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Johann Rottenhammer (GND 118858955)


Daten
Nachname Rottenhammer
Vorname Johann
GND 118858955
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Johann Rottenhammer in der BSB

Rottenhammer (Johann), wurde zu München, wo sein Vater Thomas in des Herzogs Hofstalle diente, 1564 geboren, und lernte die Anfangsgründe der Malerkunst bei Johann Donauer, einem mittelmäßigen Maler. Er begab sich dann nach Italien, studirte dort nach Tintoret’s[1] Werken, und bestrebte sich, dessen Manier nachzuahmen. In Venedig arbeitete er für die Bartholomä-Kirche deutscher Nation eine Verkündigung Mariä, und für die Siechenspital-Kirche eine heil. Febronia. Er nahm sich zu Venedig ein Weib und begab sich mit ihr nach seinem Vaterlande, worauf er zu Augsburg ansäßig wurde, und für die dortige Kirche zum heil. Kreuz das große Altarblatt, welches die Herrlichkeit der Heiligen im Himmel vorstellt, verfertigte. Die Zusammensetzung dieses Gemäldes ist schön, wobei er derselben Stellungen vielfältig, doch ungezwungen abzuändern verstand, und Färbung und kluge Ordnung demselben zu geben wußte. Rottenhammer arbeitete für Kr. Rudolph II. und Ferdinand Herzog von Mantua, und endlich für den Churfürsten von der Pfalz, Johann Wilhelm, ein Gemälde, das die Hochzeit zu Canaan vorstellt, wofür er von dem Churfürsten 3000 fl. erhielt. Johann Breughel und Paul Brill malten öfters die Landschaften in seine historischen Stücke. Wenn ihm Verdienst mangelte, arbeitete er auch für Gemäldehändler, freilich mit sehr geringem Vortheile, und so wurden mehrere kleine historische Gemälde von ihm an den Tag gefördert. Er verband niederländische Manier mit der venetianischen; seine Gesichtsmienen sind angenehm, sein Kolorit glänzend, und seine Gemälde wohl ausgearbeitet; indessen nimmt man manche Unrichtigkeit in der Zeichnung wahr. Sadeler, Kilian, C. du Paas, D. Custes etc. haben nach seinen Werken in Kupfer gestochen. Descamps T. I. p. 243. Westenrieder. S. 371. Die Königl. b. Gallerie besitzt von diesem Künstler: a) Die heil. Familie, auf Kupfer. b) Die Mutter Gottes mit dem auf einem Kissen vor ihr sitzenden Jesuskinde, auf Leinwand. c) Die auf einem Bette ruhende Venus, neben der Mars sitzt; auf Kupfer. d) Diana, von Aktäon belauscht, mit ihren Nymphen im Bade; auf Kupfer. e) Die heil. Familie in einer Landschaft, welche letztere Breughel malte; auf Kupfer. f) Die Taufe Christi im Flusse Jordan. Die Landschaft hierzu malte ebenfalls J. Breughel; auf Kupfer. g) Acht kleine Kinder im Kreise tanzend; auf Holz. h) Die heil. Familie von vielen Engeln umgeben, wozu Breughel auch die Landschaft malte; auf Kupfer. i) Das jüngste Gericht; auf Kupfer. k) Maria mit dem Kinde Jesus unter einem Baldachin, zwei Heilige stehen zur Seite und ein Engel spielt die Zither; auf Kupfer. Mannlich B. I. S. 375. II. Nro. 202. 219. 244. 248. 660. 703. 705. u. 950. Weitzenfeld. Nro. 150. 395. 403. 405. 719. 744. 748. und 773. Rittershausen. S. 79. 80. 94. 127. 134. 305. und 312. In der Kirche zu U. L. Fr. in München ist das Altarblatt: die Krönung Mariä; in der dortigen ehemaligen Franziskanerkirche waren die Altarblätter: der heil. Vitus und der heil. Sebastian, und in der ehemal. Augustinerkirche das Altarblatt: der heil. Augustin, von ihm gemalt. Westenrieder. S. 151. 134. u. 186. Zu Augsburg befinden sich von ihm folgende Altarblätter: Der Sturz der Engel und eine Mutter Gottes mit dem Jesuskinde, vor der die Heiligen Ulrich und Afra knieen, der englische Gruß 1608, dann Mariens Himmelfahrt in der Ulrichskirche; in der heiligen Kreuz-Klosterkirche das ehemalige Choraltarblatt: die Herrlichkeit der Heiligen im Himmel[2]; in der ehemaligen Dominikanerkirche: der englische Gruß, und in der Moritz-Pfarrkirche: die Himmelfahrt Maria. Zu Freising in der Domkirche: der heil. Sebastian. Zu Ulm in der Münsterkirche ist die Geburt Christi, ein schönes Blatt, von ihm. In der ehemaligen Klosterkirche zu Benediktbaiern: der heil. Leonard, und im obern Aufzuge: der heil. Placidus u. s. w. Rottenhammer erwarb sich durch seine Kunst vieles Geld, und zwar, nach Sandrarts Zeugniß S. 289, gegen 80000 fl., allein er liebte die Sparsamkeit nicht, und so starb er dürftig. Nach Sandrarts Angabe soll er 1604 oder 1608 gestorben seyn; allein sein Todesjahr muß später fallen; indem er zu Augsburg erst 1607 die Malergerechtigkeit erhalten, und dort 1611 die Flügel und Ovale an der neu erbauten Orgel der evangelischen Kreuzkirche um 350 fl. gemalt, auch erst gegen das Jahr 1620 das Haupt-Portal des sogenannten goldenen Saales verfertiget hat. v. Stetten Kunst- und Gewerb-Geschichte von Augsburg. S. 286.


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Fußnoten

  1. Robusti (Jakob), genannt Tintoretto, weil sein Vater ein Färber gewesen, wurde zu Venedig 1512 geboren und widmete sich der Malerkunst. Anfangs studirte er mit vielem Fleiße nach der Natur und den Antiken, endlich aber wurde er einer sklavischen Nachahmung müde, da ihn sein feuriges Genie in höhere Regionen riß. Zwar gefiel ihm noch immer Michael Angelo Buonaroti und Titians Manier; allein mit Begeisterung verließ er auch diese, verließ seines Lehrers Titian Methode, und wagte einen raschen Flug. Sein Feuertalent kannte keine Einschränkung, und diesem sich überlassend bekümmerte er sich nicht um einen gleichen Styl, nicht um Reinheit und Richtigkeit in der Darstellung, sondern nur um den Effekt des Ganzen. Als er in Konkurrenz mit Titian, Paul Veronese, und andern den Auftrag erhielt, für die Bruderschaft St. Rocco Zeichnungen und Skizzen zu einem großen Gemälde zu machen, hatte er sein Gemälde schon vollendet, ehe die übrigen noch ihre Gedanken geordnet und entworfen hatten. Tintoret war einer der größten praktischen Maler. Bewunderung zu erregen war sein Zweck. Seine Kompositionen sind gewöhnlich überladen, seine Stellungen sind oft übertrieben, seine Zeichnung ist nicht immer richtig; indessen sind seine Gemälde im Ganzen immer groß, seine Ideen erhaben, sonderbar und auffallend. Er suchte nicht das Herz zu rühren; er schlug auf das Herz. Uebrigens ist seine Behandlung außerst keck und lebhaft, seine Farbung kraftig und von gutem Tone. Er starb in seinem 82sten Lebensjahre zu Venedig 1594, und wurde in der Kirche St. Maria dell’ Ortto begraben. Ridolfi vite dei pittori. (Venetia 1642). Mannlich I. S. 362. Seine Tochter Maria kleidete sich lange Zeit in Mannskleider und half ihrem Vater arbeiten. Er ließ sie nicht von seiner Seite, ungeachtet sie von den Höfen in Wien, Madrit, Paris etc. berufen wurde. Sie starb endlich im 30sten Jahre ihres Alters 1590 zum größten Schmerz ihres Vaters. Ihre Gemälde sind leicht und angenehm bearbeitet, und das Kolorit ungemein schön. Sein Sohn Dominik malte ganz nach seines Vaters Manier, so daß man viele seiner Gemalde für die von seines Vaters Pinsel hielt. Er starb 1637 und hinterließ seinem Schwiegersohne, Sebastian Cassieri, eine schöne Sammlung von Basreliefs, Modellen und Zeichnungen. Dominik radirte auch nach seines Vaters Werken in Kupfer. J. D. Fiorillo Geschichte der zeichnenden Künste. (Göttingen 1801.) Th. II. S. 119--127.
  2. Hierfür soll er 1600 fl. erhalten haben.