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Johann Georg von Eckhart (GND 118958461)


Daten
Nachname von Eckhart
Vorname Johann Georg
GND 118958461
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Johann Georg von Eckhart in der BSB

von ECKHART (Johann Georg) Hofrath und Universitäts Bibliothekär zu Würzburg. Er wurde 1674 zu Duingen, einem Dorfe im Calenbergischen Amt Lauenstein wo sein Vater Oberförster war, gebohren, studierte an der lateinischen Schule zu Pforta, dann bis 1696 an der Universität zu Leipzig, wo er zugleich zwey Jahre lang Correktor in Fritschens Druckerey war. Seine glücklichen Talente zeigten sich von früher Jugend an; er machte mit großer Leichtigkeit viele und gute lateinische Gedichte, und auch seine teutsche Poesie war im Verhältniß zum Geschmack und zur Sprachkunde seiner Zeiten, weit über das Mittelmäßige erhaben. Die alten griechischen und lateinischen Claßiker, Geschichte, und Diplomatik wurden von ihm gründlich studiert. Nach vollendeten Universitätsjahren diente er einige Zeit dem Kursächsischen Staatsminister und Feldmarschall Grafen von Flemming als Sekretär und begleitete ihn auf Reisen. Die Gelegenheit, mit einer Gesandtschaft nach Moskau zu kommen, benützte er ebenfalls. Im Jahr 1706 wurde er zu Helmstädt Professor der Geschichte, 1713 zu Hannover Rath, Historiograph, und 1717 Bibliothekär. Kaiser Karl VI. erhob ihn in den Adelstand. Indessen war seine Lage nicht glücklich; er hatte eine nur geringe Besoldung, lebte in einer unglücklichen Ehe, und muste sich im Jahre 1724 im Gedränge von Schulden, deren Totalsumme 800 Thaler betrug, und um den Verfolgungen unbarmherziger Gläubiger zu entgehen, zu Fuß und ohne Geld in dem Anzuge eines Bettlers aus Hannover flüchten. Er gieng in ein Benediktinerkloster nach Corvey, und, da er daselbst eine sehr unfreundliche Aufnahme fand, nach Cölln, wo er die evangelisch-Lutherische Religion, in der er gebohren und erzogen wurde, abschwur, und zur katholischen übergieng. Seine Biographen sagen, daß er an Lauigkeit in der protestantischen Confession, Leibnitzen gleich oder noch überlegen, wenig abzuschwören hatte. Indessen überzeugte man sich in Cölln bald von Eckhart’s gelehrten Kenntnißen; er wurde in literarischen Angelegenheiten zu Rathe gezogen, und vom Stadtmagistrat für die Entzifferung einiger alten Städtischen Urkunden sehr freygebig belohnet, nahm aber das ihm angebothene Lehramt der Geschichte an der Universität nicht an. Der Ruf seiner Gelehrsamkeit erwarb ihm überall grosse Achtung. Die Kardinäle Passionei und Spinola versicherten ihn der besondern Gnade und Zuneigung des Pabstes Innocens XII. welcher auch seinen beyden Söhnen geistliche Pfründen versprechen ließ, wenn Eckhart nach Rom kommen wollte, wohin er aber nicht gieng. Aus Mailand erhielt er, um die Vollendung der Scriptorum rer. Italicarum zu übernehmen, sehr vortheilhafte Anträge, die er aber eben so wenig, als die ihm zugekommenen Dienstesanträge vom Kaiser, von den Kurfürsten zu Cölln, zu Mainz, und von der Pfalz dann von den Fürsten zu Passau und zu Fuld annahm, sondern einem Rufe nach Würzburg folgte, wo ihn Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn zum Hofrath, Hof- und Universitäts Bibliothekär ernannte, und wo er sowohl die Bibliotheken als auch das, an kostbaren Urkunden sehr reiche, Domkapitelsche Archiv in Ordnung brachte. Er trug durch seine Vorschläge und Gutachten sehr Vieles zum größern Flor der Würzburgischen Universität bey, arbeitete ununterbrochen, und mit ungemeiner Leichtigkeit, und war in der Diplomatik, in der alten und in der Literär-Geschichte, in der Numismatik, in der Geographie der verschiedenen Zeitalter, und in der Alterthumskunde sehr bewandert. Ausser seinen wirklich erschienenen Schriften hatte er Pläne u. Materialien zu mehreren großen Werken, für deren Vollendung sein Leben noch zu kurz war, und überhaupt ein Menschenleben nicht hinreicht. Er verwendete fast 30 Jahre auf Sammlungen, um ein Lexicon etymologicum linquae germanicae und Monumenta veterum Germanorum zu liefern. Auch sein wichtiges Werk darin er die Geschichte von Würzburg mit den vornehmsten teutschen Begebenheiten, von den Wanderungen der Franken an, darstellen wollte, konnte er nicht mehr ganz zu Stande bringen, sondern starb im Februar 1730. Seine vorzüglichsten Schriften sind:

1. De usu et praestantias tudii etymologici in historia. 4. Helmst. 1706.
2. Historia studii etymolog. linquae germanicae. 8. Hannov. 1711.
3. Leges Francorum Salicae et Ripuariorum. Fol. Francof. et Lips. 1720.
4. Veterum Monumentorum Quaternio. I. Aglivita Hathumodae Abbatissae Gandersh. II. Electio Lotharii duc. Sax. in imp. III. Fragmentum poematii in laudem Henrici com. pal. ad Rhen. IV. Varia cantica in Ottones, Henricum. S. Conradum II. Henricum III. imperat. aliosque. Fol Lips. 1720.
5. Origines familiae Habsburgico-Austriacae. Fol. ibid. 1721.
6. Leibnitzens Leben, woraus Fontenelle das seinige genohmen, mit Anmerkungen. Hannov. 1722. Ist auch der teutschen Uebersetzung von Leibnitzens Theodicee beygefügt.
7. Historia geneal. Principum Saxon. superqua recensentur Stemma Wittichindeum, origines familiae Sax. regnantis, veteres Marchiones Lusatici, ut et Misnenses ex stirpe Eccardinga, comitum Wimariensium, ac veterum principum Brunsnicensium, veteres item Thuring. landgravii; nec non origines familiae Anhaltinae. Acced. origines Sabaudicae, stemma desideranum genuinum, origo domus Br. Luneb. et Czareae connexio; ac tandem refutatio eorum, qui Friderico II. Austr. duci nxorem tribuunt Gertrudem Brunsv. Fol. cum fig. Lips. 1722.
8. Corpus historiarum medii aevi. 2 Bände Fol. Leipz. 1723.
9. Nachricht von der alten Salzburg u. dem Pallast Salz in Franken. 8. Würzb. 1725. Neue Aufl. Leipz. 1751. Stehet auch in Groppii Chronico Wirzeburg. B. 2. S. 406.
10. Animadversiones historicae et criticae in J. F. Schannati dioecesin et hierarchiam Fuldensem. Fol. Wirceb. 1727.
11. Commentarii de rebus Franciae orientalis et episcopatus Wirceburgensis, in quibus Regum et Imperatorum Franciae veteris Germaniaeque Episcoporum Wirceburgensium et Ducum Franciae orientalis gesta ex Scriptoribus coaevis, Bullis et Diplomatibus genuinis, Sigillis, nummis, gemmis, veteribus picturis, monumentisque aliis exponuntur et figuris aeri incisis illustrantur. Fol. Wirceb II. Tomi. 1729.
12. De origine Germanorum, eorumque vetustissimis coloniis. migrationibus ac rebus gestis, libri duo. Götting. 1750. Erschien nach des Verfassers Tod mit einer Vorrede von Scheidt.
13. Origines Guelficae, quibus potentissimae gentis primordia, magnitudo, variaque fortuna usque ad Ottonem, quem vulgo puerum dicunt, primum Brunsvicens. et Luneburgensium ducem, ex aequalium scriptorum testimoniis, instrumentis publicis, statuis, lapidibus, gemmis, sigillis, numis, aliisque monumentis superstitibus deducuntur, et in compendio exhibentur. Opus, praeeunte D. God. Guil. Leibnitio stilo D. Joh. Gorg. Eckharti literis consignatum, postea a D. Jo. Dan. Grubero novis probationibus instructum, variisque pernecessariis animadversionibus castigatum, jam vero in lucem emissum a Christ. Lud. Scheidio. Tomus I. cum fig. Fol. Hannov. 1750. Tomus II. 1751. Tomus III. 1752. Tomus IV. et ultimus. 1753.

Vergl. Bibliotheque germanique B. IX. S. 194. J. C. Harenbergi anecdota ecclesiast. et litterar. de Jo. Ge. Eckhardo; in Nic. Barkey symbol. literar Hagan. c. II. Fasc. 1. S. 149--170. Bönicke Grundriß einer Geschichte der Univ. Würzburg B. II. S. 12--27. Will’s histor. Diplomat. Magazin B. I. S. 130. u. B. II. S. 104. Hirschings histor. literar. Handbuch B. II. Abtheil. I. S. 77--83. Grohmanns Handwörterbuch B. III. S. 5. Ladvocats Handwörterbuch fortges. von Lohenschiold B. I. S. 1205. Lexikon allg. historisches, Fortsetzung. Leipz. 1740. Th. I. S. 436. Jöchers Gel. Lexikon B. II. S. 268. Götting. gel. Anzeigen 1750. St. 65 u. 84. Dunkels Nachrichten von verstorbn. Gelehrten B. I. S. 193. u. 550.


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