Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Vitus Anton Winter (GND 118633848)


Daten
Nachname Winter
Vorname Vitus Anton
GND 118633848
( DNB )
Wirkungsgebiet Religion, Wissenschaft


BSB Vitus Anton Winter in der BSB

WINTER (Vitus Anton) Professor der Theologie zu Landshut. Er wurde am 22. Mai 1754 von Bauersleuten auf einem Einödhofe in Pfarrei Hoheneggelkofen unweit Landshut (im Isar-Kreise) gebohren, und von seinen Eltern, sobald er sechs Jahre alt war, in die Schule des Pfarrdorfes geschickt. In die Kirche, und zum christlichen Unterricht an den Sonntagen gieng der Knabe in das näher gelegene Filialort Günzhofen, zur Pfarrei Adelkofen gehörig. Der dortige Pfarrkaplan bemerkte vorzügliche Talente an dem Knaben, übernahm seine Bildung, leitete seinen Schulunterricht, und brachte ihm in Privatstunden die Anfangsgründe der lateinischen Sprache bey. Im J. 1769 trat der junge Winter in die erste Klasse des Gymnasiums zu Landshut, und absolvirte daselbst die Gymnasialstudien. Hierauf wurde er, durch Verwendung des Pfarrers von seinem Geburtsorte, unentgeldlich in das Bartholomäer Seminar zu Ingolstadt aufgenohmen, hörte an der Universität Philosophie, Physik, und, da es sein Entschluß von Kindheit auf war, geistlich zu werden, Theologie und Kirchenrecht. Er erlernte zugleich die italienische, französische, und englische Sprache, und erhielt am 13. Junius 1778 die Priesterweihe. Im Herbste desselben Jahres gieng er nach München, und besorgte in einem adelichen Hause die Hofmeistersstelle. Er vernahm, daß man in Rom durch das Augsburgische Bischöfliche Ordinariat einen teutschen Geistlichen als Catecheten für das teutsche Collegium suche, meldete sich um diesen Posten, ward vorgeschlagen, angenohmen, und reisete nach Rom, wo er zwey Jahre Catechet im teutschen Collegium war, seine Kenntnisse sehr bereicherte, und anch die vorzüglichsten Städte Italiens besuchte. Nach seiner Zurückkunft war er in München Präceptor der Kurfürstlichen Edelknaben, dann Pfarrer zu Laichling bey Eggmühl, welche Pfarrey er balb mit jener zu Rösching unwelt Ingolstadt vertauschte. Er hatte als Pfarrer den Sohn des alten Grafen Lösch bey sich, und ward sein Erzieher. Mit diesem jungen Grafen Lösch machte Winter eine Reise, sah Wien, Preßburg, Ofen, Berlin, Erfurt, Dresden u. s. w. und besuchte überall die vorzüglichsten Bibliotheken und Kunst Sammlungen. Nach seiner Zurückkunft wurde ihm die obere Stadtpfarrey in Ingolstadt ad aedem divae Virginis speciosae genannt, verliehen. Zugleich ward er Eichstädtischer Domherr, und an der Universität Professor der Kirchengeschichte, in welcher Eigenschaft er den 22. Jäner 1795 seine Vorlesungen eröffnete. Da im J. 1799 Professor Anton Michl die Kirchengeschichte samt dem Kirchenrechte übernahm, wurden dem Professor Winter die Lehrfächer der Catechetik, der Liturgie, und der angewandten Moral zugetheilt. Im J. 1800 wanderte er mit der Universität von Ingolstadt nach Landshut, und erhielt daselbst im J. 1801 die Stadtpfarrey zu St. Jodok, welcher er, nebst seinem theologischen Lehramt, bis an sein Ende vorgestanden ist. Er war auch Königlich Baierischer, und Bischöflich Regensburgischer wirklicher geistlicher Rath, und seit 1804 correspondirendes Mitglied an der historischen Klasse der Königl. Akademie der Wissenschaften. Seine literarische Thätigkeit gab er, selbst in seinen kranken Tagen, auch da sein körperliches Leiden schon einen ernsten Charakter angenohmen hatte, nicht auf. Die ungewöhnliche Frugalität seines Tisches, und die ausgezeichnete Einfachheit und Sparsamkeit in Allem, was Stillung seiner Lebenesbedürfnisse war, machten es ihm, der von Hause aus keinen Heller Vermögen hatte, und auch keines durch Erbschaften erhielt, möglich, die Schulen, die Armen, und die Kranken, mit einer ausserordentlichen Freygebigkeit zu unterstützen. Er stiftete mit fünfhundert Gulden eine Schul- und Volksbibliothek, und gab zur Dotation derselben noch ein Geschenk von Tausend Gulden. Zur Errichtung einer Bibliothek für die Pfarrer des Landkapitels Landshut gab er dreyhundert Gulden, und zur Erbauung eines Schulzimmers in Hoheneggelkofen einen Beytrag von hundert Gulden. Was er während den Kriegszeiten im Jahre 1796 zu Ingolstadt für die gefangenen Franzosen that, das that er zu Landshut 1805 für die gefangenen Russen, und 1809 für die gefangenen Oesterreicher, und spendete Geld, Brod, Fleisch, Wein, Brandtewein, und Leinenzeuge mir vollen Händen aus. Wenige Tage vor seinem Hinscheiden zernichtete er mehrere Schuldscheine, die er von verschiedenen Personen in Handen hatte, und in seinem Testamente legirte er dreyhundert Gulden zur Vertheilung unter die Hausarmen in Landshut, und dreyhundert Gulden zum Lokalarmenfond. Ich machte Winter’s persönliche Bekanntschaft im Jahre 1800, und fand an ihm einen, an Geist und Körper sehr gesunden, Mann, dem ich damahls, obwohl er um acht Jahre älter, als ich war, ein längeres Leben, als mir selbst, versprach. Aber er gehörte unter die vielen gelehrten Köpfe, die ich kennen lernte, die der Unterleib ums Leben brachte. Er hatte einen starken Körperbau, und eine träftige Constitution, indessen sich eine fast ununterbrochen sitzende Lebensart fest angewöhnt, um seine Zeit unbeschränkt seinen literarischen Arbeiten widmen zu können. Bey dem Mangel an körperlicher Bewegung nahm er auch nicht die nöthige diätetische Rücksicht in der Auswahl von Speisen, welche bey ihm an der Quantität wenig, aber an der Qualität oft unverdaulich waren. Die von den Unterleibs Eingeweiden herrührende Beschwerden vermehrten sich seit dem Jahre 1812 immer mehr, und erzeugten endlich seine letzte tödtliche Krankheit. Er starb am 27. Februar 1814. Seine Schriften:

  1. 1. Rede von den Pflichten der Unterthanen gegen Regenten, gehalten bey Gelegenheit des glücklichen Regierungsantrittes Sr. Kurfürstl. Durchlaucht zu Pfalzbaiern Maximilian Josephs IV. Ingolstadt. 8. 1799.
  2. 2. Empfindungen eines Baiern bey der Zurückkehr Sr. Excellenz des Hrn. Johann Heinrich Theodor Grafen Topor Morawitzky, bevollmächtigten Ministers am Friedens Congreß zu Rastadt, nach München, als ernannten Staats und Conferenz Ministers im geistlichen u. Schulfache. 8. ebend. 1799.
  3. 3. Dankaddresse an Maximilian Joseph IV. den Weisen, wegen Abschaffung der Feyertage, oder historisch-kritische Abhandlung über Vermehrung und Verminderung der Feyertage. 8. München. 1801.
  4. 4. Versuche zur Verbesserung der katholischen Liturgie. Erster Versuch. Prüfung des Werthes und Unwerthes unserer liturgischen Bücher. 8. München in Comm. b. Lindauer. 1804. 176 S. [1]
  5. 5. Vorarbeiten zur Beleuchtung der Oesterreichischen und Baierischen Kirchengeschichte überhaupt, und der Agilolfingischen Periode insbesondere. Erster Band. München b. Lindauer. 8. 1805. 395 S. 2ter Band. eb. 1810. 282 S. [2]
  6. 6. Erster Nachtrag zu den drey grossen Synoden der Agilolfingischen Periode. Landshut. 8. 1808. 2ter Nachtrag. eb. 1809.
  7. 7. Geschichte der Baierischen Wiedertäufer im sechszehnten Jahrhundert. 8. München. 1809. 184 S.
  8. 8. Liturgie, wie sie seyn soll, unter Hinblick auf das, was sie im Christenthum ist, oder Theorie der öffentlichen Gottesverehrung, vermischt mit Empirie. 8. eb. 1809. 271 S. [3]
  9. 9. Geschichte der Schicksale der Evangelischen Lehre in und durch Baiern, bewirkt in der ersten Hälfte des sechszehenten Jahrhunderts, oder Kirchen- und Staatsgeschichte von Baiern, von dem Ausbruche der Kirchenreformation bis zu Wilhelms IV. Tode; aus den Urquellen bearbeitet, samt einem diplomatischen Codex. 8. Erster Band. München b. Lindauer. 1809. 28 u. 324 S. 2ter Band. eb. 1810. 356 S.
  10. 10. Erstes Teutsches, kritisches Meßbuch. 8. ebend. 1810. 438 S.
  11. 11. Erstes Teutsches kritisches Katholisches Ritual, mit stetem Hinblick auf die Agenden der Protestanten, oder Prüfung des katholischen Rituals, und der Agenden der Protestanten. 8. Landshut b. Weber. 1811. 272 S. [4]
  12. 12. Religions sittliche Catechetik. 8. ebend. 1811. 332 S. 2te Aufl. eb. 1816. [5]
  13. 13. Sammlung der kleineren liturgischen Schriften von V. A. Winter. Erster Band. München bey Lindauer. 8. 1811. 329 S. [6]
  14. 14. Erster Nachtrag zu Winters erstem teutschen kritischen Meßbuche, oder Reise der Professoren Salat und Winter durch Süden und Norden. Von dem ersten (letzten) beschrieben u. zum Druckte befördert. 4. München. 1811. 32 S. Dagegen erschien: Professor Salat gegen den Angriff seines Hrn. Kollega Winter, ein freymüthiges Wort an das gelehrte Publikum. 8. Landshut. 1812. 68 S.
  15. 15. Winter, Professor und Stadtpfarrer, an das gelehrte und ungelehrte Publikum. 8. Landshut b. Weber. 1811. 8 S.
  16. 16. Ueber die ältesten Gesetze Bojuvaviens. Eine Rede bey der öffentlichen Bekanntmachung der akademischen Gesetze an der Königl. Baierischen Ludwig Maximilians Universität. 8. ebend. 1812. 36 S.
  17. 17. Rede, welche bey der Aufstellung der Büste Sr. Excellenz Hrn. Max. Jos. Grafen von Montgelas gehalten wurde. 8. ebend. 1812. 14 S.
  18. 18. Teutsches, katholisches, ausübendes Ritual. Erster Theil. 246 S. 2ter Theil. 247 S. Frankf. b. Andreä. 8. 1813.
  19. 19. Aelteste Kirchengeschichte von Altbaiern, Oesterreich, und Tyrol. Erster Theil, welcher die Kirchengeschichte von Vindelicien, Norikum, und Rhatien, vom Jahre Christi I. bis 534 umfasset, oder die Voragilolfingische Periode. 8. Landshut b. Weber. 1813. 368 S.
  20. 20. Aelteste Kirchengeschichte Bojoariens, von Christus bis auf Karl den Grossen. 8. ebend. 1813.
  21. 21. Rede bey der Todtenfeyer, gehalten in der Stadtpfarrkirche zu St. Jodock in Landshut den 2. Febr. 1813. und der Heidenasche des Grafen von Deroy Generals der Infanterie, des Generalmajors von Siebein, des Obersten Friedr. Grafen von Preysing, und ihrer bey Polozt gebliebenen Waffenbrüder geweiht. 8. eb. 1813.
  22. 22. Kritische Geschichte der altesten Zeugen und Lehrer des Christenthums nach den Aposteln, oder Patrologie. 8. München bey Lindauer. 1814. 303 S.
  23. 23. Die dreiy grossen Synoden der Agilolfingischen Periode zu Aschheim, Dingolfing, und Neuching, kritisch bearbeitet; in den Historischen Abhandlungen der Königlich Baier. Akademie der Wissensch. 4. München. 1807.
  24. 24. Erinnerung an den Rezensenten der Schrift: Vorarbeiten zur Beleuchtung der Oesterreich- und Baier. Kirchengeschichte; in der Oberteutschen allg. Literaturzeitung. 1805. I. S. 221--224. und S. 237--240.
  25. 25. Ein Wort von Prof. Winter an Professor Salat über das erste teutsche kritische Meßbuch des erstern, und über die philosophische Schriften des letztern; in der Neuen Oberteutschen allg. Literatur-Zeitung. 1811. II. S. 187--194. u. S. 203--220.
  26. 26. Abhandlung über die Catechismen; in Felders Neuem Magazin für kath. Relig. Lehrer. 1814. Heft 1.
  27. 27. Das Opfern beym Gottesdienste der christlichen Vorwelt, und der Katholiken in unserem Zeitalter; in Wagnitz liturgischem Journale. Veral. J. M. Sailer’s Rede zum Andenken an Vitus Anton Winter. 4. Landshut. 1814. 32 S. Meusel’s gel. Teutschland. 5. A. B. XVI. S. 246. F. D. Reithofer’s Gesch. und Beschreibung der Univ. Landshut. 1811. S. 172. Felder’s Literaturzeitung für kath. Relig. Lehrer. 1814. I. Intell. Bl. n. 3. S. 19--21. Westenrieder’s Geschichte der Baier. Akad. der Wiss. B. II. S. 587 u. 609. Ersch Handbuch der teutschen Literatur. Abth. II.
Vorheriger
Vorheriger
Eintrag
Seite 334 Seite 335 Seite 336 Seite 337 Seite 338 Nächster
Nächster
Eintrag


Fußnoten

  1. s. Leipz. Lit. Z. 1810. St. 135. Marburger theol. Annal. 1811. St. 5 u. 6. S. 372. Felders Lit. Z. für kath. Relig. Lehrer. 1812. I. S. 216.
  2. s. Brauns Gesch. der Bischöfe von Augsb. 1813. B. I. S. 8. 12 und 83.
  3. s. Felders Lit. Z. 1812. I. S. 220.
  4. s. Neue Obert. Lit. Z. 1811. II. S. 517. Felders Lit. Z. 1811. I. S. 282. 289 u. 305.
  5. s. Neue Obert. Lit. Z. 1811. I. S. 481. Felders Lit. Z. 1814. II. S. 227 und 241.
  6. s. Neue Obert. Lit. Z. 1811. I. S. 881.