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Adalbert Friedrich Marcus (GND 116762586)


Daten
Nachname Marcus
Vorname Adalbert Friedrich
GND 116762586
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Adalbert Friedrich Marcus in der BSB

MARCUS (Adalbert Friedrich) Direktor der Schule für Landärzte zu Bamberg. Seine Eltern waren Handelsleute, und er wurde am 21. November 1753 zu Arolsen der damahligen Residenz der Fürsten von Waldeck gebohren. Im J. 1766 kam er an das Gymnasium illustre zu Korbach, wo er unter Leitung des Rektors Winterberg die Humaniora, und dann, von 1769 an, zu Kassel am Carolinum Philosophie, Mathematik, Chemie, und Anatomie studirte. Unter den Universitäten ward von ihm, die gleich nach ihrem Entstehen berühmt gewordene Georgia Augusta zu Göttingen gewählt, wohin er sich im J. 1771 begab, und wo er den Unterricht Baldinger’s in der Pathologie, Therapie und Klinik, Richter’s in der Chirurgie, Murray in der Botanik, Wirsberg in der Anatomie, Rudolph Vogel’s in der Therapie, Erxleben’s in der Chemie, Hollann’s in der Physik, Kästner’s in der Mathematik, dann Gmehlin’s in der Naturgeschichte, Beckmann’s in der Technologie, und Pütter’s im Staatsrecht genoß. Er erhielt im J. 1775 die medizinische Doktorswürde, kehrte in sein Geburtsort zurück, gieng aber im Herbste 1770 nach Würzburg, wo er sich vorzüglich unter Kaspar Siebold’s Anleitung, und im Julius-Spital der praktischen Arzneykunde widmete. Im Jahre 1778 kam Marcus als Stadtphysikus nach Bamberg, wo ihm bald seine Talente, sein Charakter, und seine glückliche Kuren allgemeine Achtung, und eine so ausgebreitete Praxis, als vor ihm kein Stadtarzt daselbst hatte, verschafften. Marcus Eltern waren Israeliten, und also auch er in der jüdischen Religion gebohren und erzogen, und derselben bis zum Jahr 1781 ergeben. Nun trat er aber zum Christenthum, und zwar zur katholischen Kirche über, und wurde in der Hofkapelle zu Bamberg vom Fürstbischof Franz Ludwig den 11. März 1781 feyerlich getauft wobey der Domprobst Adalbert Philipp von Hutten, und der Oberhofmarschall Franz von Stauffenberg die Tauf- und Firmpathenstellen hatten. In nämlichen Jahre 1781 wurde Marcus vom Fürstbischofe zum Bambergischen, dann 1794 zum Würzburgischen Leibmedikus und Hofrath ernannt. Er verbesserte die Einrichtungen an den Fränkischen Badeanstalten zu Kissingen und zu Bockleth, und organisirte zu Bamberg das, vom Fürstbischof mit einem Kostenaufwand von beynahe Hunderttausend Gulden errichtete allgemeine Krankenhaus, dessen dirigirender Arzt er ward. An demselben eröffnere er den 11. Novemb. 1793 clinische Vorlesungen, ließ, unter seiner unmittelbaren immerwährenden Aufsicht und Leitung, durch die prakticirenden Aerzte alle Krankengeschichten, derselben Charakter und Gestalt, den Einfluß der verschiedenen körperlichen Constitutionen und Temperamente, die Veränderungen der Witterung, genau aufzeichnen, bey allen daselbst Verstorbenen die Leichenöffnungen vornehmen, mit den kostbarsten Arzneymitteln Versuche machen, und pathologische Seltenheiten aufbewahren. Die berühmtesten Aerzte und Professoren des südlichen Teutschlands rühmten die, von Marcus getroffene, vortreffliche Einrichtung des Krankenhauses zu Bamberg, und bewogen viele junge Aerzte, sich dahin zur Vollendung ihrer medizinischen Bildung zu begeben. Durch den Tod des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal hörte die Unterstützung, und damit, obwohlen die Anstalt ihre Stiftungen behielt, der gröste Theil der musterhaften Verfaßung des Bambergischen Krankenhauses auf. Der nachfolgende Fürstbischof Christoph Franz von Buseck, der überhaupt seinen kleinen Staat nur nach verkehrten Ansichten regierte, wurde mit Mühe von Ausführung seines Planes abgehalten, das Krankenhaus ganz aufzuheben, und das Gebäude zu einem Getraid-Schüttboden zu verwenden. Der für seine Berufsgeschäfte unermüdet thätige Marcus sorgte auch für literarische und gesellige Unterhaltungen, stiftete im J. 1792 einen Lese- und Conversationszirkel, und verband damit ein Gesellschafts-Theater, welches er selbst dirigirte. Da das Fürstenthum Bamberg 1802 durch den Lüneviller Frieden an die Krone Baiern kam, wurde Marcus zum Direktor der Medizinalanstalten in Franken ernannt. Er konnte nun das Krankenhaus wieder emporbringen, verband mit demselben eine Entbindungsanstalt, verfertigte Instruktionen für die Landgerichts-Physiker, Wundärzte, Apotheker, und Hebammen, und erwirkte für dieselben alle mögliche Unterstützungen. Im J. 1807 nahm ihn die medizinisch chirurgische Gesellschaft von Lucca und Piombino unter ihre correspondirende Mitglieder auf. In den Ehestand war er bereits am 4. Junius 1781, und zwar mit Juliana Schlörin, Tochter eines Forstmeisters, getreten; doch blieb er ohne Kinder. Mit einigen andern Aerzten, vorzüglich mit Kilian und Horsch hatte er Zwistigkeiten, worüber in den Jahren 1804--1806 einige gelehrte und politische Zeitungen zu, in der That nicht erbaulichen, Tummelplätzen dienten. Bey Errichtung eines Medizinal-Comite, und einer Schule für Landärzte in Bamberg wurde Dr. Marcus Vorstand derselben. Er starb am 26. April 1816 nach, beynahe vier Monath langen, Leiden einer nervösen Hüftgicht. Seine Schriften:

Vergl. Marcus nach seinem Leben u. Wirken geschildert von seinen Neffen Dr. Speier und Marc; mit dem Bildniß des Verstorbenen und einer Vorrede von G. M. Klein. 8. Bamberg 1817. A. F. Marcus, nach dem Leben und Charakter geschildert von J. H. Jäck. 4. Erlang. 1813. Auch in Jäck’s Pantheon der Literaten Bambergs Heft III. u. IV. S. 697--752. Meusel’s gel. Teutschl. B. V. S. 47. B. X. S. 246. B. XIV. S. 490. u. B. XVIII. S. 620. Baldinger Progr. Vindiciae Irritabilitatis Hallerianae. Gött. 1775. S. 23--26. Journal von u. für Franken B. V. S. 495--502. Jenaische allg. Lit. Zeitung 1816. Int. Bl. n. 55. Repertorium allgem. der Literatur 1785--1800. Ersch Handbuch der teutsch. Lit. Abth. IV.

  1. 1. Diss. inaug. med. de diabete, quam consensu gratiosi medicorum ordinis in Academia Georgia Augusta pro summis in arte medica honoribus obtinendis publice defendet etc. Göttingae ap. Dieterich 1775. 4 S. [1]
  2. 2. Abhandlung von den Vortheilen, welche öffentliche Krankenhäuser dem Staate, und insbesondere der Medizin studierenden Jugend gewähren. Mit 14 Beylagen, von den wohlthätigen Einrichtungen, welche der gegenwärtige Fürstbischof (Franz Ludwig) während seiner Regierung bereits getroffen hat. 8. Bamberg b. Göbhart. 1790. 114 S. [2]
  3. 3. Drey Tabellen, wie solche in dem grossen Krankenhause zu Bamberg eingeführt sind. Fol. ebend. 1792. [3]
  4. 4. Antrittsrede bey Ankündigung der clinischen Vorlesungen. 8. Bamb. b. Gertner 1793. 3 Bog. [4]
  5. 5. Beschreibung der letzten Krankheit des Hn. Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal zu Bamberg u. Würzburg. 4. Bamb. 1795. 3 Bog. [5]
  6. 6. Prüfung des Broweschen Systems der Heilkunde durch Erfahrungen am Krankenbette. Mit Kupfern. Erstes Stück. Weimar 8. 1797. 2tes Stück 1798. 16 u. 124 S. 3tes Stück. 32 u. 112 S. 4tes Stuck 1799. 9 Bog. [6]
  7. 7. Kurze Beschreibung des allgemeinen Krankenhauses zu Bamberg. Mit Kupfern. Weimar. 8. 1797. 46 S. [7]
  8. 8. Magazin für specielle Therapie, Clinik, und Staatsarzneykunde, nach den Grundsätzen der Erregungstheorie. V. Hefte. Jena b. Seidler. 8. 1802--1808. Das 2te Heft erschien mit neuem Titel: Beyträge zur Erkenntniß und Behandlung des gelben Fiebers. 1805. 202 S. [8]
  9. 9. Organisation der Physikate im Fürstenthum Bamberg, nebst einer ausführlichen Instruktion. 4. Bamb. 1804.
  10. 10. Darstellung der medizinisch chirurgischen Schule zu Bamberg, nebst der Ordnung der Vorlesungen für dieselbe. 4. ebend. 1804. 24 S. [9]
  11. 11. Vorrede zu Friedr. Spever’s Ideen über die Natur und Anwendungsart natürlicher u. künstlicher Bäder (Jena 1805).
  12. 12. Jahrbücher der Medizin als Wissenschaft, herausgegeben von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und A. F. Markus. Drey Bände. Tübingen b. Cotta. 8. 1805--1808. [10]
  13. 13. Ueber die Natur und Behandlung der häutigen Bräune. Als Versuch einer Beantwortung der auf Befehl des französ. Kaisers über diesen Gegenstand d. 4. Jun. 1807 aufgestellten Preisfrage. 8. Bamb. u. Würzb. b. Göbh. 1810. 132 S. Es erschienen hierauf: Heims kritische Bemerkungen über Marcus Schrift über die Bräune. 8. Berlin 1810. 68 S. Albers kritische Bemerkungen gegen eine Rezension des geh. R. Heim. 8. Bremen 1810. 54 S. [11]
  14. 14. Entwurf einer speciellen Therapie. Erster Theil, die Entzündung und das Fieber. Nürnberg b. Campe. 8. 1807. 349 S. 2ter Theil, die topischen Entzündungen 1810. 618 S. 3ter Theil, die Exantheme 1812. 432 S. [12]
  15. 15. Ephemeriden der Heilkunde. VII. Bände. Bamb. u. Würzb. 8. 1811 --1813. Achter Band. 8. 1814. [13]
  16. 16. Ueber den jetzt herrschenden ansteckenden Typhus, nebst biographischen Notitzen über den am 27. März an dieser Krankheit verstorbenen Dr. Johann Philipp Ritter, nebst Krankheitsgeschichte u. Leichenöffnung. 8. Bamberg 1813. 88 S. Steht auch in den Ephemeriden d. Heilkunde B. 6. H. 3.
  17. 17. Beleuchtung der Einwürfe gegen meine Ansichten über den herrschenden ansteckenden Typhus. 8. eb. 1813.
  18. 18. Ueber den Typhus (Mit Dr. Ant. Röschlaub herausgegeben). 8. eb. 1814.
  19. 19. Recept Taschenbuch, oder die üblichen Receptformeln, und ihre Anwendung in der klinischen Anstalt zu Bamberg, nebst Bemerkungen. 8. Bamb. 1814. 142 S. [14]
  20. 20. Ein Wort über die zwey Worte des Hn. Dr. Schubauer in München, die allerneueste Ansicht u. Behandlung des Typhus betreffend. 8. Bamb. b. Kunz 1815.
  21. 21. Der Keichhusten; über seine Erkenntniß, Natur, und Behandlung. 8. eb. 1816. 216 S. [15]
  22. 22. Er hatte auch Antheil an einigen gelehrten Zeitungen und Journalen.
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Fußnoten

  1. s. Allg. t. Bibl. B. 30. II. S. 431. Gött. gel. Z. 1775.
  2. s. Obert. Lit. Z. 1790. II. S. 245. Jen. Lit. Z. 1791. I. S. 798. Gött. gel. Z. 1790. III. S. 989. Allg. t. Bibl. B. 96. I. S. 84. Auserl. Lit. d. kath. Teutschl. B. 3. St. 2. S. 157. Würzburg. gel. Z. 1790. S. 61. Nürnb. gel. Z. 1790. S. 193.
  3. s. Baldingers med. Journal B. 8. St. 29. S. 28.
  4. s. Hartenkeils med. chir. Z. 1793. IV. S. 376. Erlang. gel. Z. 1793. II. S. 829. Jen. Lit. Z, 1794. IV. S. 244.
  5. s. Würzb. gel. Z. 1795. I. S. 169
  6. s. Neue allg. t. Bibl. B. 38. I. S. 78. B. 50. I. S. 15. u. B. 62. II. S. 315. Hartenkeils Z. 1797. IV. S. 15. 1798. I. S. 09. u. 1799. III. S. 97. Obert. Lit. Z. 1798. I. S. 481. Jen. Lit. Z. 1799. I. S. 449. Erfurt. gel. Z. 1798. S. 36. Erlang. Lit. Z. 1800 II. S. 1140. Ergänz. bl. z. allg. Lit. Z. 1801--1810. V. S. 225.
  7. s. Hartenkeils Z. 1797. IV. S. 156.
  8. s. Hartenteils Z. 1805. I. S. 160. IV. S. 289. u. 323. u. 1806. I. S. 102.
  9. s. Hartenkeils Z. 1804. II. S. 71.
  10. s. Obert. Lit. Z. 1806. I. S. 808. S. 817. u. S. 833. Heidelberg. Jahrb. d. Lit. 1808. II. S. 270. III. S. 346. u. 1809. V. S. 25.
  11. s. Hartenkeils Z. 1810. I. S. 241. Heidelb. Jahrb. 1810. I. S. 147.
  12. s. Jen. Lit. Z. 1808. I. S. 23. u. 1810. II. S. 551. Hall. Lit. Z. 1809. I. S. 65. Heidelb. Jahrb. 1809. II. S. 169. Siebolds artist. lit. Bl. 1807. S. 89. Hartenkeils Z. 1807. III. S. 369. 1810. III. S. 257. u. 273. Leipz. Lit. Z. 1813. II. S. 2466 u. 1814. I. S. 57.
  13. s. Ehrhards Salzb. med. chir. Z. 1811. I. S. 213 u. 385. II. S. 273. 1811. III. S. 262. IV. S. 33. u. 1812. I. S. 289. Hall. Lit. Z. 1811. II. S. 545. u. IV. S. 849. u. 1816. IV. S. 313. Leipzig. Lit. Z. 1813. I. S. 481. u. 1814. II. S. 1373.
  14. s. Leipz. Lit. Z. 1815. II. S. 1590. Jen. Lit. Z. 1815. IV. S. 183. Ehrhardts med. chir. Z. 1815. I. S. 110. Hall. Lit. Z. 1816. III. S. 60.
  15. s. Jen. Lit. Z. 1817. II. S. 30. Leipz. Lit. Z. 1817. I. S. 873.