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Franz Kobell (GND 118777580)


Daten
Nachname Kobell
Vorname Franz
GND 118777580
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Franz Kobell in der BSB

Kobell, (Franz) geboren zu Mannheim 1755, ein Bruder und Schüler des obigen Ferdinands. Er reiste 1790 nach Rom, um die Baukunst zu studiren und zugleich in der Malerei sich zu vervollkommnen. Nach sechs Jahren kehrte er von dort zurück, und begab sich nach München, wo er als churfürstl. Hofmaler angestellt wurde, und sich größtentheils mit Handzeichnungen beschäftiget. Von seinem Pinsel besitzt die dortige königl. Gallerie eine felsigte Landschaft mit Wasserfällen, auf Leinwand. v. Mannlich. B. I. S. 236. u. II. Nro. 298. Wenn dieses großen Mannes in andern Künstlerverzeichnissen nur mit wenigen Worten gedacht ist, so rührt es daher, weil er seit der eigentlichen Epoche seiner Entwicklung, seit seinem vieljährigen Aufenthalte in Italien nur wenig Gemälde mehr verfertiget hat, und seine vielen Zeichnungen nicht an den Wänden öffentlicher Gallerien prangen, sondern dem stilleren Genuße ihrer Verehrer vorbehalten sind. Kobell malet wenig, weil die Zeit raubenden Zubereitungen der Oelmalerei den Strom seiner lebhaften Phantasie zu sehr im raschen Laufe hemmen. Er haschet nach dem Material, womit seine Hand am schnellsten der Idee folgen kann, und mit der Feder, mit Sepia oder Bister weis er seinen Landschaften die zauberische Wirkung von Licht und Farbe zu geben. Nur auf diese Art wurde es möglich, daß in einzelnen Sammlungen mehrere tausend Blätter von diesem schöpferischen und unerschöpflichen Genie aufbewahret werden, deren jedes eine neue schöne Dichtung darstellet. Seine Kompositionen erinnern öfters an die sanften Schönheiten eines Klaudius Gelée, an die erhabenen Darstellungen des Poussin, an die wilden Naturscenen eines Salvator Rosa; aber alle tragen sie das Gepräge des originellen Charakters ihres Erfinders. Franz Kobell war eigentlich nach Italien gereiset, um sich in der Baukunst auszubilden; aber die Liebe zur Landschaft hat die Oberhand gewonnen. Unterdessen beweisen seine architektonischen Entwürfe, daß Kobell’s Ideen sich in jeder Form groß aussprechen, und mit dem edlen Stile seiner Landschaften vertragen sich nur solche Gebäude, wie er sie in denselben anzubringen verstehet. Nie sinket Kobell in seinen Darstellungen zum Gemeinen herab, und sein reiner Stil ist über den Wechsel des Zeitgeschmacks erhaben, wie es sein Nachruhm seyn wird. Mit Stolz wird die späteste Kunstgeschichte Baierns neben andern unsterblichen Namen der Vergangenheit ihren Franz Kobell nennen.


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