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Benjamin Neukirch (GND 118785990)


Daten
Nachname Neukirch
Vorname Benjamin
GND 118785990
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Benjamin Neukirch in der BSB

NEUKIRCH (Benjamin) Hofrath zu Ansbach. Er wurde am 27. März 1665 zu Reinke einem Schlesischen Dorfe bey der Stadt Bojanowa in Grospohlen, wo sein Vater Notarius und Rathsherr war, gebohren. In seinem achten Jahre kam er in die Schule zu Bojanowa, studirte nachher am Gymnasium zu Breslau, bis ihn seine Eltern 1682 in die evangelische Schule nach Thorn schickten, und bezog im Jahre 1684 die Universität zu Frankfurt an der Oder, wo er 3 Jahre lang die Rechte studirte, und dann eine Zeit lang zu Breslau als Advokat lebte. Da aber diese Beschäftigung gar nicht mit seiner Neigung übereinstimmte, kehrte er 1691 nach Frankfurt zurück, wo er öffentlichen Unterricht in der Poesie und Beredsamkeit gab. Er hatte unter seinen Zuhörern mehrere junge Edelleute, und kam dadurch in wichtige Bekanntschaften, so daß ihm, als er 1692 nach Berlin reisete, eine Professorsstelle in den schönen Wissenschaften zugesichert wurde. In derselben Erwartung gieng er 1693 nach Halle, und 1694 mit einem Baron von Riedel auf Reisen. Im J. 1696 wurde er Hofmeister bey dem Sohn des Sächsischen Premierministers von Haugwitz, mit dem er von Dresden nach Berlin gieng, und ihn hier bis in das dritte Jahr bey sich hatte. Es wurden ihm mehrere junge Adeliche, besonders aus Schlesien, zur Aufsicht und Führung anvertraut, bis er endlich 1703 zum Professor bey der neu errichteten Ritterakademie ernannt wurde. Als aber diese nach König Friederich’s I. Tode wieder eingieng, erhielt Neukirch den Ruf nach Ansbach, wo er am Markgräflichen Hofe Lehrer des damaligen Erbprinzen, mit dem Charakter als wirklicher Hofrath, wurde. Von seiner Jugend an machte die Teutsche Poesie seine Hauptneigung und Beschäftigung aus. Er schrieb und dichtete anfangs in Hoffmanwaldau’s und Lohenstein’s schwülstiger Manier. Da er das Unnatürliche derselben endlich einsah, ließ er sich durch Canitzen’s Beyspiel auf den Weg der Natur zurückführen; nur daß er, aus Mangel an den gehörigen Fähigkeiten, in das entgegengesetzte Extrem verfiel. Er entsagte dem Schwulste, bemühte sich, natürlich zu schreiben, und seine Reime wurden Wasser ohne allem Geist. Er starb zu Ansbach im 65ten Jahre seines Lebens den 15. August 1729. Seine Schriften:

Vergl. Jöcher’s Gel. Lexikon. B. III. S. 880. Vougine Handbuch der allg. lit. Gesch. B. III. S. 552. Flögel’s Geschichte der komischen Literatur. B. III. S. 471--473. Leipzig. Musenalmanach auf 1782. S. 51--53. Küttner’s Charaktere teutscher Dichter und Prosaisten. S. 181. Jördens Lexikon teutscher Dichter und Prosaisten. B. IV. S. 18--23. Hirsching’s hist. lit. Handbuch. B. VI. Abtheil. I. S. 126. Vocke Ansbach. Geb. u. Todtenalmanach. Th. I. S. 241. Rotermund’s Lexikon. B. V. S. 558--560. Küster biblioth. hist. Brandenb. 1743. S. 523 u. 715. Ladvocats Handwörterbuch. B. III. S. 465.

  1. 1. Sr. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg Friedrich III. geheimer Staatsminister Eberhard von Dankelmann, in einer kurzen Beschreibung seines Lebens vorgestellt. 4. Berlin. 1694.
  2. 2. Galante Briefe und Gedichte. 8. Coburg. 1695.
  3. 3. Der allgemeine Verlust, Trauerrede bey Beerdigung Sophien Charlotten, Königin von Preussen. Fol. Berlin. 1705.
  4. 4. Als Seine Churfürstl. Durchlaucht sich zum König in Preussen erklärten.
  5. 5. Auf den höchstfeyerlichen Einzug Sr. Königl. Majestät von Preussen in Dero Residenz zu Berlin.
  6. 6. Epigramma in statuam equestrem Friderico M. sacram, utraque lingua latina et germanica confectum.
  7. 7. Unterricht von teutschen Briefen. Leipz. 8. 1707. Mehrere Auflagen zu Ulm und Leipzig. Neue Aufl. unter dem Titel: Anweisung zu teutschen Briefen. Nürnberg. 8. 1746 u. 1760. Teutsche Briefe (als der spätere praktische Theil des Unterrichts zu teutschen Briefen). Nürnb. 1751. und 1760.
  8. 8. Andachtsübung zur Kirchenmusik; Cantaten, Oden, Arien. 8. Frankfurt. 1725. Ein Auszug hiervon erschien unter dem Titel: Der auf den schwersten Bußkampf erfolgte Sieg des Glaubens, oder erbauliche Betrachtung über Benj. Neukirchs weinenden Petrum, zur Erweckung andächtiger Regungen und beliebter Sinnenbelustigungen, als ein geistliches Sinngedicht entworfen, nun aber nebst Vorrede zum Druck befördert durch Rothscholzen, Nürnb. 8. 1731.
  9. 9. Politische, moralische Maximen. 8. Braunschweig. 1726.
  10. 10. Satyren und poetische Briefe. 8. Frankf. 1757. Erschienen zuerst als Anhang zu Gottfried Benjamin Hankens weltlichen Gedichten. Dresden 1727, dann in derselben 2ten Aufl. 1731. Th. 1. S. 389. und endlich besonders lange nach des Verfaßers Tod unter erwähntem Titel.
  11. 11. Die Begebenheiten des Prinzen von Ithaca, oder der seinen Vater Ulysses suchende Telemach; aus dem Französischen des Hrn. von Fenelon in Teutsche Verse gebracht, und mit mythologisch-geographisch- und moralischen Anmerkungen erläutert. III. Theile. Mit Kupf. Onolzbach. Fol. 1727--1739. Eine andere Auflage: Erster Theil, Berlin und Potsdam. 8. 1738. 2ter Theil, Mit Neukirchs Lebenslauf. Frankfurt u. Leipz. 1739. 3ter Theil. eb. 1739. Als ein Auszug erschien: Telemach auf der Insel der Göttin Calypso, ein Trauerspiel in Versen, mit Arien, aus dem ersten und siebenten Buch der Benjam. Neukirchschen Uebersetzung gezogen von Joh. Georg Heubeln. 8. Wien. 1754. [1]
  12. 12. Hrn. Benjamin Neukirch’s, weiland Markgräfl. Brandenb. Ansbach. Hofraths, auserlesene Gedichte, aus seinen verschiedenen poetischen Schriften gesammelt, und mit einer Vorrede von dem Leben des Dichters begleitet von Johann Christoph Gottscheden. Regensb. 8. 1744. Den Anfang dieser Sammlung machen Neukirch’s weltliche Oden, darauf folgen die geistlichen und die Davidischen Psalmen, alsdann kommen die poetischen Sendschreiben und die heroischen Gedichte, nach diesen Neukirch’s Gesänge und die übersetzte Sapho; den Beschluß machen die Schäfergedichte und Elegien. [2]
  13. 13. Ein großer Theil von Neukirchs Gedichten befindet sich in den sieben Theilen der Hofmannwaldauerischen Gedichte; in Hankens Gedichten; in Hochberg’s Beyträgen zur kritischen Historie der teutschen Sprache, und in Lackmann’s geistreichen Gedichten oder Sammlungen der berühmtesten Poeten. Hamb. 1735.
  14. 14. Vorreden schrieb er zu Hofmannwaldau auserlesn. Gedichten von ihm und anderer Teutschen, und zu Lohenstein’s Arminius und Thusnelda.
  15. 15. Mehrere einzeln gedrucke Hochzeit-Geburts-Fest-Leichen- und andere Gelegenheits-Gedichte.
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Fußnoten

  1. s. Beyträge z. krit. Historie der teutschen Sprache u. Poesie. B. 6. St. 24. S. 601. Breitingers krit. Dichtkunst. B. 2. S. 182.
  2. s. Der teutschen Gesellsch. in Leipz. Nachr. u. Anmerk. welche die Sprache, Bereds. und Dichtkunst d. Teutschen betreffen. St. 4. S. 645.