Maria Angelika Kaufmann (GND 118721224)
Daten | |
Nachname | Kaufmann |
Vorname | Maria Angelika |
GND | 118721224 ( DNB ) |
Wirkungsgebiet | Kunst |
Kaufmann (Maria Angelika) nicht zu Chur in Bündten, wie viele glauben und behaupten, sondern zu Schwarzenberg, Landgerichts Inner-Bregenzerwald, (im Illerkreise) 1742 geboren, wo ihr Vater Joseph Kaufmann, zu Bregenz am Bodensee geboren, ein mittelmäßiger Porträtmaler gewesen ist. Er unterrichtete seine Tochter selbst in der Malerei und Musik. In letzterer Kunst eminirte sie anfangs mehr, als in der ersten, und ihr Gesang und ihr Klavierspiel gefiel nicht nur allgemein, sondern erregte Bewunderung. Sie gieng mit ihrem Vater, um Concerte zu geben, nach Constanz, und endlich nach Italien, wo sie in Mailand sich verweilte und dem Studium der Malerkunst sich mit allem Fleiße widmete. Einige deutsche Kunstliebhaber, die sie ehedem in ihrem Vaterlande kennen lernten, unterstützten sie hierin. Im Jahr 1763 wallte sie von Mailand nach Neapel und endlich nach Rom, wo sie den berühmten Winkelmann kennen lernte. Von ihr schreibt Winkelmann an seinen Freund Frank: „Ich werde jetzt für einen Fremden von einer seltenen Person, einer deutschen Künstlerin gemalt. Sie ist sehr stark in Porträts in Oel; es ist die halbe sitzende Figur. Sie hat dasselbe in Quart geätzt, um mir ein Geschenk mit der Platte zu machen. Das Madchen ist zeitig von ihrem Vater, der auch ein Maler ist, nach Italien geführt worden; daher sie welsch so gut als deutsch spricht. Auch spricht sie fertig französisch und englisch; daher sie alle Engländer, welche hierher kommen, malet. Sie kann schön heißen, und singt um die Wette mit unsern Virtuosen. Ihr Name ist Angelika Kaufmann.“ Winkelmanns Briefe an seine Freunde, von Daßdorf herausgegeben. Th. I. S. 121. Im Jahr 1765 reiste diese Künstlerin nach England, wohin ihr Ruhm ihr schon vorauseilte. Ihre Kunst und ihr bescheidenes Benehmen gefiel den Engländern, daher sie 1769 als Mitglied der Akademie zu London aufgenommen wurde. Hier in England verheurathete sie sich, und zwar unglücklich. Unzufrieden im Ehestande, verlohr sie ihre fröhliche Laune, sichtbare Schwermuth, die Frucht mißlungener Liebe, befiel sie, und endlich konnte nur Trennung dieser Ehe ihr Rettung verschaffen, ihr die vorige Seelenruhe und Zufriedenheit wiedergeben, denn aller Ruhm des Lebens wird durch das Leiden des Herzens verbittert. Losgerissen von den Banden, die sie an einen ihr unwürdigen Gatten gefesselt hatten, verließ sie 1782 England und begab sich nach Rom, wo sie eine zweite Ehe mit dem Maler Joseph Zucchi schloß, und in dieser Wahl glücklich war. Nun verbesserte sie ihr kaltes Kolorit und lieferte ihre Werke mehr durchdacht. Die Wahl ist mit vieler Weisheit, ihre Formen sind voller Anmuth und ganz in Gräciens Würde hingestellt, und in ihren Frauengestalten ist eine ihr eigene unnachahmliche Weiblichkeit; so ein Hinschmachten, so ein rührendes Ergeben, das alle männliche Kenner einnimmt. Freilich geht von diesem Charakter auch etwas in die Männer über, sie stehen so züchtig und blöde, wie verkleidete Mädchen da, und es wird ihr selten GELingen, denselben Heroismus einzuhauchen. Ein Beweis hiervon ist Hektors Abschied von Andromache. Ein schönes Bild von ihr entwirft Sturz in seinen Schriften I. Samml. S. 161.: „In ihrer Gestalt, in ihrer Rede und in ihrem Wandel ist überall nur ein Ton herrschend, nämlich sanfte jungfräuliche Würde. Sie ist jetzt ungefähr 27 Jahr alt; keine vollendete Schönheit, aber dennoch einnehmend in ihrer Form und ihrem ganzen Anstand. Der Charakter ihres Gesichts gehört zur Gattung, welche Dominichino gemalt hat, der in seinen Köpfen den Raphael erreichte: Edel, schüchtern und bedeutend, anziehend und mittheilend. Man wird sie nirgends flüchtig gewahr, sondern sie hält den Blick des Beobachters fest; ja es giebt Augenblicke, wo sie tiefere Eindrücke macht. Wenn sie, vor ihrer Harmonika, des Pergolese Stabat Mater singt, ihre großen schmachtenden Augen gottesdienstlich aufschlägt, und dann mit hinströmendem Blicke dem Ausdrucke des Gesanges folgt; so wird sie ein begeisterndes Urbild der Heiligen Cecilia u. s. w.“ Die Königl. Gallerie zu München besitzt von ihr das herrlich gemalte Bildniß Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen Ludwig Karl, ganze Figur in Lebensgröße. Dieses Gemälde ist eine der letzten Arbeiten dieser großen Künstlerin, in Rom von ihr verfertiget. Nach ihren Gemälden haben Europas größte Kupferstecher gearbeitet, unter denen sich vorzüglich die Engländer ausgezeichnet haben, als W. W. Ryland, V. Green, Th. Burke, J. Watson, F. Bartolozzi, G. Scorodoomoff, W. Dickinson, Jonath, Spilburg, die Gebrüder Facius, P. Dawe, H. Sinzenich, J. M. Delattre, Th. Taylor, J. F. Martin, J. Hogg, J. K. Sherwin, D. Fencius, F. Lorieux, R. Wilkinson, R. Marcuard, T. Watts, T. Rider, P. W. Tomkins, Pastorini, J. B. Michel, J. Ogborne, M. Picot, W. Elliot, J. R. Smith u. s. m. Angelika hat auch verschiedene Stücke in einer leichten und geistreichen Manier radirt. Der größte Theil ihrer Kupferplatten ist zu London bei Boydell in Bister abgedruckt. Man nennt von ihren Kupferplatten hier folgende: Johann Winkelmann, halbe Figur, 1764; die Vermählung der heiligen Katharina, nach Corregio 1776; ein junges lesendes Frauenzimmer, 1770; ein junger Mann, nachdenkend; Brustbild eines alten Mannes mit einem großen Barte, 1762; die Hoffnung, halbe Figur, auf einem Anker gestützt, 1763; ein junges Frauenzimmer, eine Urne umfassend, 1767; die Heiterkeit, nach Milton bearbeitet 1779; der Tiefsinn, ein Gegenstück hierzu, ETC. Der Banquier und Major der Kavallerie bei der Königl. Naz. Garde dritter Klasse in München, Andreas Dall’ Armi, besitzt das Porträt seiner Gattin, einer gebornen Stürzer vortrefflich gemalt, das ihm diese Künstlerin i. J. 1795 zu Rom verfertiget hat. Sie starb zu Rom 1809.
![]() Vorheriger Eintrag |
![]() ![]() ![]() ![]() |
![]() Nächster Eintrag |