Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Ludwig Senfel (GND 118764551)


Daten
Nachname Senfel
Vorname Ludwig
GND 118764551
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Ludwig Senfel in der BSB

Senfel, auch Senfelius, (Ludwig), wurde 1493 nicht zu Zürich, wie Walther und Gerber glauben, sondern, wie Simon Minervius, ein berühmter Gelehrter des 16ten Jahrhunderts in seinem Briefe an Bartholome Schrenck, einen Patritier zu München, versichert, zu Basel geboren. Er lernte in früher Jugend in seiner Vaterstadt singen, und kam dann als Singknabe an den Hof Kaiser Maximilian des I, wo er in der Musik mehr Ausbildung erhielt, und von dem berühmten Kontrapunktisten Heinrich Isaac im Komponiren unterrichtet wurde. Simon Minervius, von dem eben die Rede gewesen, suchte einst diesen Isaac zu bereden, die Oden des Horaz in Musik zu setzen; dieser erwiederte ihm: er habe dieses in seiner Jugend versucht, allein die Musik wieder liegen lassen. Er werde dieselbe indessen gelegenheitlich vorsuchen, und ausfeilen; lieber wäre es ihm aber, wenn sich ein anderer dieser Arbeit unterzöge, der nicht nur des Dichters Geist auffassen, sondern auch mit seiner Kunst und berühmten Namen solch’ ein Werk schmücken könnte. Durch diese Rede deutete er auf seinen Scolar Senfel, der auch wirklich in der Folge die Oden des Horaz und einige Lieder des Lukull für acht Stimmen in Musik setzte, und zu Nürnberg 1554 gedruckt herausgab. Diesem Werke ist anstatt der Vorrede der angeführte Brief des Simon Minervius vorgedruckt, der auch diese Nachrichten enthält. Nach dem Tode Kaiser Max I. gab sich Wilhelm IV. Herzog von Baiern alle Mühe diesen Senfel in seine Dienste zu erhalten, und dieser Künstler willigte ein. Dieser Herzog, der den Künsten und Wissenschaften sehr gewogen war, schatzte denselben sehr, und beehrte ihn mit seiner Freundschaft. Sebald Hayden rühmt in seiner Vorrede de arte canendi vorzüglich den großen Senfel, und schreibt unter andern: Ludovicus (Senfelius) ab illustrissimo Duce (Wilhelmo) Bojorum Principe accersitus erat. Nihil habui prius, quam vt me in Ludovici amicitiam insinuarem, a quo omnes gratiae Principis in me sese effundunt, qui familiaris Duci, cuncta ab ipso accipere queit etc. Dr. Martin Luther, dessen Gefühl für Musik und Liebe zur Kunst überhaupt bekannt ist, gewann des Senfel Kompositionen sehr lieb, und sang öfters Motetten von diesem Künstler; ja ersuchte ihn sogar schriftlich die Motette: Non moriar, sed vivam etc. ihm in Musik zu setzen, welches dieser Künstler auch in Erfüllung setzte, und so dem Martin Luther herzliche Freude machte. Senfel starb um 1555. Von seinen Werken sind ausser obigen Oden noch bekannt: a) Cantat. 2 vocum. (Norimb. 1549.) b) Teutsche Lieder mit 4 Stimmen. (Nürnb. 1536.) c) Teutsche Lieder mit 4 und 5 Stimmen. (Nürnberg 1534.) d) Teutsche Lieder mit 4 und 5 Stimmen. (Straßburg 1545.) e) Deus in adjutorium meum intende, ein Exempel der Lydischen Tonart mit 4 Stimmen, und Omne trinum perfectum, ein dreistimmiger Canon in der Hypoäolischen Tonart, bei Glarean, in dessen Dodecachordum von den 12 modis musicis. (Basel 1547.) S. 233. und 444. f) Collectiones Psalmorum. (Norimb. 1542 et 1553.) u. s. w. Sein Zeitalter nannte diesen Tonkünstler: in Musica totius Germaniae principem. Forkel’s Musik-Almanach. Jahrg. 1784. S. 165. Christoph v. Aretin Beiträge zur Gesch. der Musik in Baiern. Mspt.

Nachtrag aus: Lipowsky Musiker

Senfel, (Ludwig). Dieser vortreffliche Tonkünstler, von dem oben S. 328. die Rede gewesen, kam um 1530 in die Dienste des Herzogs von Baiern, und war ehevor Burger zu München. Er hat 1528 eine Messe für den Abt von Tegernsee Heinrich Kuntzner in Musik gesetzt, welche ehedem in diesem Kloster alle Donnerstage vor dem neu erbauten Oelbergs-Altare gesungen wurde. Et pro solita erga Deum quoque pietate, altare in medio Ecclesiae (Henricus V. Abbas XLVI.) ad honorem maestissimae agoniae Salvatoris errexit; ob cujus venerationem collegit Missam a Ludovico Senftel (Senfel.) cive Monacensi sub notis compositam et ab Episcopo Philippo Frisingensi, Ordinario nostro, singulis diebus Jovis decantari concessam, certisque indulgentis dotatam. Oefele script. rer. boic. T. II. p. 78.


Vorheriger
Vorheriger
Eintrag
Seite 328 Seite 329 Seite 421 Seite 422 Nächster
Nächster
Eintrag