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Johann Friedrich von Karg (GND 119550016)


Daten
Nachname von Karg
Vorname Johann Friedrich
GND 119550016
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft, Politik, Religion


BSB Johann Friedrich von Karg in der BSB

von KARG (Johann Friedrich) Domherr; den 19. Februar 1648 zu Bamberg gebohren, und aus dem freyherrlichen Geschlechte Karg von Bebenburg und Kirchschlette entsprossen. An der damahligen Universität seiner Vaterstadt studirte er Philosophie, bestand schon im J. 1664 aus allen Theilen derselben eine öffentliche Prüfung, und widmete sich dann der Theologie, und dem Kirchenrechte. Er begab sich hierauf für 2 Jahre nach Rom, und dann nach Prag, wo er das Civilrecht hörte, dasselbe, nach einer Reise durch die Niederlande, Holland und Frankreich, in Padua absolvirte, und das Doktorat der Rechte erhielt. Sein Aufenthalt in Rom, wo er apostolischer Protonotar wurde, in Prag, in Paris, und in Padua verschaffte ihm viele ansehnliche und gelehrte Bekanntschaften, und er stand von jenen Zeiten an, immer mit mehreren Fürsten, Kardinälen, Bischöfen, Ministern, Gesandten, Präsidenten, Vorständen gelehrter Gesellschaften und Aebten in Briefwechsel. Im Jahr 1678 kam er nach Bamberg zurück, wo ihm der Fürstbischof sogleich das geheime Referendariat in geistlichen Sachen übertrug. Im darauffolgenden Jahre berief ihn der Kurfürst Maximilian Emanuel von Baiern in das Ministerium nach München, ernannte ihn zum wirklichen geheimen Rathe, und 1683 zum Dechant des Kollegiatstiftes an der Frauenkirche. Der Kurfürst schickte ihn in wichtigen Angelegenheiten als Gesandten nach Wien, nach Rom, und an mehrere fürstliche Höfe Teutschlandes. Es hatte sich Karg eine so große Celebrität in geschickter Behandlung von diplomatischen Geschäften erworben, daß er auch vom König LeopoldI. eines sehr wichtigen Gegenstandes wegen zum Pabst Innocenz XI. nach Rom abgeordnet wurde. Besonders bewies er, nach dem 1688 erfolgten Tod des Kurfürsten zu Kölln, seine Talente als außerordentlicher Kurbaierischer Gesandter bei der neuen, ungemein schwierigen Wahl eines Kurfürsten, worauf Karg von dem neuen Kurfürsten und Erzbischof Joseph Klemens,> Herzogen von Baiern, zum Groskanzler und ersten Staatsminister in Kölln ernannt wurde. Indessen hatte man in Bamberg den Wunsch, daß Karg wieder dahin zurück kommen möchte, gab ihm eine Dompräbende, und trug ihm die Stelle eines Weihbischofes an; allein der plötzliche Tod des Fürstbischofes vereitelte die Sache. In Kölln hatte Karg als Minister allerdings einen harten Stand. Fürst Joseph Klemens´ war erst den 5. Dezember 1671 gebohren, erhielt schon in seinem vierzehnten Jahre die Bistümer Freysing und Regensburg, war siebenzehn Jahre alt, da er Kurfürst von Kölln wurde, bekam dann noch die Verwaltung der gefürsteten Probstei Berchtesgaden, und war zwey und zwanzig Jahre alt, wie er 1694 auch noch Coadjutor zu Hildesheim, und Bischof in Lüttich wurde. Da muste wohl der Minister auch manchmal den Mentor machen. Die Kriegszeiten, die Differenzen des Kurfürsten zu Kölln mit Kaiser und Reich, welche zur Folge hatten, daß im März 1706 sogar eine Achtserklärung über den Kurfürsten, und dessen Kanzler Karg erschien, schwächten dessen Muth nicht. Mit Energie vertheidigte er seinen Fürsten, und erwirkte in Rom für den Kurfürsten die päbstliche fernere Anerkennung der erzbischöflichen Gewalt. Die Wahl eines neuen Kaisers gab dem Kurfürsten Gelegenheit zur glücklichen Einleitung freundschaftlicher Verhältnisse mit den übrigen Kurfürsten, und die Friedens-Congresse zu Rastadt und Baden dienten ihm zur Veranlassung, seinem ersten Staatsminister und obersten Kanzler Karg eine volle Genugthung für die gelittenen Unbilden dadurch zu geben, daß er ihn als Gesandten für das Interresse des Kurfürstenthums Kölln wirken ließ. Derselbe krönte sich auch bei diesem wichtigen Reichsgeschäfte mit neuen Lorbern durch die herrlichsten Beweise von der genauesten Kenntniß aller Rechtsverhältniße, durch seine strenge Unpartheilichkeit in der Beurtheilung gegenseitiger Ansprüche der Reichsstände, durch seinen schnellen Ueberblick der verwickelten Interressen aller Partheyen, und durch seine, auch von den Französischen Diplomatikern anerkannte, ausserordentliche Gewandtheit in Geschäften aller Art. Das Ansehen, welches er in früheren Zeiten nicht nur an dem Baierischen Hofe, sondern an mehreren grossen Höfen Europens erworben hatte, erneuerte sich bei diesem Friedensgeschäfte, und begleitete ihn in sein voriges Staatsamt zurück, welches er wieder mit unveränderter Thätigkeit zur größten Zufriedenheit aller Köllnischen Unterthanen verwaltete. Er erhielt die Abtei zu St. Michael in Frankreich, ohne daselbst residiren zu dürfen, und 1714 wurde zu seinem Andenken eine Medaille, mit seinem Bilde, und der Umschrift: Utilitati publicae, geprägt. Sein Bildniß wurde auch von Gustav von Ambling in Kupfer gestochen, Karg unterlag endlich der immerwährenden und zu großen Anstrengung des Geistes, und starb den 30. November 1719. Er wurde zu Köln in der Hauptkirche begraben, und sein Grabstein erhielt folgende Aufschrift: In Memoriam Reverendissimi, Illustrissimi ac Eximii D. Joannis Friderici Karg L. B. a Bebenburg, D. in Kirchsletten, Abbatis in Monte S. Michaelis in periculo maris Serenissimi ac Reverendissimi Domini Josephi Clementis Archiepiscopi et Electoris Coloniensis Ministri status et supremi Cancellarii, qui suo licet nomine satis clarus, quantus vir fuerit in rebus agendis, justitia ac dexteritas, legationes etc. ac plurima ardua feliciter absoluta negotia demonstrant, quique de Principe suo gloriosis exantlatis laboribus optime meritus, pie in Domino obdormivit ultima Novemb. anni 1719. aetatis 72. Haeres et Legatarius Altare majus hujus Ecclesiae et monumentum hoc F. F. -- Seine Schriften:

Vergl. Kobolt’s Baier. Gel. Lexikon S. 364. Agricola Bibliotheca ecclesiast. Saeculi XVIII. B. IV. S. 68-71. Rotermund’s Lexikon B. III. S. 102. Hartzheim Bibliotheca Coloniensis (Fol. Col. 1747). S. 171 u. 344. Journal von u. für Teutschland 1791. n. 12. S. 1045. Jäck’s Pantheon der Literaten Bambergs S. 527--537. u. S. 2124.

  1. 1. Trauerlied auf den Tod B. Philipp Valentins. 4. Bamb. 1672. 16 S.
  2. 2. Friedreiche Gedanken über die Religions Vereinigung in Teutschland; aus dem Worte Gottes, Conciliis, Patribus, und Kirchenhistorie zusammengetragen. 12. Würzburg 1679. 384 S. Dagegen erschien: G. C. Holzapfels vermessenes Machturtheil des M. C. Heunisch über J. F. Kargs friedreiche Gedanken. 12. Würzb. 1679. 32 S.
  3. 3. Vertrauen zu Gott, oder kurzer Inhalt der Lehre u. Thaten des Marci ab Aviano Kaputzinerordens, samt einer Erklärung über die Natur, Eigenschaft, u. Wahrheit der Wunderthaten. 8. Ohne Druckort 1680. 70 S.
  4. 4. Pacifica occupatio diurna ecclesiasticorum et laicorum. 12. Herbipol. 1681. 460 S.
  5. 5. Pax religiosa, seu de exemptionibus et subjectionibus Religiosorum. ib. 12. 1680. Wurde zu Rom in den Catolog. librorum prohibit. gesetzt.
  6. 6. Facilis pacis religiosae vindicatio. 12. Bamberg. 1683. 200 S. Eine Vertheidigung der vorhergehenden Schrift wider Consultationes P. Jacobi a S. Antonio de monte Carmelo. 1682. Dagegen kam wieder heraus: Jacobi a S. Antonio Amussis Eupistina. 12. Col. 1684.
  7. 7. Isagoge parascevestica, succinctam meditandi methodum, utriusque Testamenti, concilii Tridentini, et status ecclesiastici notitiam continens, ad usum conferentiarum Cleri Bambergensis et Herbipolensis. 12, Herbipol. 1683. 438 S.
  8. 8. Dissertationes theologicae canonicae, historicae, et polemicae, ad constitutionem Gregorianam de immunitate locali ecclesiarum, seu de jure sacri asyli. 12. Colon. 1690. 420 S.
  9. 9. Lobrede auf Franz von Sales. 4. München 1692. 16 S.
  10. 10. Diarium quoddam, vel protocollum. Leodii 1696. Auch Teutsch. Bonn 1696.
  11. 11. Appendix Coloniae sanctae secunda. Quaenam praerogativae ex communigentium consensu maxime quoad exercitium domesticum religionis, legatis, ablegatis extraordiniis et residentibus in terra principum, ad quos missi sunt, debeatur. Ohne Jahrzahl u. ohne Beysetzung seines Namens.
  12. 12. Vita, mors, et gloria S. Joannis Nepomuceni. 12. Bonnae 1702.
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