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Anton Michl (GND 104152729)


Daten
Nachname Michl
Vorname Anton
GND 104152729
( DNB )
Wirkungsgebiet Religion, Wissenschaft


BSB Anton Michl in der BSB

MICHL (Anton) Professor zu Landshut; am 21. April 1753 zu Ebersberg in Oberbaiern gebohren. In seinem sechsten Lebensjahre kam er mit seinen Eltern, die ihre Wirthschaft in Ebersberg verkauft hatten, nach Freysing, und studirte am dortigen Gymnasium und Lyceum mit solcher Auszeichnung daß er in allen Klassen den ersten Fortgangsplatz behauptete. Nach absolvirter Philosophie wurde er Repetitor derselben, widmete sich, ebenfalls am Lyceum zu Freysing, dem Studium der Theologie, und erhielt am 1. Junius 1776 die Priesterweihe. Er begab sich dann nach Ingolstadt, wo er 3 Jahre Jurisprudenz und Kirchengeschichte studirte, das Doktorat der Philosophie, und die juridische Lizentiatenwürde erhielt. Zu Anstellungen und Beförderungen hatte er zwar vom Fürstbischof zu Freysing mehrere mündliche und schriftliche Zusicherungen, deren aber keine in Erfüllung gieng. Dafür wurde er in das Priesterhaus nach Dorfen gesetzt, wo er zwey Jahre ausharren mußte, und kam dann nach Miesbach in Oberbaiern als Pfarrprovisor und Conferentiar des dortigen geistlichen Seminars. Er war aber hier nur einige Monathe, als er nach Freysing zur Hofmeisterstelle für die jungen Freyherren von Welden, den Neffen des Fürstbischofs, berufen, daselbst zum fürstlichen Hofkaplan, und 1784 zum Direktor des Bischöflichen Alumnats ernannt wurde. Eine bereits nahe Hoffnung zur Erlangung einer Professur des Kirchenrechts zu München oder Amberg ward ihm vereitelt, weil Kurfürst Karl Theodor den Unterricht an allen Baierischen Lyceen und Gymnasien ausschlüßig den Klostergeistlichen übertrug. Einen erhaltenen Ruf als kathol. Hofprediger nach Stuttgart schlug er aus, und übernahm die Hofmeisterstelle bey einem Grafen von Lösch in Burghausen, wo er 1786 zum Mitglied der daselbst bestandenen ökonomisch-sittlichen Gesellschaft erwählt ward, der er auch viele Resultate seines Nachdenkens, und in der Folge manche interressante Versuche und Erfahrungen im Fache der Landwirthschaft mittheilte. Im Jahr 1788 erhielt er die Pfarrcooperatur zu Hohenkammer, dann 1789 jene zu Eiespach im Landgerichtsbezirke Dachau, und 1791 die Pfarrey Randelsried bey Altomünster in Oberbaiern. Hier hatte er in dem, vom Dorfe ganz abgelegenen, nächst an Waldungen befindlichen, Pfarrhause das Unglück, innerhalb acht Jahren öfters von Diebesbanden angegriffen zu werden, denen es doch immer nicht gelang, in das Haus einzudringen. Allein am 14. Julius 1799 um Mitternacht brach eine zahlreiche Räuberbande in das Pfarrhaus, mißhandelte ihn, und plünderte ihn gänzlich aus. Dieser Vorfall bestimmte ihn, so sehr er das Landleben, die Seelsorge und die Landwirthschaft liebte, das pfarrliche Amt ganz aufzugeben. Noch im Herbste desselben Jahres 1799 wurde er an der Universität zu Landshut ordentlicher Professor des Kirchenrechts und der Kirchengeschichte bey der Sektion der Rechtskunde, welches Amt er mit Eifer und Nutzen verwaltete, und sich als Lehrer und Schriftsteller die allgemeine Achtung erwarb. Die Königl. Akademie der Wissenschaften zu München ernannte ihn zum Mitglied an der historischen Klasse. Er starb zu Landshut am 12 März 1813. Er war ein gelehrter, Vorurtheil freyer, unermüdet thätiger, redlicher und rechtlicher Mann, und wie ich da wir 20 Jahre lang in den freundschaftlichsten Verhältnissen standen, bezeugen kann, ein munterer, aufrichtiger und treuer Freund. Seine Schriften:

Vergl. Meusels gel. Teutschland 5. A. B. V. S. 237. und B. XIV. S. 574. Krüll dem Andenken des K. geistl. R. und Prof. Michl gewidmet. 4. Landshut 1813. 16 S. Rotermunds Lexikon B. IV. S. 1694. Harls allg. Kameral-Korrespondent 1813. B. I. S. 263 und 294. Felders Lit. Z. für kathol. Religionslehrer 1813. B. I. Intell. Bl. S. 30. Hallesche allgem. Lit. Z. 1814. I. S. 38--40.

  1. 1.* Klaglied eines baierischen Jeremias auf die Charwoche. 8. 1778.
  2. 2.* Reflexiones in litteras retractatorias Justini Febronii. 4. Francof. et Lips. 1778. Wurden auch ins Teutsche übersetzt.
  3. 3. Predigten für das gemeine Volk, nebst einer Vorrede von sittlicher Bildung der Jugend; für Geistliche. 2 Theile. München. 8. 1782. 2te Aufl. eb. 1786. 340 S. 3ter Theil. 1788. 3te Auflage. eb. 1791. Neue Auflage. 3 Theile. eb. 1807. [1]
  4. 4.* Abhandlung von der Macht der Bischöfe in Ehesachen, besonders in Teutschland. Frankf. und Leipz. 8. 1782.
  5. 5.* Maria zu Dorfen. Authentische Nachrichten von dem neuesten Novitziate der Jesuiten zu Dorfen in Baiern; aus Originalbriefen. 8. 1782. [2]
  6. 6.* Versuch einer Vertheidigung des Pasquills. 8. 1784.
  7. 7. Etwas über die Bildung des Adels durch Hofmeister. 4. Burghausen 1786. Steht auch in dem Buche: Ueber die körperliche und moralische Erziehung der Kinder. Grätz 1792. [3]
  8. 8. Erklärung der Sonntäglichen Evangelien in kurzen Predigten für das Landvolk. München bey Lentner. 8. 1790. Erster Theil. 19 Bog. 2ter Theil. 20 Bog. Neue Auflage. eb. 1806. [4]
  9. 9. Lobrede auf das Fest des heil. Bernardus. 8. Augs. 1791. 22 S.
  10. 10. Der heilige Franz von Assis war kein Narr, wie die Hrn. Protestanten Spittler und Zimmermann glauben. 8. Ohne Druckort. 1794. 3 Bog. [5]
  11. 11. Gelegenheitliche Festpredigten, zum Gebrauche der Landgeistlichen. 8. München 1795. 320 S. [6]
  12. 12. Erklärung der festtäglichen Evangelien in kurzen Predigten für das Landvolk. 3 Theile. München. 8. 1795 und 1797. Neue Auflage. 3 Theile. eb. 1810.
  13. 13. Neue Sonntägliche Predigten für das Landvolk. 8. Augsburg bey Rieger 1801.
  14. 14. Neue Predigten auf die gewöhnlichen Feste des Herrn, Mariä und der Heiligen Gottes. eb. 1801.
  15. 15. Christliche Kirchengeschichte. 8. Erster Theil. München bey Lindauer 1807. 546 S. 2ter Theil, Zusätze zum ersten enthaltend. eb. 1811. 440 S. Neue Auflage eb. 1812. Neue Auflage. eb. 1819. [7]
  16. 16. Kurze Uebersicht des katholischen Kirchenrechts. Erste und 2te Abtheilung. Landshut. 8. 1805.
  17. 17. Kirchenrecht für Katholiken und Protestanten, mit Hinsicht auf den Code Napoleon, und die Baierischen Landesgesetze. München bey Lentner. 8. 1809. 485 S. 2te Auflage unter dem Titel: Kirchenrecht für Katholiken und Protestanten, mit Hinsicht auf die Baierischen Lande. Verbesserte Auflage. München bey Lentner und Leipzig Comm. bey Gleditsch. 8. 1816. 30 Bog. Mehrere Auflagen. Wurde auch nachgedruckt. [8]
  18. 18. Mehrere, von ihm ausgearbeitete, juridische Gutachten und Responsa; in Gönners Rechtsfällen.
  19. 19. Anonyme Aufsätze in verschiedenen periodischen Schriften.
  20. 20. Unter seinen zurückgelassenen Manuscripten befanden sich Excerpte aus mehr als Tausend der besten ältern und neuern Werke.
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Fußnoten

  1. s. Obert. Lit. Z. 1789. II. S. 566.
  2. s. Ant. Buchers sämmtl. Werke 1819. B. II. S. 1.
  3. s. Obert. Lit. Z. 1788. I. S. 183.
  4. s. Allg. t. Bibl. B. 102. I. S. 61.
  5. s. Jen. Lit. Z. 1795. II. S. 655. Neue allg. t. Bibl. B. 21. II. S. 403.
  6. s. Würzb. gel. Z. 1796. II. S. 914. Neue allg. t. Bibl. B. 22. II. S. 530. Obert. Lit. Z. 1796. I. S. 914.
  7. s. Neue Obert. Lit. Z. 1811. I. S. 513. 545 und 846. Hall. Lit. Z. 1812. III. S. 281. und 1813. I. S. 27. Felders Lit. Z. für kathol. Religionslehrer 1810. II. S. 49. und 1814. I. S. 217. u. S. 241. Leipz. Lit. Z. 1813. I. S. 1214.
  8. s. Batz theol. Zeitschrift 1809. I. St. 1. Felders Lit. Z. 1814. I. S. 60. S. 81. u. S. 97. Jen., Hall. u. Leipz. Lit. Z.