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Christoph Carl Kress von Kressenstein (GND 116523034)


Daten
Nachname Kress von Kressenstein
Vorname Christoph Carl
GND 116523034
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft, Politik


BSB Christoph Carl Kress von Kressenstein in der BSB

KRESS von Kressenstein (Christoph Carl) Kriegs Oberster zu Nürnberg. Er stammte aus einer alten teutschen adelichen Familie, die seit mehr als fünfhundert Jahren dem teutschen Reiche, dem Kaiser, und besonders der Reichsstadt Nürnberg, in wichtigen Aemtern und Vorfällen grosse Dienste geleistet hat. Die Familie schrieb sich mit ihren Gütern auf Krafthof, Dörremungenau, Retzelsdorf, und Röthenbach. Sein Vater war Johann Christoph Kreß von Kressenstein, Nürnbergischer Stadt- und Bann-Richter, und Stiftungspfleger, und seine Mutter Dorothea Maria, gebohrne Grundherr, welche ihn den 10. Jäner 1723 zu Nürnberg gebar. Er besuchte neun Jahre hindurch das Gymnasium seiner Vaterstadt, und dann auch die Vorlesungen im Egydianischen Auditorium, welches er mit einer öffentlichen Rede De Vicariis imperii ante aureae bullae tempora verließ. Zur Universität wählte er Halle, wo er vorzüglich den Unterricht und Umgang der Professoren, Wolf, Ludwig, und Böhmer genoß, und das Studium der Rechte absolvirte. Nach Verlauf der akademischen Jahre besuchte er die vornehmsten Höfe, und fast alle Teutsche und Niederländische Universitäten. Dadurch kam er mit vielen Gelehrten und Staatsmännern in Bekanntschaft, und errichtete mit ihnen einen Briefwechsel, der viele Jahre fortdauerte. Nach seiner Zurückkunft in Nürnberg arbeitete er im Stadtarchiv, und verehelichte sich im J. 1748 mit Sophia Maria, des Pflegers in Engelthal Kreß von Kressenstein Tochter. Im J. 1749 wurde er Assessor am Landgerichte, 1751 Wege Amtmann, dann sogenannter Losungsrath. Er wurde in Nürnbergischen, bei dem Reichshofrathe anhängigen, Prozessen nach Wien abgeordnet, und nach seiner Zurückkunft im J. 1754 zu Nürnberg Senator und Bürgermeister. Im J. 1768 wurde er Kriegs Oberster, und dadurch Präsident des Reichsstädtischen Kriegs Collegiums, dann auch zweyter Losunger, oder zweyter Vorstand des Losungsamtes, welches die Einnahme aller Nürnbergischen Einkünfte zu besorgen hatte. Zugleich war er Kaiserlicher wirklicher Rath, Kronhüter und Verwahrer der Reichskleinodien, des Fränkischen Kreises Kriegsrath, Mitglied des ältern geheimen Rathes, auch Oberpfleger von St. Claren und Pillenreuth, Pfleger der Mendelischen Stiftung, Mitglied der unmittelbaren Reichs Ritterschaft in Franken, und des Ritterortes Altmühl erster Ausschuß. Er war ein Mann von grossen Talenten und von ausgebreiteten Kenntnissen. Seine Thätigkeit war unermüdet; er scheute kein Geschäft, das er für nothwendig oder nützlich hielt, und arbeitete nicht nur oft ununterbrochen ganze Tage, sondern auch halbe Nächte hindurch. In der großen Kunst, seine Zeit einzuteilen, war er Meister. Jede Minute wurde weislich genützt, jede Stunde hatte ihr bestimmtes Geschäft. Er hielt sich ein genaues Tagebuch, das er in französischer Sprache schrieb. In jeder Lage blieb er sich ganz gleich, ließ Niemanden sein gelehrtes oder politisches Uebergewicht fühlen, und war immer voll Sanftmuth und Freundlichkeit. Studium, Weltklugheit, und Christenthum hatten den sonst feurigen Mann zum Herrn seiner Leidenschaften gemacht. Er besuchte nicht nur an Sonntagen, sondern auch öfters in der Woche die öffentliche Gottesverehrungen, wohin er immer das Griechische Neue Testament mit nahm. Die Armen hatten an ihm einen höchst freigebigen Wohlthäter, und Manche erfuhren erst nach seinem Tode, daß Er es war, der ihnen Jahre lang Unterhalt und Mittel zum Fortkommen verschaffte. Nebst andern guten Anstalten, die ihm das Daseyn verdanken, errichtete er ein Arbeitshaus, worin arme Weiber und Waisenkinder ihre Verpflegung fanden. An seinen, für die Reichsstädtische Verfassung wichtigen Posten konnte er es wohl nicht allen Partheyen recht machen, besonders, weil er sich immer auf die Seite der Patritier hielt. Allein er folgte seiner Ueberzeugung, und ertrug das Loos, getadelt zu werden, mit Ruhe und Seelengrösse. Er verstand fast alle Europäische Sprachen, und liebte den Umgang mit Gelehrten. Viele Jahre hindurch unterhielt er in seinem Hause eine wöchentliche literarische Gesellschaft, welche die Englische genannt wurde, weil man darin Englische Bücher las. An ihm verlor die Kunst einen grossen Kenner und Freund, der viele Künstler unterstützte; auch enthielt seine Gemälde Sammlung viele gute Stücke. Seiner Familie war er zärtlich ergeben, und vergnügte sich gern in ihrem Kreise. Er starb am 14. März 1791. Schriften:

Vergl. Meusel’s gel. Teutschl. B. XIV. S. 363. Meusel’s Lexikon verst. Schriftst. B. VII. S. 349. Will’s u. Nopitsch Nürnberg. Gel. Lexik. B. II. S. 367--369. u. B. VI. S. 263. Schlichtegroll’s Nekrolog auf das J. 1791. B. I. S. 326--338. Rötger’s Nekrolog St. I. S. 98--100. Rotermund’s Lexikon B. III. S. 859. Journal von u. für Franken B. II. S. 737.

  1. 1. Lob u. Gedächtnißrede, dem glorwürdigen Kaiser Karl VI. von C. G. Schwarz in latein. Sprache gehalten, u. von Kreß von Kressenstein übersetzt. Nebst Uebersetzung der Traueroden. Fol. Nürnberg 1741.
  2. 2. Schediasma historico-juridicum de eo, quod justum et circa diversam Paschatis celebrationem anno 1744. Halae. 4. 1744.
  3. 3. Ordnung im Beten und Arbeiten bei dem neu errichteten Armen und Arbeitshause zu Nürnberg; nebst einer kurzen Nachricht von dem Anfange u. Fortgange dieses Instituts. Fol. (Nürnb.). 1775. 3 Bog.
  4. 4. Kurzer Begriff der Reichsstadt Nürnbergischen Matricular Angelegenheiten. Fol. Nürnb. 1787. 14 S. [1]
  5. 5. Unter seinen ungedruckt gebliebenen Manuscripten befanden sich: Commentatio epistolica de auxiliis Gallorum Germanis missis 1742. Enumeratio Praepositorum ad S. Sebaldum et S. Laurentium 1749. Disquisitio de morte Caroli, filii Philippi, Hispaniarum regis. Meditationes de logomachiis circa principium juris naturae. Einige Uebersetzungen aus dem Englischen.
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Fußnoten

  1. s. Obert. Lit. Z. 1788. II. S. 271.