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Martin Frobenius Ledermüller (GND 116852844)


Daten
Nachname Ledermüller
Vorname Martin Frobenius
GND 116852844
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Martin Frobenius Ledermüller in der BSB

LEDERMÜLLER (Martin Frobenius) zu Nürnberg, wo sein Vater Baltasar Ledermüller sogenannter Rugschreiber war, am 20. August 1719 gebohren. Er genoß den ersten Unterricht von geschickten Hauslehrern, und in der lateinischen Schule seiner Vaterstadt, wurde aber in seinem vierzehnten Jahre ganz gegen seine Neigung zum Handelsstand bestimmt. Nach einem Verlust von 3 Jahren, die er in Spetzereihandlungen zu Frankfurt und Regensburg zubringen muste, durfte er nach vielem Bitten sich der Schreiberei widmen, und kam deshalb zu dem Notar und Kreissekretär C. A. Schütz zu Nürnberg in die Lehre, wo er vierthalb Jahre mit Nutzen und Vergnügen durchlebte, und auch in der Theorie und Geschichte der Rechte viel von ihm lernte. Auf dessen Rath besuchte er 1739 die Universität zu Jena, um Philosophie und Rechtsgelehrsamkeit zu studieren. Kaum war er ein Jahr dort, so sollte er auf Verlangen des unerbittlichen Vaters wieder nach Hause, aber auf der Heimreise ließ er sich zu Coburg von einem Oesterreichischen Offizier bereden, die Reise nach Frankfurt mit zu machen, wo er sich als Fourier mit einer Kapitulation auf 3 Jahre anwerben ließ, aber bei der Ankunft in Luxemburg gemeiner Soldat werden muste. Doch wurde er bald hernach als Fourier angestellt, und erhielt endlich gegen Stellung eines andern Mannes den Abschied. Indem er über Dietenhofen, Metz, und Strasburg nach Hause reisen wollte, wurde er, nebst noch 2 Reisegefährten, mit Gewalt in französische Kriegsdienste weggenohmen. Er kam nach Metz unter das Regiment Royal Baviere, wurde Sergeant, und befand sich eben mit seinem Regiment zu Strasburg, als er daselbst zufällig Nürnbergische Kaufleute antraf, welche sogleich an seinen Vater schrieben, der ihn mit vieler Mühe um hundert Reichsthaler loskaufte. Ledermüller kam nun nach Nürnberg zurück, wurde aber zu Hause mit so harten Vorwürfen und Verdrussen gequält, daß er fortlief, und sich zu einem Freund nach Römhild begab. Dort ward er mit einem Sächsischen Offizier, Freyherrn von Kaiserling bekannt, der ihn als Sekretär mit nach Dresden nahm. Von diesem kam er bei dem Generalmajor von Brühl in Dienste, welcher ihn mit ins Feld nahm, und ihn besonders zum Landkartenzeichnen, womit er sehr gut umgehen konnte, zu gebrauchen wuste. Man hatte ihm Belohnung und Beförderung zugesichert; allein nach geendigtem Feldzug trug man ihm einen blossen Fouriersdienst bei einem Cürassierregiment an. Darüber erzürnt gieng Ledermüller zurück nach Nürnberg, wurde Notarius, und kam hernach als Legations-Sekretär zu dem Schwedischen und Hessischen Hofrath ovn Heimenthal, der als Gesandter für das Schmalkadische Votum zu dem in Schweinfurt veranstalteten Fränkischen Kreiskonvent abgeschickt wurde. Man war mit Ledermüllers Dienstesfunktion vollkommen zufrieden, erfüllte aber nicht die ihm zugesagten Bedingungen; daher er wieder nach Nürnberg zurück gieng, wo er die Nützelische Verwaltung besorgte, die er doch bald durch den Tod des letzten Herrn von Nützel verlohr. Er war nun Willens, sich bei dem Reichshofrath in Wien um Dienste zu bewerben, und gieng deshalb vorläufig nach Regensburg, als er unvermuthet im Jahre 1748, durch Verwendung und Empfehlung eines alten Universitätsfreundes, als Sekretär in die Dienste des, in Würzburg sich aufhaltenden, Fürsten Rudolph Kantakuzenus eines Prinzen des unglücklichen Hospodars Demetrius von der Wallachei kam. Allein der bald erfolgte unstäte Aufenthalt seines Prinzipalen, und erhaltene Warnungen, nicht in diesem gefährlichen Dienste zu bleiben, bewogen ihn, mit Ende des Jahres 1749 seine Dimmission zu verlangen, die ihm auch, obwohl ungern gegeben ward. Hierauf wurde er in Nürnberg Sollicitator bei dem Bürgermeisteramt, und nach sieben Jahren Prokurator bei dem Stadt- und Ehegericht, wie auch Beisitzer des Kaiserl. befreiten Forst- und Zeidelgerichts. Nach 3 Jahren nöthigte ihn der gänzliche, von Jedermann für bleibend gehaltene, Verlust seines Gehörs, die Prokuratorstelle niederzulegen. Er entschloß sich, für einige Zeit nach Erlangen zu gehen, um sich durch Verfassung von Dissertationen eine akademische Würde zu erwerben. Wider alles Erwarten, plötzlich, und ohne ärztlicher Hilfe, erhielt er in Erlangen sein völliges Gehör wieder. Schon früher hatte er sich mit dem besten Erfolge auf das Naturhistorische Studium verlegt, und trieb nun die ehehin angefangenen physikalischen Untersuchungen und mikroskopischen Beobachtungen mit großem Eifer fort. Im J. 1759 wurde er Mitglied der Altdorfischen teutschen Gesellschaft, und 1760 der Kaiserl. Akademie der Naturforscher. Im Jahr 1760 erhielt er von dem Markgrafen Friedrich das Dekret eines Justizrathes, und den Ruf nach Baireuth, um am Naturalienkabinet mit zu arbeiten. Im Frühling und Sommer des J. 1761 hatte er den Markgrafen auf dem Schloß zu Leineck mit physikalischen Experimenten, und mit Vorlesungen hierüber zu unterhalten. Er gieng dann wieder nach Baireuth, und arbeitete täglich im Naturalienkabinet, bis ihm bei Eröffnung einer, seit 15 Jahren verschloßenen, Phiole, worinn im Weingeist aufbehaltene kleine Thiere waren, durch den ausgehenden Dampf ein Rothlauf im Gesicht zustieß, womit zugleich eine starke Geschwulst der Nase, und überhaupt bleibende schlimme Folgen für seine Gesundheit entstanden. Mit Anfang des Jahres 1762 trug er dem Hn Markgrafen vor, die schönsten Stücke des Naturalienkabinets durch den Druck bekannt zu machen, und erhielt nebst der Genehmigung, den Auftrag, das Werk sogleich einzurichten, und die Kupfertafeln in Nürnberg graviren zu lassen. Er reisete dahin, und dann nach Bonland zu dem geheimen Rath von Gleichen, dem er bei seiner Ausgabe des Neuesten aus dem Reiche der Pflanzen half. Bald darauf starb der Markgraf Friedrich; doch erhielt Ledermüller vom nachfolgenden Markgrafen Christian Friedrich ein Confirmationsdekret. Indessen nahm seine Krankheit so sehr zu, daß er fast jedem, und sich selbst unerträglich wurde. Dieselbe hinderte ihn auch, die ihm von Mannheim mit einem ansehnlichen Gehalt angebothene Stelle eines Konsistorialrathes anzunehmen. Doch erhielt er vom Kurpfälzischen Hofe, da er immer für das Kurfürstliche Kabinet Lieferungen von Naturalien zu besorgen hatte, eine jährliche Pension von 300 Gulden. Er war zu seiner Zeit seiner Naturhistorischen und übrigen gelehrten Kenntniße wegen berühmt, und starb am 16. Mai 1769. Schriften:

Vergl. Biblioth. Nor. Will. VIII. n. 34. u. 35. Will’s u. Nopitsch Nürnberg. Gel. Lexikon. B. II. S. 415 u. B. VI. S. 282--290. Haller’s botan. Bibl. B. II. S. 483. Hirsching’s hist. lit. Handbuch B. IV. Abth. 1. S. 121--125. Meusel’s Lexikon verst. Schriftst. B. VIII. S. 101--106. Ladvocat’s Handwörterbuch B. VI. S. 1099. Rotermund’s Lexikon B. III. S. 1476. Ebert’s bibliograph. Lexikon B. I. S. 972. n. 11798--11800. Ersch Handbuch der teutschen Lit. Abth. IV. u. V.

  1. 1. Diatribe de differentia, quae procuratores judicii Norimbergensis et sollicitatores in curia consulis Norimb. reipubl. et eorum officia et omnia intercedit. 4. Norimbergae 1755.
  2. 2. Physikalische Beobachtungen der Sammen Thierchen durch die allerbesten Vergrösserungsgläser u. bequemlichsten Mikroskope betrachtet. 4. Nürnb. 1756. 28 S. mit 8 Kupfern.
  3. 3. Versuch zu einer gründlichen Vertheidigung der Saamen Thierchen, nebst einer Beschreibung der Leeuwenhökischen Mikroskopien, u. einem Entwurf zu einer vollständigen Geschichte des Sonnenmikroskops, als der besten Rechtfertigung der Leeuwenhökischen Beobachtungen. 4. ebend. 1758. 7 Bog. mit 6 Kupf. [1]
  4. 4. Mikroskopische Beiträge. 8. eb. 1759.
  5. 5. Mikroskopische Gemüths u. Augen Ergötzung, bestehend in Einhundert nach der Natur gezeichneten u. mit Farben erleuchteten Kupfertafeln, samt deren Erklärung. 4. Nürnb. b. Winterschmidt 1761. 1 Alph. u. 5 Bog. Drittes Fünfzig, samt Anweisung, die Mikroskope zu gebrauchen. 1762. 15 Bog. Neue Aufl. in 150 Kupfern. 1765. Neue Augsg. drey Hunderte, mit illum. Kupf. 1802. Erschien auch französisch, in 3 Bänden, mit Kupf. Nürnb. 1764--1768. [2]
  6. 6. Nachricht von einer Ausgabe der Abbildungen der seltensten und schönsten Stücke des hochfürstl. Naturalienkabinets in Baireuth. Fol. 1762. Das Kabinet selbst kam bis Tab. 16. u. dem Bogen G. heraus, u. Verfasser des Textes war der geheime Rath Wagner zu Baireuth.
  7. 7. Physikalisch mikroskopische Beschreibung eines besondern phosphorescirenden und faserichten Steins, mit Vergleichung der Bononiensisch leuchtenden Steine, auch einiger andern demselben ähnlichen Mineralien u. Fossilien. Mit 6 Kupfern. Nürnb. 4. 1764. [3]
  8. 8. Physikalisch mikroskop. Zergliederung des Korns oder Rockens, nebst Beobachtung seines Wachsthums. Fol. Nürnb. b. Schneider u. Weigel 1764. 4 Bog. mit 4 Kupf.
  9. 9. Physikal. mikroskopische Zergliederung und Vorstellung einer sehr kleinen Winterknospe Hippocastani seu Esculi, oder des wilden Roßkastanienbaums. Fol. Nürnb. b. Winterschmid. 1764. 3 Bog. mit 3 Kupf.
  10. 10. Mikroskopische Frühlingssammlung. Fol. eb. 1754.
  11. 11. Versuch, bei angenehmer Frühlingszeit die Vergrösserungsgläser zum nützlichen u. angenehmen Zeitvertreib anzuwenden. Fol. Leipz. (Nürnb). 1765. Eigentlich eine neue Ausgabe der vorhergehenden Schrift; erschien auch französisch, von Harrepeter übersetzt.
  12. 12. Abgenöthigte Vertheidigung, als ein Anhang seiner mikroskopischen Gemüths und Augen Ergötzung, wider einige von dem Hn Verfasser des Neuesten aus dem Reich der Pflanzen u. der Geschichte der Stubenfliege, in dessen beiden Schriften geäusserte Zweifel u. Vorwürfe. Mit Kupfern. Fol. Nürnb. 1765. Gegen Friedr. Wilh. von Gleichen genannt Rusworm, dem Ledermüller bei dem ersten Werk geholfen hatte.
  13. 13. Physikalisch mikroskopische Vorstellung und Zergliederung einer angeblichen Rockenpflanze, das Staudensteck oder Gerstenkorn genannt. Mit 3 Kupf. Nürnb. b. Würsing. Fol. 1765.
  14. 14. Erzählungen in Briefen, worinn ein Christ und ein Freygeist ein Gespräch unter währendem Donnerwetter über die Unsterblichkeit der Seele halten, nebst der Abbildung in Kupfer, und einer Rechtfertigung an die Freunde der Religion. 4. Nürnberg 1765.
  15. 15. Physikalisch-mikroskopische Abhandlung vom Asbest, Amiant, Stein oder Erdflachs, u. einiger anderer mit demselben verwandten Fossilien. Mit 6 Kupf. Nürnb. b. Winterschmid 1775. erschien auch französisch 1776. Winterschmid hatte das Manuscript vom Verfasser erhalten, gab es aber, so wie die nächstfolgende Schrift, erst einige Jahre nach dessen Ableben heraus.
  16. 16. Letzte Beobachtungen seiner miskroskopischen Ergötzungen, welche ein Nest mit der kleinsten Art Schlupfwespe in Flockwolle enthalten, nebst Abbildung und Beschreibung des Universalmikroskops, als den Schlus seines dritten Theiles. Mit 10 illum. Kupf. ebend. 4. 1776.
  17. 17. Beobachtungen der Aale im Kleister u. den Saamenthierchen; in den Fränkischen Sammlungen St. 17.
  18. 18. Ein Brief, den Umlauf des Geblütes in den Thierkörpern betreffend; steht in J. B. Preus Inauguraldisputation de celeritate sanquinis in vasis minimis (1758).
  19. 19. Zum Druck von ihm, nebst der gestochenen Kupferplatte, lag fertig: Versuche, die Beobachtungen des Poudre oder Mehls, so auf den Aurikeln, wie auch auf Weintrauben, Pflaumen, Feigen, und andern Früchten gefunden wird, betreffend.
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Fußnoten

  1. s. Erlang. gel. Z. 1758. S. 23. u. 406.
  2. s. Erlang. gel. Z. 1759. S. 13. 1760. S. 65. 1761. S. 77. 1762. S. 196. u. 1763. S. 150. Fränk. Samml. B. 4. S. 355. u. B. 7. S. 238.
  3. s. Erlang. gel. Z. 1764. S. 233. Gedanken über Ledermüllers phosphor. Stein in Titius gemeinnütz. Abhandl. n. 27. u. im neuen Hamb. Mag. St. 92. S. 166.