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Johann Heinrich Häslein (GND 116369019)


Daten
Nachname Häslein
Vorname Johann Heinrich
GND 116369019
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst, Wissenschaft


BSB Johann Heinrich Häslein in der BSB

HÄSLEIN (Johann Heinrich) Rechnungssyndikus zu Nürnberg; wo sein Vater Kaufmann und Cimentdrath Fabrikant war, am 1. Februar 1737 gebohren. Nachdem er durch Privatlehrer, und in den obern Klassen der Spitaler lateinischen Schule Unterricht erhalten hatte, kam er 1751 in seinem fünfzehenten Jahre als Schreiber in die Nürnbergische Rugamts (Handwerksgerichts) Kanzlei, wo er zehen Jahre zubrachte. In seinen Freistunden suchte, er seine einzige Erhohlung in den Wissenschaften, in denen er sich, ohne fremde Unterstützung, forthalf, und seine glückliche Anlagen blos durch eigenen Fleiß weiter bildete. Er übte sich in alten und neuen Sprachen, studirte die lateinischen Klassiker, und die Schönheit derselben machte ihn empfänglicher für den Geschmack an der neuen schönen Literatur, die eben zu jener Zeit in Teutschland aufzukeimen anfieng, und welcher er sich in der Folge widmete. Ausserdem nahm Häslein bei den Nürnbergischen Professoren Lowitz und Löhe Unterricht in der Physik, Geometrie, und Trigonometrie, und bei dem Konsulenten Lochner, hörte er ein juristisches Collegium. Im Jahre 1761 ward er bei der Tetzelischen Stiftungsadministration angestellt, und 1765 bei dem vergrößerten Umfang dieses Fideikommisses zum Registrator ernannt. Im Jahre 1766 verehelichte er sich mit Maria Helena, des Nürnbergischen Steuerkassirs Zahn Tochter, mit welcher er 31 Jahre in der glücklichsten Ehe lebte. Im J. 1779 wurde er zum Genannten des größern Raths gewählt, das heißt, zum Mitglied des constitutionsmäßigen Ausschusses der Bürgerschaft damahliger Reichsstadt. Im J. 1783 erhielt er das Amt eines Rugamtsschreibers. Der Pegnesische Blumenorden nahm ihn 1788 unter seine Mitglieder auf. Er trug im J. 1792 zur Errichtung der Gesellschaft für Beförderung vaterländischer Industrie in Nürnberg bei, und wurde dieser nützlichen Anstalt erster Sekretär. Als 1794 ein Reichsstädtisches Oekonomie-Verbesserungs- und Rechnungs-Revisions-Collegium errichtet wurde, erhielt Häslein an demselben die Kalkulators- und zugleich die Rechnungs-Syndikus Stelle. Er stand diesem Amte bis an seinen Tod mit aller Anstrengung, und mit dem größten Pflichteifer vor. Er hatte bei seinen Aemtern unvermeidlich manchen Verdruß; aber er verbarg immer alles, was ihn kränkte, selbst auch körperliche Schmerzen vor Andern, und alles, was man in solchen Fällen an ihm bemerken konnte, war eine ungewöhnliche Stille. Für seine angenehmste Pflicht hielt er, jedermann gefällig zu seyn, und zu dienen, und Manche empfanden die Wirkung seiner Dienstgefälligkeit, ohne je zu erfahren, wem sie danken sollten. Ueber sein Ganzes war immer Freundlichkeit und Ruhe verbreitet. Er besaß einen geläuterten Geschmack, Gefühl für alles Schöne, und schätzte die Künste wie die Wissenschaften; vorzüglich liebte er die Musik, ungeachtet er selbst kein Instrument spielte. In der teutschen Sprachkunde, und besonders in der Wortforschung sammelte er sich große literarische Verdienste, und er würde hierin noch mehr geleistet haben, wenn er in den letzten Jahren seines Lebens nicht gänzlich seinen mühesamen Amtsgeschäften hätte angehören müssen. Er starb am 24. Oktober 1796. Sein sehr ähnliches Bild ist von Hessel gezeichnet, und von Guttenberg gestochen worden. Eine, dazu mit ausgegebene, vom Konsulenten Dr. Spieß verfaßte, Inschrift enthält das gegründete Zeugniß: „An ächter Vaterlandsliebe und standhafter Treue, an Reichthum gründlicher Kenntnisse, an Klugheit und Scharfsinn, an Fleiß, Sorgfalt, Geschicklichkeit und Fertigkeit in der Geschäftsführung übertraf ihn kein Staatsbeamter; an Liebe zu den schönen Wissenschaften, an Sprachkunde, und edler Schreibart kamen ihm die wenigsten gleich; an Herzensgüte und Dienstfertigkeit gegen jedermann, an strenger Tugend, gefälligem Betragen, und feinen Sitten war er Allen ein Muster.“ -- Von seinen zwei Söhnen widmete sich einer dem Predigerstande, und der andere Civilgeschäften, und seine Tochter ward des berühmten Kunsthändlers J. Fr. Frauenholz Gattin. Seine Schriften:

Vergl. Chr. Gottl. Müller’s Denkmahl der Freundschaft dem verewigten J. H. Häslein. 4. Nürnb. 1796. Will’s u. Nopitsch Nürnb. Gel. Lexikon B. VI. S. 7--10. Schlichtegroll’s Nekrolog auf das J. 1796. B. I. S. 9--22. Meusel’s Lexikon verst. Schriftst. B. V. S. 32--34. Ladvocat’s Handwörterbuch, fortges. von Baur. B. IX. S. 442--443. Gräter’s Braga u. Hermode B. V. Vorr. u. B. VI. S. 211. Nicolai Reise B. I. S. 291. u. Beilage S. 132. Anzeiger allg. literar. 1797. n. 52. S. 552.

  1. 1. Hanns Sachsens sehr herrliche, schöne, und wahrhafte Gedicht, Fabeln, und gute Schwenk; in einem Auszug aus dem ersten Buch, mit einer Nachricht von dessen Leben und Schriften, beygefügten alten Worterklärungen, auch einem kleinen Glossar, von J. H. H. (Mit Hanns Sachs Bildniß von Tyrof gest.) 8. Nürnb. 1781. [1]
  2. 2. Aktenmäßige Widerlegung der, in verschiedenen Journalen u. Schriften dem Rugamt in Nürnberg gemachten ungegründeten Beschuldigungen. 8. Nürnb. b. Grattenauer 1789. 4 Bog. [2]
  3. 3. Abgedrungene Vorstellung unserer der sechs vereinigten Anomalen: Wollen, Müssen, Dürfen, Mögen, Können, und Wissen; in dem teuschen Museum 1778. Nov. S. 444--446.
  4. 4. Probe einer Sammlung von Nürnbergischen Provinzialwörtern; ebend. 1781. Nov. S. 457--467.
  5. 5. Nürnberger Testamentstaxe: ebend. 1785. Sept. S. 277.
  6. 6. Von Mundwecken; in Will’s histor diplomatischen Magazin (Nürnb. 1781 u. 1782) B. I. S. 68. -- 86.
  7. 7. Nachricht von der Herrengilt; ebend. B. I. S. 101--112.
  8. 8. Vom Leistungsrechte, wie solches besonders in Franken ehehin gewöhnlich war; ebend. B. I. S. 169--183. u. B. II. S. 281--291.
  9. 9. Ob das Burggrafthum Nürnberg vor oder zu Zeiten der Rudolphinischen Belehnung ein Fürstenthum gewesen, das Landesherrliche Obrigkeit, Land und Leute hatte, oder nicht? vorzüglich nach der alten Regimentsverfassung, Gesetzen u. Statuten der Teutschen beantwortet; ebend. S. 65--87 u. S. 161--217.
  10. 10. Von der Bannmeile; eb. S. 318--345.
  11. 11. Von den mancherlei Begriffen des Wortes Herrlichkeit in vorigen Jahrhunderten; in Siebenkees jurist. Magazin B. II. S. 77 -- 127.
  12. 12. Nachricht von einem alten Sächsischen Weichbild-Recht; ebend. S. 202--288.
  13. 13. Mehrere Aufsätze; ebend.
  14. 14. Einige Anmerkungen zum Heldenbuch, und 2 Schwänke von Hanns Sachs; in F. D. Gräter’s Bragur. 324--354. u. B. II. S. 289 --306.
  15. 15. Ueber das Gedicht vom heiligen Anno; ebend. B. II. S. 383--386.
  16. 16. Ueber das Gedicht von den todten und lebenden Königen; ebend. S. 442.
  17. 17. Abhandlung von den Meistersängern; ebend. B. III. S. 104.
  18. 18. Anfang einer Sammlung von Liedern der Meistersänger, und mehr andere Aufsätze; ebend.
  19. 19. Gedichte in dem Wochenblatt: der Kranke, und in der Nürnbergischen Blumenlese.
  20. 20. Aufsätze in den zu Nürnb. 1791 heraus gekommenen vaterländ. Blättern.
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Fußnoten

  1. s. Jördens Lexikon teutscher Dichter u. Prosaisten B. IV. S. 416.
  2. s. Nürnb. gel. Z. 1789. S. 345.