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Christoph Rheineck (GND 123496276)


Daten
Nachname Rheineck
Vorname Christoph
GND 123496276
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Christoph Rheineck in der BSB

Rheineck, (Christoph), Gastwirth zum weissen Ochsen in Memmingen, ein vortrefflicher Tenorist, fertiger Klavierspieler, und gefälliger Kompositeur, wurde daselbst den 1. November 1748 geboren. Sein Vater ertheilte ihm den ersten Unterricht im Gesange, worinn er sich auf dem Musikchore in der Kirche noch mehr übte. Nachdem er zu reifern Jahren gediehen war, erlernte er die Handlung, und machte hierin solche bedeutende Fortschritte, daß er nach Verfluß von vier Jahren 1768 in das Scherrersche Haus zu St. Gallen kam, und nach anderthalb Jahren in das Komtoir dieses Hauses zu Lion versetzt wurde. In Lion bildete sich nun sein musikalisches Talent vorzüglich aus, indem er dort das Schauspielhaus und die Konzerte besuchte, und endlich selbst eine Operette: Le nouveau Pigmalion schrieb, die sehr gefiel, und man ihn daher aufmunterte mehrere Musiken für das Theater zu schreiben. Der Minister der Finanzen Turgot wurde ihm wegen seiner Musik sehr gewogen, und versprach ihm einen guten Platz bei der Ferme zu Paris, wenn er dahin reisen wollte. Schon war Rheineck dahin abzugehen entschlossen, als ihn ein Brief nach Hause eiligst zu gehen hieß, indem sein Vater, ein 72jähriger Greis gefährlich krank wäre. Während nun der Sohn durch den Tod seines Vaters in Memmingen aufgehalten war, fiel Turgot in Ungnade, und konnte ihm daher nicht mehr die versprochene Anstellung verschaffen. Rheineck kaufte sich also 1776 einen Gasthof in seiner Vaterstadt, und, als er heirathete, komponirte er sich eine Cantate, die bei der Aufführung am Hochzeittage Daniel Schubart dirigirte. Von dieses Künstlers Kompositionen sind folgende beliebt und bekannt: a) Der Todesgang Jesus, nach Städel’s Poesie 1778 in Musik gesetzt. b) Choral-Melodien zur Schelhornischen Musik-Sammlung. c) Eine Messe. Le nouveau Pigmalion, und e) le Fils reconnoissant; beide Opern zu Lion aufgeführt. f) Rinaldo, eine große deutsche Oper, nach Städel’s Poesie, zu Memmingen 1779 in Musik gesetzt. g) Vier Liedersammlungen (1780 worunter das bekannte Liedchen: Blühe liebes Veilchen! etc.); dann h) VI. Klavier-Konzerte in Mspt, und endlich i) mehrere Lieder und Klavierstücke in der Speierschen Blumenlese. Rheineck, der 1797 mit Zurückelassung eines Sohnes, der nun die Wirthschaft besitzt, gestorben ist, war ein jovialischer, artiger Mann, und ein Mensch, der Welt besaß. Er hatte große Belesenheit und war selbst in der Malerkunst erfahren; daher er auch in einem Saale, und zwei daranstossenden Zimmern seines Gasthofes eine schöne Gemälde-Sammlung von den beßten Malern angelegt hatte, die den bei ihm angekommenen Gästen vieles Vergnügen und selbst Belehrung gewährte.


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