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Ferdinand Freyherr von Meggenhofen (GND 120872439)


Daten
Nachname Freyherr von Meggenhofen
Vorname Ferdinand
GND 120872439
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Ferdinand Freyherr von Meggenhofen in der BSB

Freyherr von MEGGENHOFEN (Ferdinand) zu Burghausen, wo sein Vater Kurfürstlicher Regierungsrath war, im Jahre 1761 gebohren. Wenn auch seine Erziehung nicht gänzlich den Forderungen einer aufgeklärten Pädagogik und Philosophie entsprach, so war sie doch in physischer und wissenschaftlicher Rücksicht von der Art, daß sie die grossen und vortrefflichen Anlagen seines Geistes in ihrem innern Wachsthume nicht aufhielt. Im Jahre 1778 kam er nach Ingolstadt, wo er, während Weishaupt’s Universitäts Rektorat, unter die Studierenden, und, nachdem er gleich Zutritt und Freundschaft im Hause dieses Gelehrten fand, in den damahls bestandenen geheimen Illuminatenorden aufgenohmen ward, für welchen er bald ganz lebte, und sich überhaupt durch seinen ganz vorurtheilfreien hellen Geist, und durch seinen Fleiß auszeichnete. Sein Brodfach war Rechtsgelehrsamkeit, die er mit Gründlichkeit erlernte. Aber die Stunden der eigentlichen Geistesbildung füllte mit dem fleißigen Lesen der alten Klassiker aus, unter denen die Stoiker zu seinem festen männlichen Geiste am besten stimmten. Er las unter den Lateinern beständig den Cicero und Seneca, und unter den Griechen den Epictet und Antonin in lateinischen Uebersetzungen. Ausserdeme beschäftigte er sich mit französischer und italienischer Lektüre, und mit den besten Schriftstellern unserer teutschen Literatur, worunter Garve’s Schriften seine liebsten waren. Nach Absolvirung der juridischen Studien wurde er zu Burghausen bei dem Kurbaierischen Gr. Hegnebergischen Infanterieregiment als Auditor angestellt. Offizirs und Gemeine liebten ihn nicht nur, sie verehrten ihn. Seine Art, bei Verhören die Schuldigen zum Geständniß, und zur Einsicht ihrer Vergehungen zu bringen, soll musterhaft in psychologischer Rücksicht gewesen seyn, und wer solche Protokolle von ihm gesehen hat, hält sie für wirklich merkwürdige Dokumente in dieser Gattung. Meggenhofen stand indessen mit den Illuminaten in fortwährender enger Verbindung, und erwarb dem Orden viele neue Mitglieder und Anhänger. Als im J. 1785 die bekannte Unterdrückung des Illuminatenordens, und die Inquisitionen gegen Weishaupt, und gegen andere Professoren und Studierende an der Universität zu Ingolstadt erfolgten, und als ein Befehl an alle Landesstellen, und auch an die Armee ergieng, daß sich alle Mitglieder binnen 6 Wochen angeben, und dem ehemaligen Orden schriftlich entsagen sollten, that dieses auf das Geziemendste auch Meggenhofen, und, da die Regierung denen, die sich freiwillig als Mitglieder bekennen würden, Gnade zusicherte, so schien die Sache abgethan zu seyn. Allein im Herbste desselben Jahres muste er einen neuen, aus 26 Punkten bestehenden Revers unterschreiben, dann alle seine Papiere einhändigen, und sich bald darauf, einstweilen ab officio suspendirt, nach München begeben, um dort bei dem geheimen Rath Häusler auf die Fragen zu antworten, die man ihm vorlegen würde. Bei diesem seinem Inquisitor brachte er innerhalb 2 Tagen 15 Stunden in Verhören zu. Am 13. November 1785 ergieng die Sentenz über ihn, daß er wegen seiner Anhänglichkeit an den Illuminatenorden, nach vorläufig ernstlichem Verweis und Ermahnung, in das Franziskanerkloster auf unbestimmte Zeit überbracht, und alldort in den christkatholischen Glaubenslehren der Nothdurft nach unterrichtet werden sollte. Zugleich wurde befohlen, da seine Verpflegungskosten einstweilen aus der Kriegskassa vorgeschossen, aber nachher an seinem Gehalt wieder abgezogen werden sollen. Meggenhofen gab nun gelassen seinen Degen ab, und ließ sich von einem Offizier zu seinen neuen Sittenlehrern und Aufklärern bringen. Der Quardian der Franziskaner empfieng ihn mit Höflichkeit, und wies ihm eine geräumige Zelle an, worinn er Religions und Erbauungsbücher fand. Der Provinzial und der Lektor, so wie andere Patres, besuchten ihn oft, und in der Meinung, daß er Trost bedürfe, suchten ihn diese guten Männer, von denen Meggenhofen späterhin immer mit Achtung gesprochen hat, über seine jeztige Lage zu beruhigen. Er wollte seine Entlassung der Güte seiner Sache, nicht aber irgend einem Nebenumstande zu danken haben, und wies daher alle Mittel standhaft ab, die man ihm von verschiedenen Seiten zu seiner Befreiung vorschlug. Indessen hatte er sich gleich bei Anfang seines Prozesses vorgenohmen, durchaus gegen die schuldige Unterwürfigkeit Nichts zu versehen; sobald ihm also gesagt wurde, daß man eine Bitte um Befreiung als einen Beweis seines Gehorsams erwarte, und die Unterlassung derselben für Starrsinn halte, stellte er sogleich jene Bitte. Am 30ten Tage seiner Gefangenschaft gab man ihm seinen Degen wieder; zwey Tage hierauf reisete er von München ab, und gieng wieder nach Burghausen zu seinem Regimente, bei dem er aber auch sogleich seine Auditorsstelle niederlegte. Er gieng nun für einige Wochen nach Regensburg, dann nach Mainz, und Neuwied, wo er sich einige Monathe aufhielt. Mit Ende des Jahres 1786 begab er sich nach Wien, wo er nach einigen vergeblichen Versuchen, als Auditor bei der Armee angestellt zu werden, und nachdem er in einem so drückenden Mangel gelebt hatte, daß er sich oft kein Mittagessen anschaffen, und kein Briefporto bezahlen konnte, endlich 1787 zum Kaiserlich Oesterreichischen Schulkommissär zu Ried im Innviertel mit achthundert Gulden jährlichem Gehalt ernannt wurde. An diesem nicht glänzenden, aber sehr nützlichen Posten stiftete er ungemein viel Gutes; sein Eifer und seine Fähigkeiten wurden auch anerkannt, und er war auf dem Weg, in Kurzem Kaiserlicher Kreishauptmann zu werden, wenn ihn nicht der Tod so unvermuthet übereilt hätte. In Oktober 1790 machte er einen Besuch in Stubenberg bei seinem ehemaligen Obersten dem Grafen von Baumgarten, um sich mit ihm durch die Jagd zu belustigen. Am 26ten desselben Monaths Abends in später Dämmerung fährt die Jagdgesellschaft in einem kleinen Fischerkahn über den Inn; der Kahn stößt auf einen Stock, schlägt um, und übergiebt seine ganze Ladung den Wellen. Ein Sergeant des Obersten schwimmt ans Ufer, und macht Lärmen; man eilet den Unglücklichen zu Hülfe, und alle, ausser Baumgarten und Meggenhofen, werden gerettet. Den Obersten zog man noch am nämlichen Abend todt aus dem Wasser; nach Meggenhofen’s Leichnam suchte man vergebens, und erst 3 Monathe darauf wurde er aufgefunden. In Drucke erschienen von ihm:

Vergl. Schlichtegroll’s Nekrolog auf das J. 1790. II. S. 279--328. u. 1791. II. S. 380. Meusel’s Lexikon verstorbn. Schriftsteller B. X. S. 15. Jenaische Literat. Zeitung 1786. II. S. 399. Nürnberg. gel. Zeitung 1786. S. 293. Oberteutsche Literat. Zeitung 1788. I. S. 591. Literatur neue des kath. Teutschl. B. 2. St. 3. S. [xxxxx]8. Leben u. Charakter berühmter edler Männer, die 1790 verstorben sind, Halle 1792. S. 149--154. Rotermund’s Lexik. B. IV. S. 1187.

  1. 1. Anonyme Aufsätze in periodischen Schriften.
  2. 2. Geschichte und Apologie des Freyherrn von Meggenhofen; ein Beitrag zur Illuminatengeschichte. 8. Ohne Druckort (Nürnberg b. Felsecker). 1786. 103 S. Stehet auch in Wekhrleins grauem Ungeheuer, als Beilage zu B. VI. S. 1--103.
  3. 3. Ein Brief voh ihm; in dem Teutschen Zuschauer St. 11. S. 180--189.
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