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Georg Weixelbaum (GND 129489867)


Daten
Nachname Weixelbaum
Vorname Georg
GND 129489867
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Georg Weixelbaum in der BSB

Weixelbaum, (Georg), wurde den 8. April 1787 zu Wallerstein, wo sein Vater Fürstlicher Kabinetsrath gewesen, geboren. Man bestimmte ihn in seiner Jugend für den geistlichen Stand, und übergab ihn daher den dortigen Piaristen, bei denen er studirte, und die Philosophie absolvirte. Diese väterliche Bestimmung entsprach indessen nicht den Gesinnungen des Sohnes; in ihm hatte sich schon in seinen Kinderjahren eine ausserordentliche Neigung zur Musik entfaltet, und er trillerte schon als Knabe von sechs Jahren jedes Liedchen, und jede Arie nach, die er hörte, ja versuchte selbst den Ton der Instrumente nachzuahmen. Im Vater-Hause versammelten sich an Abenden öfters der Kapellmeister Rosetti[1], dann Reicha, Hutti und andere Mitglieder des dortigen Fürstl. Orchesters. Diese hatten mit dem musikalischen Genie dieses Knabens ihre Freude, und vorzüglich intressirte derselbe auch den Musik-Intendanten von Beecke, den Freund seines Vaters. Dieser fieng an den achtjährigen Knaben, der schon etwas zu singen gelernt hatte, im Gesange auszubilden, und brachte binnen eines Jahres denselben so weit, daß er schon sehr artig bei allen öffentlichen Musiken sang.

Als Weixelbaum zehen Jahre alt geworden, machte er mit dem Freunde seines Vaters von Beecke die erste musikalische Kunstreise nach Tischingen, wo er in Gegenwart der Frau Fürstinn von Thurn und Taxis, und Höchstderselben Frau Schwester der regierenden Frau Herzoginn von Sachsen-Hildburghausen sang, und sich große Ehre erwarb. Ohne seine Studien zu unterbrechen, machte er auch eine Reise mit dem Fürstl. Oetting-Wallersteinischen Konzertmeister Hammer, einen Schüler des alten Fränzl in Mannheim, nach Augsburg, wo er in dessen dort gegebenen Konzerte in Gegenwart des Churfürstens von Trier Durchlaucht mit vielem Beifalle gesungen hat. Als der Fürst von Oetting-Wallerstein wegen der Kriegsunruhen 1796 sich nach dem Slosse Schwanning bei Ansbach begab, kam auch Weixelbaum mit dahin und sang zu Ansbach in mehreren Konzerten. Nach zurückegelegtem Alter von 13 Jahren fieng seine Stimme an tiefer zu werden; indessen sang er doch noch in einer vom Musik-Intendanten v. Beecke komponirten Cantate, die, als des Königs und der Königinn von Preussen Majestäten damals eben nach Ansbach kamen, in allerhöchstderselben Gegenwart aufgeführt wurde. Der v. Beecke erhielt vom Könige eine goldene Tabak-Dose mit dem Namenszuge des Königs, aus Brillianten zusammengesetzt; Weixelbaum aber einen brilliantenen Ring zum Geschenke.

Wegen Veränderung der Stimme unterblieb nun eine Zeit über sein Gesang, und er spielte einsweil die Violine, auf welchem Instrumente ihn Hammer unterrichtete. Hierinn machte Weixelbaum ebenfalls einen guten Fortgang, und spielte zum ersten Male 1802 ein Violin-Konzert von Viotti zur Zufriedenheit aller Zuhörer. Aber in eben diesem Jahre verlor er auch seine wesentliche Stütze; es starben sein Fürst, sein Vater, und sein Freund v. Beecke. Um ihn einsweil zu versorgen, und ihm in Ermanglung eines Vermögens Unterhalt zu gewähren, erhielt er eine Anstellung in der Kanzlei; allein diese Arbeiten waren ihm zu trocken, zu mechanisch, er sehnte sich nach dem Künstlerleben, und erhielt am Ende das Glück seinen Kanzleigehalt daselbst bei der Musik zu beziehen. Nun war Weixelbaum geborgen, er übte sich fleißig auf der Violine, und setzte den Unterricht in der Komposition fort. Da im nächsten Winter Konzerte in Wallerstein gegeben wurden, so benützte er diese Gelegenheit, seiner Fürstinn etwas von seiner Arbeit hören zu lassen, und schrieb eine Simphonie für ein großes Orchester, die bei ihrer Aufführung solchen Beifall fand, daß man ihm die Abschieds-Cantate in Musik zu setzen übertrug. Da diese Cantate mit großem Beifalle gegeben wurde; so beschloß die Fürstinn diesen jungen Künstler auf ihre Kosten die höhere musikalische Bildung geben zu lassen, und schickte ihn im Monate September 1805 zu den berühmten Violinspieler in Fürstl. Hohenzollerischen Diensten Karl Hampel nach Hechingen.

Weixelbaum gieng aus den Händen dieses Künstlers als ein guter Violinspieler hervor, und zeichnete sich dort durch verschiedene musikalische Kompositionen, als z. B. ein Konzertant für die Violine und das Violonzell, das er bei Hofe mit dem eben damals dort anwesenden baier. Hofmusikus Karl Schönche spielte, eine Cantate u. s. w. rühmlich aus. Mittlerweile erhielt Weixelbaum eine reine Tenorstimme, die er zu benützen anfieng, und zum ersten Male in der Schöpfung mit Hayden’s Musik hören ließ. Froh über dieses günstige Ereigniß übte er sich nun auch im Gesange, und da er vieles von dem berühmten Tenoristen Kreps in Stuttgard gehört hatte, konnte er das Verlangen, ihn zu hören, nicht unterdrücken, und gieng daher nach dieser Residenzstadt Würtemberg’s, wo er so glücklich war, denselben kennen zu lernen, der ihm rieth sein Glück in der Welt als Sänger zu versuchen. Nach Verfluß eines Jahres kehrte Weixelbaum in seine Vaterstadt zurücke, wo indessen eine neue Ordnung der Dinge eingetreten, indem dieses Fürstenthum unter das Szepter der Krone Baierns gekommen ist. Diese neue politischen Verhältnisse vermochten ihn, sich nach der Königl. baier. Residenzstadt München im Oktober 1806 zu begeben, wo er die Hofsängerinn Wendling besuchte, die ehemals mit ihrem Gatten, dem berühmten Hofmusikus und Flötenspieler einige Monate in Wallerstein sehr angenehm verlebt hatte, und diese rieth ihm, nachdem sie am Klavier seine gute Tenorstimme gehört hatte, eine Rolle einzustudiren, und als Sänger die Schaubühne zu betreten. Weixelbaum gehorchte dem Rathe dieser verständigen Veteraninn der Singkunst, studirte den Murney in der Oper: das unterbrochene Opferfest, mit Musik von Winter, und debütirte zum ersten Male den 19. Dezember 1806. Er gefiel sehr, und dieses machte ihm Muth als Tamino in der Zauberflöte, mit Musik von Mozart, und dann in der Oper Calypso, mit Musik von Winter, als Telemach aufzutreten. Hierdurch bahnte er sich nun den Weg zur Anstellung am Kön. baier. Hofe. Er wurde im Monate Mai 1807 als Hofsänger und Hofschauspieler angestellt, und erwarb sich durch Studium, Fleiß und Talent einen ausgezeichneten Ruhm, und den allgemeinen Beifall des Publikums um so mehr, als er an diesem Hofe auch Gelegenheit hatte den großen Sänger Brizzi singen und spielen zu hören und zu sehen. Diesem sich nachzubilden war ein unermüdetes Bestreben, und ist es noch. Sollte er dieses große Vörbild auch nicht erreichen; so gereicht diesem übrigens sehr schätzbaren Künstler es immer zum besondern Ruhm, sich einen so lobenswürdigen Vorsatz eigen gemacht zu haben. In magnis et voluisse satis est. Im Monate März 1809 heirathete er zu München die dortige Hofsängerinn Josephine Marchetti Fantozzi, der er eine italienische Scene komponirte, die von ihr im Konzerte mit grossem Beifalle gesungen wurde. Eben so schrieb er für den berühmten Königl. Hofmusikus und Klarinettisten Bärmann ein großes Septet mit obligatem Klarinette, das ebenfalls allen Beifall fand. Den Joseph in der Oper: die Josephs Brüder, mit Musik von Mehül, sang und spielte er unlängst meisterhaft.


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Fußnoten

  1. S. Rosetti, (Anton).