verfasset von W. (Will). 8. Nürnberg 1788. Waldau vermischte Beyträge zur Gesch. der Stadt Nürnberg St. IV. S. 279--348. Erlanger gel. Zeitung 1768. S. 233. Acta historico-ecclesiast. B. VI. S. 306. Anzeiger allg. literar. 1801. n. 66. S. 642--644. Hirsching’s hist. lit. Handbuch B. II. Abtheil. 2. S. 175--180. Meusel’s Lexikon verst. Schriftsteller B. IV. S. 390--393. J. A. von Bandels Leichenrede über den sogenannten Erlanger J. G. Groß (noch zu dessen Lebzeiten). 4. Bamb. 1753. Entrevue extraordinaire zwischen zweyen Zeitungsschreibern, dem sogenannten Erlanger J. G. Groß, und dem stummen Advokaten J. A. von Bandel. 4. Eisenach 1753. Gespräch im Reiche der Todten zwischen dem verstorbenen Erlanger Zeitungsschreiber Groß u. dem Lizentiat Richter. Oberteutsche allg. Lit. Zeitung 1794. St. 51. S. 844. Ladvocat’s Handwörterbuch B. V. S. 679.

  1. 1. Der angehende Lateiner. 8. Halle. Bis. 1750 Vier Auflagen. Fünfte Aufl. eb. 1769.
  2. 2. Unmaßgebliche Gedanken über ein mit leichten Kosten zu errichtendes Seminarium politicum. Gedruckt auf Kosten werther Gönner u. zu Nürnberg in der Homanischen Buchhandlung in Commission zu haben. 8. 1739.
  3. 3. Nachricht von der gegenwärtigen Verfassung der Ritterakademie u. des Seminariums zu Erlangen. 8. Erlang. 1741.
  4. 4. Kurzgefaßter Auszug der neuesten Weltgeschichte. Christian-Erlangischer Zeitungs Extract. Dieß ist der erste Titel seiner Zeitung. Erlangen. Zehen Jahrgänge 1741--1750.
  5. 5. Auszug aus der so betitulten Erlangischen Zeitung, die Nürnbergische Exekutionssache betreffend, mit besondern Anmerkungen. Fol. 1751.
  6. 6. Auszug der neuesten Weltgeschichte, mit Anmerkungen begleitet. Dieß ist der zweyte Titel seiner Zeitung. 8. 1751. 1752. u. 1753.
  7. 7. Auszug der neuesten Weltgeschichte und schönen Wissenschaften, mit Anmerkungen begleitet. Dieß ist der dritte Titel. 1754. 1755. 1756. u. 1757.
  8. 8. Auszug der neuesten Weltgeschichte, mit Anmerkungen. Dieß ist der vierte Titel. 1758--1762.
  9. 9. Realzeitung, das ist, Auszug der neuesten Weltgeschichte, mit Erläuterungen. Dieß ist der fünfte und letzte Titel. 8. Erlangen 1763--1768. Hiermit gab er acht und zwanzig Jahrgänge seiner Zeitung heraus. -- Die Fortsetzung lieferte anfangs der, im Jahre 1794 zu Erlangen verstorbene, Professor Johann Christian Zindel; dann wurde die Erlanger Realzeitung vom Professor Christian Masius, hierauf von einem gewissen Barth, einem gewissen Neupert, dann vom Postmeister u. Hofkammerrath Johann Adam Wels zu Erlangen, und zwar von diesem mit grossem Beyfalle, von 1772 an bis zu seinem 1785 erfolgten Tod; hierauf von Albrecht Bayer, dann seit 1794 von Johann Ernst Ehregott Fabri, dann, vom Sommer 1803 an, von Johann Georg Christian Fick geschrieben. Des Stifters der Realzeitung Johann Gottfried Groß Neffe und Erbe Hofrath Johann Heinrich Groß, welcher 1791 starb, und dieses letztern Sohn, Justizrath Georg Leonhard Adam Groß, waren nicht, wie von einigen behauptet ward, Verfasser der fortgesetzten Erlanger Realzeitung, sondern nur Inhaber derselben.
  10. 10. An dem Buche: Der geschwinde Lateiner 2 Theile. Nürnb. 1737 u. 1739 hatte Groß starken Antheil.
  11. 11. Orbis in tabula, das ist, Geographische Universalkarte. Erster Theil, vorstellend auf einem einzigen Blatt, ausgenohmen Teutschland, alle Theile, Reiche, Staaten, und vornehmsten Oerter der ganzen Welt, nebst Anzeigung eines jeden Religion, Herrschaft, Flüße, auch lateinische Benennung, item ob es grosse oder geringe Städte, Residenzen u. s. w. Orbis in tabula, Zweyter Theil der geographischen Universalkarte, vorstellend auf einem einzigen Blatt alle Kreise, Provinzen u. vornehmsten Oerter des heil. Römischen Reichs Teutscher Nation, nebst Anzeigung eines jeden Religion, Herrschaft, Flüße u. lateinischer Benennung; zu bequemern Gebrauch der Landkarten u. wochentlichen Zeitungen entworfen; in Homann’s Atlante majore B. I. u. B. II. Atlante Germaniae speciali.
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