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Josephine Woraleck (GND 129490687)


Daten
Nachname Woraleck
Vorname Josephine
GND 129490687
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Josephine Woraleck in der BSB

Woraleck, (Josephine), die Tochter des Musikdirektors Niklas Woraleck[1], wurde zu Brünn den 17. August 1781 geboren, und lernte Musik und Gesang bei ihrem Vater. In ihrem 13ten Lebensjahre kam sie nach Frankfurt am Main, wo sie ihre vollendete Ausbildung erhielt, und dann eine Reise nach der Schweiz unternahm. Als sie nach Frankfurt zurückgekommen war, wurde sie beim Theater daselbst als Sängerinn angestellt, und erwarb sich durch den Zauber ihrer Stimme, durch ihren schönen geschmackvollen Vortrag und kunstvollen Ausdruck im Gesange, dann durch ihren hehren schön gebauten Körper, ihren Anstand und edles Benehmen, ungetheilten, sehr großen Beifall. Sie heirathete 1798 den dortigen Musikdirektor Karl Cannabich, mit dem sie einen Ruf nach München, woselbst Künste und Wissenschaften unter der weisen Regierung Sr. Maj. des Königs Maximilian Joseph einen neuen Aufschwung bekamen, und so vortrefflich blühen und gedeihen, erhielt, und daselbst 1800 als Hofsängerinn und erste Donna in der Oper angestellt wurde. Als sie zum ersten Male auftrat, entzückte ihr Gesang, vergnügte ihr schönes Spiel, und der allergnädigste Beifall Ihrer Majestäten des Königs und der Königinn war der schönste Lohn, den sich ihre Kunst erwarb. Auch das Publikum zollte ihr reichlich den Beifall, der ihrem ausgezeichnetem Talente, und ihrer Kunst im Gesange und im Schauspiel gebührte. Durch ihre angenehme, volle Silberstimme, durch ihr Feuer im Vortrage, Geläufigkeit in Passagen etc. durch ihre gute Methode im Gesange, durch ihren feinen, gebildeten Geschmack, dann natürliches und gut gehaltenes, charaktervolles Spiel gewann sie sich alle Herzen, und den ungetheilten Beifall aller Künstler und Kunstkenner, und so glänzte sie mehrere Jahre als eine der ersten Sängerinnen; als plötzlich Brustschwäche, herbeigeführt von ihrem ausharrendem Fleisse, und rastloser Thätigkeit, sie i. J. 1807 hinderte, den Gesang fortzusetzen, und sie daher beschloß, sich nun ausschlüßig der Schauspielkunst zu weihen. Hart vermißten der Königl. Hof, und das Publikum die holde Sängerinn, fanden indessen reichlichen Ersatz an ihrem vortrefflichen Spiel. Jede Leidenschaft, Liebe, Schmerz, Zorn, Furcht, Schrecken u. s. w. stellt sie meisterhaft dar, und reißt den Zuseher zu gleichen Gefühlen dahin. Ihr Gesicht spricht, was sie fühlt, ihre Stellung entspricht malerisch dem Affekte, und ihre Deklamation, ihr Benehmen genügen jeder Forderung. Grazie durch Kunst und Gefühl erhöhet, vollenden diese allgemein beliebte Künstlerinn[2], die Liebhaberinnen, Fürstinnen, junge Frauen und Heldinnen mit einem Anstande, einer Würde, einem Ausdrucke, einer Zärtlichkeit, und nach Umständen auch mit Feuer und einer Lebhaftigkeit spielt, die den Zuseher ganz für sie annimmt. Sie stellt nie ein schwaches, durchsichtiges Weiblein dar, das immer ächzet und kränkelt, und in Schwachheit und Gebrechlichkeit sogar Ehrsucht, sondern ist die, die sie seyn soll, deutlich in der Aussprache, wahr in der Darstellung. Den Charakter, den sie einmal angelegt hat, bezeichnet sie richtig, und behält ihn ausdauernd bis zum Ende des Stückes.


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Fußnoten

  1. Um das Jahr 1790 befand er sich als Musikdirektor bei der Waitzhoferschen Schauspieler-Gesellschaft, und setzte unter andern in Musik: Die Feier, ein ernsthaftes Ballet, dann die Musik zu Lanassa. Seine Komposition erhielt vielen Beifall, und zeichnete sich vorzüglich durch Gefälligkeit, und richtigen Ausdruck der Empfindung nach den verschiedenen Situationen und Affekten aus.
  2. S. Lang, (Margareth).