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Joseph Sebastian von Rittershausen (GND 100392822)


Daten
Nachname von Rittershausen
Vorname Joseph Sebastian
GND 100392822
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Joseph Sebastian von Rittershausen in der BSB

von RITTERSHAUSEN (Joseph Sebastian) geistlicher Rath zu München. Er wurde zu Immenstadt im sogenannten Allgäu, nachmals zum Baierischen Oberdonaukreis gehörig, wo sein Vater Oberamtmann des Grafen von Königsegg Rottenfels war, den 15. November 1748 gebohren. Die Familie wurde im J. 1675 vom Kaiser Leopold I. in den Reichsadelstand erhoben. Schon frühezeitig entwickelten sich an dem lebhaften und lernbegierigen Knaben vortreffliche Talente, und er behauptete unter seinen zahlreichen Mitschülern an den Gymnasien in Augsburg und Constanz immer den ersten Platz. Da er sich zu Constanz bei einem geschickten Maler in Wohnung und Kost befand, wurde er in seinen freien Stunden bald im Zeichnen sehr geschickt, und fieng an, in Wasserfarben und in Oel zu malen. Rittershausen studirte in Insbruck die Philosophie, und zu Freyburg im Breisgau die Jurisprudenz, und ward 1766 Doktor der Rechte. Nach dem Tode seines Vaters gieng er nach Frankreich, hielt sich einige Zeit in Paris, und in Lyon, dann in Besancon auf, und widmete sich, nach seiner Zurückkunft in seinem Vaterlande der Gerichtspraxis, an der er aber nicht lange Behagen fand. Im J. 1768 kam er nach München, trat in den Theatinerorden, studirte Theologie, wurde den 10. März 1770 Priester, und dann Klosterbibliothekar. Er gab den jüngern Klerikern des Ordens Unterricht in der Philosophie, und seine Theses und öffentliche Disputationen verschafften ihm bald grossen Ruf, so daß er zum öffentlichen Professor der Philosophie am Lyceum zu München ernannt ward, welchem Platze er mit Würde, Eifer, und Nutzen vorstand. Nebenbei war die Kunst sein Lieblingsstudium; er lieferte gelungene Kopien nach Originalgemälden der Bildergallerie zu München, und bald darauf, ganz von seiner Composition und Ausführung, in die Pfarrkirche nach Ellhofen, in die Kaputzinerkirche nach Immenstadt, und in andere Kirchen grosse Altarblätter, so wie in mehrere Privathäuser historische Gemälde. Auch in der St. Peterspfarrkirche zu München befindet sich von ihm ein Altarblatt: die Erlösung, und in der dortigen Sakristei sind von ihm 2 Gemälde: bie Anbetung der heil. 3 Könige an der Krippe, und Christus in Emaus. Um seinen Wunsch, nach Italien zu reisen, befriedigen zu können, legte er die Professorsstelle nieder, trat mit Päbstlicher Bewilligung aus dem Theatinerorden, und gieng nach Rom, wo er seine Kenntnisse sehr bereicherte. Vom Pabst Pius VI. erhielt er den Portugiesischen Christusorden. Nach seiner Zurückkunft privatisirte er zu München, und widmete sich ausschlüßig der Malerkunst. Kurfürst Karl Theodor, welchem Rittershausen als ein Mann von vorzüglichen Talenten bekannt war, ernannte ihn zum Kurfürstl. fenquentirenden geistlichen Rath. Dieser Wirkungskreis war nicht für ihn, und er nicht für denselben; er suchte seine Entlassung nach, und erhielt sie, mit Beibehaltung des Titels eines geistlichen Rathes, und mit Verleihung eines kleinen Benefiziums an der St. Peterspfarrkirche, und nun privatisirte er wieder als Schriftsteller und Maler. Seine Grundsätze und Meynungen zogen ihm indessen mächtige Feinde zu, die ihn der Verbreitung von widrigen Gesinnungen gegen Kaiser Napoleon zu beschuldigen wusten. Er ward seines Benefiziums entsetzt, und mit einer sehr geringen Pension nach Baireuth verwiesen. Rittershausen ertrug sein Schicksal mit Resignation und Würde, und fand in Baireuth, auch unter den Protestanten, Verehrer und Freunde, die ihn unterstützten. Nachdem Napoleon’s Macht und Epoche zu Ende war, erhielt Rittershausen im J. 1817 die Erlaubniß, wieder nach München zurück zu kommen, wo man ihm auch wieder sein Benefizium einräumte. Hier lebte er nun in ziemlich dürftigen Umständen, sehr zurückgezogen, und ohne mehr beachtet zu werden. Er wurde am Ostermontage den 3. April 1820 von einem bösartigen Fieber befallen, und starb am 10ten desselben Monaths, vierzehen Tage vor der bereits bestimmten Feyer seines fünfzigjährigen Priesterthums. Sein Bildniß wurde von Haid zu Augsburg im Kupfer gestochen. Schriften:

Vergl. Gradmann’s gel. Schwaben S. 503--505. Meusel’s gel. Teutschl. B. VI. S. 382. B. XI. S. 643. B. XV. S. 177. u. B. XIX. S. 378. Berliner Zeitung von Spener 1810. n. 23. Lipowsky Baier. Künstlerlexikon B. II. S. 44. Münchner Literatur Zeitung 1820. St. 33. S. 264. Mastiaux Lit. Zeitung 1820. B. II. Int. Bl. n. 5. S. 74. u. B. IV. Int. Bl. n. 12. S. 183--190. Felder’s und Waitzenegger’s Gel Lexikon der kathol. Geistlichkeit B. II. S. 167. n. B. III. S. 541.

  1. 1. Conspectus demonstrationum Logicae et Metaphysicae in usum auditorum. 8. Monachii 1778. 22 Bog. [1]
  2. 2. Aufsätze im Zuschauer von Baiern 1782.
  3. 3. Betrachtungen über die K. K. Bilder-Gallerie zu Wien. Erster Theil. Bregenz. 8. 1785. 2ter Theil 1786.
  4. 4. Die Tochter Jephte, ein Trauerspiel. 8. Bregenz b. Brentano 1785. 2te Auflage. München b. Lentner 1790.
  5. 5. Hauslegende, oder Feyerstunden eines Christen. Erster Band. Augsb. b. Wolf. 8. 1787. 463 S. 2ter Band 1789. 487 S. [2]
  6. 6. Feyerstunden des Christen. 8. München b. Platzers Wittwe. 1803. 383 S. Die Feyerstunden (n. 5. und 6 zusammen) erschienen in einer neuen Auflage im VI. Bänden, zu Landshut 1815--1817. [3]
  7. 7. Die vornehmsten Merkwürdigkeiten der Residenzstadt München, für Liebhaber der bildenden Künste. 8. München b. Lentner 1788. 364 S. Neue Aufl. eb. 1813. [4]
  8. 8. An die Rezensenten von Jena und Göttingen. eb. 1789 u. 1790.
  9. 9.* Die Schlittenfahrt im Lande der Hinkenden. 4. Ohne Druckort u. Jahr.
  10. 10. Teutschlands achtzehntes Jahrhundert. Monathschrift in Gesellschaft mehrerer Mitarbeiter. 1782--1786.
  11. 11. Pfalzbaierische Muse. Fortsetzung der Münchner gelehrten Zeitung. 8. München 1786.
  12. 12. Die Christnacht. 8. eb. 1800.
  13. 13. Ankündigung von Vorlesungen über die bildende Kunst für Teutschland; in dem Münchner Intelligenzblatt 1800. II. S. 637--642.
  14. 14. Vorlesungen über die bildenden Künste für Teutschland. Erstes Heft. 8. München gedr. b. Franz. 1801. 4 Bog. [5]
  15. 15. Teutschlands Aufklärung im neunzehnten Jahrhundert. Monathschrift, mit mehreren Mitarbeitern. Erster Jahrgang, in 12 Heften. Augsb. 8. 1803--1804. 2ter Jahrg. 1804--1805. 3ter Jahrg. 1805--1806. 4ter Jahrgang. München 1808. 6ter bis achter Jahrgang 1809--1814. [6]
  16. 16. Die Hypokriten in Baiern (München.) 8. 1802. 60 S. Es erschien hierauf (von Michael Lechner) Bemerkungen über das Pasquill, die Hypokriten 1802. [7]
  17. 17. Zum neuen Jahre, für die Hypokriten in Baiern. 8. München. b. Zangl. 1803. 36 S. [8]
  18. 18. Prüfung der Rede des Hrn. Professors Schelling über das Verhältniß der Natur zur Kunst 8. München b. Lindauer 1808. 62 S. [9]
  19. 19. Die heilige Christnacht, ein Weynachtgeschenk. 8. Landsh. 1812.
  20. 20. Der Tod Johannes des Gerechten. 8. eb. 1817.
  21. 21. Viele Kantaten, kleine dramatische und Gelegenheits Gedichte. 1782 --1816.
  22. 22. Anonyme Aufsätze in periodischen Schriften.
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Fußnoten

  1. s. Nürnb. gel. Z. 1778. S. 553. Annalen d. Baier. Lit. B. I. S. 108.
  2. s. Jen. Lit. Z. 1788. IV. S. 94. Obert. Lit. Z. 1789. I. S. 940. Allg. t. Bibl. Anhang Z. B. 53--86. II. S. 2445. u. B. 96. II. S. 363. Auserl. Lit. d. kath. Teutschl. B. 3. St. 4. S. 31.
  3. s. Neue allg. t. Bibl. B. 88. I. S. 33.
  4. s. Jen. Lit. Z. 1788. III. S. 737. Allg. t. Bibl. B. 89. I. S. 87. Gött. gel. Z. 1789. I. S. 256.
  5. s. Obert. Lit. Z. 1801. II. S. 470. Jen. Lit Z. 1803. III. S. 444.
  6. s. Obert. Lit. Z. 1808. II. S. 847 u. 859.
  7. s. Obert Lit. Z. 1802. II. S. 305.
  8. s. Neue allg. t. Bibl. B. 87. I. S. 120.
  9. s. Obert. Lit. Z. 1808. II. S. 693.