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Johann Christoph Martini (GND 11681084X)


Daten
Nachname Martini
Vorname Johann Christoph
GND 11681084X
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Johann Christoph Martini in der BSB

MARTINI (Johann Christoph) Pfarrer zu Kerkhofen in der Oberpfälzischen Herrschaft Salzburg. Folgende Nachrichten sind abermalen ein Auszug von einer der vielen eigenhändigen Selbstbiographien, die ich besitze. Martini lieferte mir kurz vor seinem Tode seine umständliche Lebensgeschichte, aus welcher ich freylich Manches, nicht zur öffentlichen Bekanntmachung Geeignete, weglassen muß. Er wurde am 14ten Oktober 1732 zu Nürnberg gebohren, wo sein Vater Johann August Martini, ein armer Pastorssohn aus Thüringen, Lehrer am Egydischen Gymnasium, und seine Mutter eine gebohrne Bittner von Gräfenberg waren. Sein Vater nahm ihn gleich nach zurückgelegtem sechsten Jahr in seine Klasse, gab ihm täglich neun Stunden Unterricht, und brachte ihm die lateinische und griechische Sprache gründlich bey. Seine übrigen Lehrer am Gymnasium waren Lobherr, Gahn, Röder, Schwebel und Munker. Er sollte nun die Universität beziehen, wozu ihm aber seine Eltern nicht die geringste Unterstützung geben konnten. Sein Vater selbst suchte ihn von Fortsetzung der Studien abzuhalten, und stellte ihm sein eigenes klägliches Beyspiel vor, wie er in seiner Jugend, nachdem er schon ein Jahr zu Jena studirt hatte, durch Dürftigkeit gezwungen, wieder ein Currentschüler in Zittau werden mußte, um sich durch Singen und Informiren so viel zu ersparen, daß er dann auf die Universität nach Leipzig gehen konnte, und wie er es im gelehrten Stande doch nur endlich so weit gebracht habe, daß er ein äußerst dürftig besoldeter Lehrer sey, während jeder Handwerker sich und die seinigen Sorgenfrey ernähren könne. Allein seine Mutter erwirkte durch Bemühungen und Connexionen für ihn Stipendienbezüge, so daß der junge Martini, nach zurückgelegten fünfzehenten Jahre, zu Ostern 1748 sich auf die Universität nach Göttingen verfügen konnte. Hier wohnte er im Hause des Generalsuperintendenten Feuerlein, der ihm seine ganze, in sieben Zimmern aufgestellte Bibliothek zum freyen Gebrauch überließ, und ihm einen Freytischplatz im Seminario philologico zuwegebrachte. Martini rühmt mit gerührtem Danke in seiner Selbstbiographie diesen seinen Gönner, und versichert, daß er, wenn er dem Rathe desselben sich mehr auf Schulwissenschaften zu verlegen, gefolgt hätte, schon in seinem neunzehnten Jahre auf ein Rektorat oder Konrektorat befördert worden wäre. Allein, er hatte in seiner Jugend eine, ihm von seinem Vater beygebrachte, Abneigung gegen den Lehrstand. Im Jahr 1750 wählte ihn Dr. Heumann bey seiner Disputation De quibusdam locis novi Test. obscuritate insignibus zum Respondenten. Er verließ Göttingen im Jahre 1751 höchst ungerne, und setzte hierauf zu Altdorf noch 2 Jahre seine Studien mit Eifer fort, während welcher Zeit er auch zugleich zu Altdorf, und in den vornehmsten Kirchen zu Nürnberg öfters predigte. Im Jahre 1753 erhielt er das Doktorat der Philosophie, und ward zu Altdorf Magister legens. Er hätte daselbst eine Professorsstelle erhalten sollen, was indessen durch einige Mitglieder der damahligen Reichsstadt Nürnbergischen Regierung hintertrieben ward. Im Jahre 1769 erhielt er die Pfarrey Ebenried in der Grafschaft Wolfstein, und 2 Jahre nachher jene zu Kerkhofen, die aber in der Folge von ihm an seinen Tochtermann Joh. Leonhard Horn abgetreten ward, während er doch im Pfarrhause wohnen blieb. Ein merkwürdiges Beyspiel von seiner Verträglichkeit mit Katholiken, und von der Achtung derselben für ihn, ist wohl, daß er als Protestant im Jahr 1769 von einem angesehenen katholischen Geistlichen, dem Prämonstratenser-Abten Paul Ferdinand zu Gradisch bey Ollmütz, Kaiserl. geheimen Rathe und Präses der Ollmützer Studien-Commission, durch ein förmliches Dekret zum Stiftsrath und Syndikus ernannt wurde. Er errichtete zum Besten der Pastorswittwen in der Grafschaft Wolfstein eine Cassa, wozu er in den Getraidetheuern Jahren 1771 und 1772 schon 625 fl. legen konnte, und auch durch eigene und fremde Beyträge dem überschuldeten Gotteshaus seiner Pfarrey wieder aufhalf. Er war Mitglied der teutschen Gesellschaft zu Altdorf, und bereits vom Jahre 1756 an derselben erster Sekretär, nachher zweyter Aufseher. Auch die Akademien der Künste und Wissenschaften zu Roveredo, Göttingen und Augsburg, die landwirthschaftlich-sittliche Gesellschaft zu Burghausen, die gelehrten Societäten in der Oberlausitz, zu Helmstädt und Bernburg, ernannten ihn zu ihrem Mitgliede. Er starb 72 Jahre alt, am 5. Mai 1804. Seine Schriften:

  1. 1. Diss. inaug. de Jacobo de Misa, primo evcharistici calicis per ecclesias Bohem-vindice. 4. Altd. 1753.
  2. 2. De vita, fatisque Palladii Helenopolitani, Origenismi et Pelagianismi in iuste accusati. ib. 4. 1754.
  3. 3.* Geschichte der vornehmsten Reiche und Staaten vor Christi Geburt, im Grundriß zum Gebrauch der Vorlesungen auf höhern und niedern Schulen, wie auch zum bessern Verstand der alten griechischen und lateinischen Schriftsteller. V. Stücke. Frankf. u. Leipz. 8. 1760--1762. [1]
  4. 4. Abhandlung von einer besondern Art Kronen, womit man die Römer, theils zum Zeichen der Unterwürfigkeit, theils zum Zeichen der Hochachtung, Dankbarkeit und Freundschaft zu beschenken pflegte. 4. Altd. 1762. 2 Aufl. 3te Aufl. eb. 1791.
  5. 5. Historisch geographische Beschreibung des ehemaligen berühmten Frauenklosters Engelthal in dem Nürnbergischen Gebiethe; aus Urkunden und sicheren Nachrichten mit möglichstem Fleiß zusammengetragen. 8. Nürnb. u. Altd. 1762. Steht auch in der Altdorf. Bibl. d. schönen Wissensch. 1762. B. 1. St. 6. Neue umgearb. Aufl. Nürnb. b. Raspe. 8. 1798. 151 S. [2]
  6. 6. Thesaurus Dissertationum, quibus historia, geographia, et antiquitates tam sacr. quam profanae illustrantur, max. part. rarissimarum, et ex manuscripto interdum in lucem prolatarum. 8. Norimb. ap. Felseneker. Pars I. Tomus I. 1763. Tomus II. 1766. Nova edit. Tomi I. 1767. Tomus III. 1768--69. 6 Theile in 3 Bänden. [3]
  7. 7.* Kurzgefaßte Nachricht, von dem weichen Spital zu St. Leonhard in Lauf. 4. Altdorf 1763. Steht auch in Waldau neuen Beyträgen zur Gesch. der Stadt Nürnb. B. 1. S. 1--9.
  8. 8. Aufrichtige Beurtheilung und gründliche Widerlegung der lächerlichen und boshaften Erzählung, die Blainville in seinen Reisen von Nürnberg gemacht hat. 4. Frankf. u. Leipz. 1765.
  9. 9. Einleitung in die alte Erdbeschreibung, zum bessern Verstand der griechischen und lateinischen Schriftsteller, und zum Gebrauch der Gymnasien und Schulen eingerichtet. Erster Theil, welcher Europa enthält. 8. Leipz. b. Heinsius. 1766. [4]
  10. 10. J. C. Martini et B. F. Hummellii epistola ad omnes politioris humanitatis aestimatores de edendis et recudendis a Paulo Columbano bibliopola Veneto Dissertationibus Schwarzianis. 4. Altd. 1768.
  11. 11. Joh. Conr. Füeslins neue unpartheyische Kirchen- und Ketzerhistorie der mittlern Zeit. 3 Theile. Frankf. u. Leipz. 8. 1770--1773. Von Martini umgearbeitet und verbessert. [5]
  12. 12. Sebastian Castellio; Lehrers der griechischen Sprache zu Basel, Lebensgeschichte zur Erläuterung der Reformations und gelehrten Historie, beschrieben von J. C. Füeslin (und herausgegeben von Martini). 8. eb. 1775.
  13. 13. Andreas Bodensteins, sonst Carlstadt genannt, Lebensgeschichte von J. C. Füeslin verfaßt (und von Martini herausgegeben.) 8. eb. 1776.
  14. 14. Einige anonyme Schriften zur Zeit des siebenjährigen Krieges.
  15. 15. Abhandlungen von einigen zu Nürnberg gehaltenen Reichstägen; in dem Versuch in Beyträgen zur teutschen Sprachlehre, Beredsamkeit und Gesch. von der Altdorf. teutschen Gesellsch. herausgegeben. 1757.
  16. 16. Das Bild eines rechtschaffenen Ministers, ein Glückswunsch an geh. Rath von Kettelhodt zu Rudolstadt, als er sein 50jähriges Amtsjubiläum hegieng; in der Sammlung der, bey der Kettelhodtischen Jubelfeyer erschienenen Schriften. Frankenhausen 1775.
  17. 17. Viele Beyträge zu, von Andern herausgegebenen, Schriften.
  18. 18. Aufsätze in Kohlbrenners Münchner Intelligenzblatt, und in dessen Materialien.
  19. 19. Viele Rezensionen in den Erfurter, Erlanger und Hallischen gelehrten Zeitungen.
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Fußnoten

  1. s. Magazin für Schulen B. 4. St. 31.
  2. s. Jen. Lit. Z. 1799. I. S. 271. Neue allg. t. Bibl. B. 62. I. S. 198. Gotth. gel. Z. 1799. I. S. 575.
  3. s. Klotz acta lit. Vol. 1. pars 3. S. 260. Eberts Bibliogr. Lex. B. II. S. 60.
  4. s. Magazin für Schulen B. 4. St. 3. S. 367.
  5. s. Allg. t. Bibl. B. 18. II. S. 441. und B. 28. I. S. 253.