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Mathias Kager (GND 118559273)


Daten
Nachname Kager
Vorname Mathias
GND 118559273
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Mathias Kager in der BSB

Kager, (Mathias) einer der beßten Historienmaler seiner Zeit, wurde zu München 1566 geboren. Er begab sich nach Italien, wo er lange verweilte, und nach Antiken[1], so wie nach den Werken der beßten Künstler studirte. Als er nach seiner Vaterstadt zurückkehrte, ernannte ihn der Churfürst Maximilian von Baiern zum Hofmaler. Die kriegerischen Unruhen gewährten ihm aber in München kein Vergnügen, daher er beschloß nach Augsburg zu ziehen, und dort sich niederzulassen. Er thats, wurde daselbst Bürger, und malte anfangs das Aeußere verschiedener Häuser; indem es ihm bei der Bürgeraufnahme zur Bedingung gemacht worden, nicht in Oel zu malen. Von seiner Arbeit sieht man daselbst das Weberhaus; das Gemälde, den König Salomon, und die Königin von Saba, hinter dem Rathhause über den Gefängnissen, das Franz Collignon aus Nancy in Kupfer gestochen; dann der Kreuz- und Frauenthorthurm. Endlich fieng Kager, ungeachtet seiner gemachten Zusage, doch in Oel zu malen an, besonders da er an seinem Landsmann Johann Ulrich Loth, den Vater des Joh. Karl Loth, eines der größten Maler der venetianischen Schule, einen sehr guten Gesellen erhielt, und verfertigte in dem sogenannten goldenen Saale des Rathhauses zu Augsburg die schön gemalten Deckenstücke mit Oelfarben auf Leinwand. In der dortigen Rathsstube hängt eines seiner schönsten Gemälde, welches das jüngste Gericht vorstellet. Dort ist auch die Geschichte Jesabels, das eine starke Zusammensetzung enthält, merkwürdig. In der dortigen Predigerkirche ist ein Altarblatt von seinem Pinsel zu sehen. Raphael Sadeler hat die Bilder zu Raders heiligen Baiern nach Kagers Zeichnungen gestochen. Auch L. Kilian, Reichel, u. a. stachen nach seinen Werken in Kupfer. Seine Kunst erwarb ihm bei Augsburgs Bürgern so viele Achtung und Zutrauen, daß sie ihn wegen seiner Verdienste sogar zum Bürgermeister erwählten. Er starb dort 1634, und wird von Imhof auch unter die Baumeister gezählt. Die königl. baier. Gallerie zu München besizt von ihm ein Gemälde auf Leinwand: Cleopatra, Königin von Aegypten, vor dem Cäsar Octavian Augustus. In der Pfarrkirche zu U. L. Frau in München befindet sich auf dem Kreuzerfindungs-Altare, die Erfindung des heil. Kreuzes von eben diesem Kager, oder Kagerer, wie ihn andere nennen, gemalt. Seine Manier zu malen ist steif, aber ausdrückend. Sandrart am a. O. Th. II. S. 322. Westenrieder am a. O. S. 151. u. 357. v. Rittersausen S. 80. v. Weizenfeld Nro. 990. In der Kapuzinerkirche zu Eichstädt, der Hauptstadt des Altmühlkreises, ist das Hochaltarblatt, das den vom Kreuze abgenommenen, und im Schoose seiner Mutter ruhenden Welterlöser vorstellt, 1625 von ihm gemalt worden. A. Strauß am a. O. S. 44. Meidinger S. 145 u. 242. v. Stetten S. 290. In der Pfarrkirche zum heil. Martin zu Landshut ist das Altarblatt: der heil. Andreas, ein Meisterstück seiner Kunst, das man lange für ein Gemälde eines italienischen Künstlers vom ersten Range hielt, bis man vor einigen 30 Jahren folgende Aufschrift: Mathias Kager 1627, ganz am Rande entdeckte. Zu Augsburg in der Domkirche ist das Altarblatt: die heil. drei Könige, und die Auferstehung Christi; dann in dortiger Moriz-Pfarrkirche das Choraltarblatt: diesen Heiligen vorstellend, von ihm. Zu Ingolstadt hängt in der untern Stadtpfarre zum heil. Moriz ein Gemälde rückwärts der Kanzel von seinem Pinsel, das des Lazarus Erweckung aus dem Todesschlafe, vorstellt. In der ehemaligen Klosterkirche zu Alderspach malte er 1619 das Choraltarblatt: die Jungfrau Maria in der himmlischen Glorie. Uebrigens war er auch Architekt. Als 1623 bis 1629 die große Klosterkirche zu Zwifalten erneuert wurde, dirigirte er den Bau, malte die Wände in Fresko, und verfertigte auch viele Altarblätter. Sulger annal. Zwifaltens. p. v. Stetten S. 193.


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Fußnoten

  1. So werden die Werke der zeichnenden Künste genannt, die ganz, oder in Trümmern von den alten Völkern auf uns gekommen, bei welchen dieselben ehemals geblühet haben. Sie bestehen in geschnittenen Steinen, Münzen, Statuen, geschnitzten und geformten Werken, Gemälden, Gebäuden und Trümmern derselben, die in diese Klasse gehören. Werke aus allen Zeiten der Kunst, von ihrem Entstehen, ihrem Flor, und ihrem Verfalle. Die, welche aus den schönsten Zeiten der Kunst Gräciens übrig blieben, und andere, die später entstanden, werden für vollkommene, oder doch der Vollkommenheit nahe kommende Muster gehalten. Sprechen daher Künstler oder Kunstkenner mit Enthusiasmus von Antiken; so ist es nur von diesen wenigen zu verstehhen. An Antiken bewundert man folgende wesentliche Stücke der Kunst: Die Schönheit der Formen überhaupt; die höchste Schönheit des menschlichen Körpers, und besonders des Kopfes; die Größe und Hoheit des Ansehens und der Charaktere; den richtigen und zugleich edlen Ausdruck der Leidenschaften, welcher jedoch allezeit der Schönheit untergeordnet ist. Kein Ausdruck ist bei Antiken so stark, daß er der Schönheit schadet. Die Alten folgten überhaupt mehr dem Ideal, als der Natur. (S. Ettlinger in der Note über die deutsche Schule). Alles, was einen besondern Menschen anzeigt, wurde von den alten Künstlern verworfen; denn ihre Hauptabsicht war: jedes Bild sey das, was es seyn soll, ohne Vermischung mit etwas anderem. Jupiter ist ganz Hoheit; Herkules ganz Stärke, und Venus ganz das Bild der Schönheit. Was nicht nothwendig zum Charakter gehört, darauf wurde von ihnen nicht gesehen. Wer in diesen vier Stücken der Kunst groß werden will, muß die beßten Antiken mit unermüdetem Fleiße studiren, und durch unabläßiges Betrachten und Zeichnen derselben seinen Geschmack bilden, und zur Größe der Künstler Gräciens erheben. Winkelmanns Schriften geben hierüber die beßten Aufschlüsse. Von Statuen fanden sich ehemals die beßten in Rom und Florenz; jezt besizt sie Paris. Geschnittene Steine und Münzen bestehen mehrere in Sammlungen europäischer Höfe, und selbst auch der Privaten. An Gebäuden besitzen Griechenland und Italien die schönsten Ueberbleibsel. Wer nicht das Glück hat die Originale selbst zu sehen und zu studiren, muß sich mit guten Abgüssen und Zeichnungen begnügen. --- Die Werke der Alten überhaupt sind an sich sehr unterschieden an Güte und Ausdruck. Die schönsten Statuen vom höchsten Grade sind: Laocoon und der Torso vom Belvedere; die schönsten vom zweiten Grade: Apollo und der Gladiator vom Borghese. Die vom dritten Grade sind unzählbar. Mengs Gedanken über die Schönheit und den Geschmack der Malerei S. 79). Um daher in Statuen den Charakter ganz auszudrücken, müssen die Herrn der Vorwelt so dastehen, wie sie lebten und handelten. Cicero redet; Nero wüthet; Seneka lehrt; Laokoon stirbt; Homer dichtet; Cäsar heuchelt; Cato zürnt noch, u. s. w. Eben das gilt auch von Gemälden. J. G. Sulzer’s allgem. Theorie der schönen Künste. B. I. Winkelmann’s Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst. (Dresden 1756) Dessen Geschichte der Kunst mit Anmerkungen.