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Johann Sadeler (GND 121978788)


Daten
Nachname Sadeler
Vorname Johann
GND 121978788
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Johann Sadeler in der BSB

Sadeler (Johann), geb. zu Brüssel um 1550, war das Haupt und der Lehrmeister der Familie Sadeler. Anfangs verfertigte er, wie sein Vater, verschiedene auf Waffen gestochene Verzierungen, endlich aber fieng er in seinem 20sten Lebensjahre auf Kupfer zu stechen an[1], worin er sich bald so vervollkommnete, daß Martin des Vos und andere Maler von Bedeutung sich bemühten, ihre Gemälde durch seinen Grabstichel bekannt zu machen. Er machte verschiedene Reisen, und kam endlich an den Hof zu München, wo er 1589 mit 200 fl. jährlichen Gehalt als Kupferstecher angestellt, auch ihm die Zeche beim Wirthe Martin Zetlen, die er dort vom Jahre 1588 her schuldig war, mit 11 fl. 4 kr. 4 pf. bezahlt wurde. Er blieb in baierischen Diensten bis zum Jahre 1595, und verfertigte während dieser Zeit verschiedene Kupferplatten nach Johann v. Achen, Christoph Schwarz, Peter Candito und Süstris, dann ein Blatt in groß Folio-Format von besonderer Schönheit. Es ist ein allegorisches Bild auf den damaligen Erbprinzen Maximilian I., nachmaligen Churfürsten, und stellt Herkules Wahl am Scheidewege vor. Der Prinz schlägt den rauhen Pfad der Tugend ein, und verschmäht den lockenden des Lasters. In den obern Regionen der Luft sind fast alle Götter und Göttinnen versammelt. Pallas liegt zu des Jupiters Füßen, und vernimmt mit Ehrfurcht und sichtbarer Freude dieses Gottes Befehl, dem jungen Prinzen, in der Person des Herkules abgebildet, in seiner Wahl beizustehen. Unter dem Jupiter schwebt die baierische Fama mit zwei Trompeten. Dieses allegorische Bild hat Joh. Sadeler nach der Erfindung des Joh. Süstris gestochen. Auf diesem Kupferstiche unterschrieb sich der Künstler mit folgenden Worten: Celsitudinis Suae Chalcograph. J. Sadeler Belg. In einem andern allegorischen Blatte unterschrieb er sich: Sereniss. Bavar. Ducis Chalcogr. J. S. Sculps. et excud. Monachii. Dieses Blatt hat die Aufschrift: Germania. Von München begab sich Joh. Sadeler nach Verona, Venedig und endlich nach Rom, wo er Pabst Klemens VIII.. eine Sammlung seiner schönsten Kupferstiche zu Füßen legte. Kalt nahm der Pabst diese Kunstwerk auf, daher J. Sadeler, hierüber mißvergnügt, diese Römer-Stadt verließ und im höchsten Sommer sich nach Venedig zurück zog, wo er 1600 starb. v. Sandrart Th. I. S. 354. Westenrieders histor. Beiträge B. III. S. 100. A. Frhr. v. Aretin Mspt. über baierische Kunstwerke, Künstler etc.


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Fußnoten

  1. Es wurde zwar im ersten Bande dieses Künstler-Lexikons S. 8. angeführt, daß die ältesten Kupferstiche eine Passion v. J. 1440, und ein alter Mann mit einem jungen Mädchen v. J. 1455 wären; allein andere halten für den ältesten Kupferstich das so seltene Blatt: eine Sybille, die dem Cäsar August die Maria mit dem Kinde Jesus in den Wolken zeiget. Dieses Blatt besitzt Franz Ruedorfer in München; es hat weder eine Jahrzahl noch ein Monogramm, indessen zeichnet es sich vor allen durch seine besondere Manier aus, und beurkundet in jedem Falle sein hohes Alter. Unwidersprechlich ist es übrigens immer, daß wir zwar ältere Kupferstiche als die des Martin Schön haben, daß wir aber in Festsetzung der Jahre nicht wohl über das Jahr 1440 hinaus gehen können, und daß im 15ten Jahrhunderte die Erfindung der Kupferstecherkunst, der auch die Erfindung der Holzschnitte angehört, entstanden sey, daß diese Kunst von den Deutschen erfunden worden und daß dieselbe Maso Finiguerra erst 1460 in Italien bekannt gemacht habe, von dem jedoch niemand Abdrücke gesehen haben will. Im 16ten Jahrhunderte endlich wurde das Kupferstechen oder Aetzen mit Scheidewasser erfunden, wo vom Jahre 1512 geätzte Blätter des Albrecht Dürer bekannt sind. v. Heineke am a. O. S. 278. und 407. J. G. Krünitz Encyklopädie. Th. LVI. S. 453. voce Kupferstecherkunst. Meine Uebersicht der deutschen Gesch. (München 1794) B. II. S. 153.