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Franz Joseph Planes (GND 129480053)


Daten
Nachname Planes
Vorname Franz Joseph
GND 129480053
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Franz Joseph Planes in der BSB

Planes, (Franz Joseph), wurde zu Hirschau, einem Städtchen unweit Amberg (im Regenkreise) den 12. August 1755 geboren, wo er die Anfangsgründe in den Wissenschaften erlernte, bei dem vortrefflichen Chorregenten Johann Christoph Wührl aber in der Musik Unterricht erhielt. Als er in beiden gute Fortschritte gemacht hatte, fand er 1770 unentgeldliche Aufnahme im Seminar zu Amberg, wo er Altsänger geworden, und zugleich am dortigen Gymnasium die Rudiment studirte. Daselbst hatte er Gelegenheit das Klavierspielen fortzuüben, das Violinspielen zu erlernen, und selbst den Generalbaß zu studiren. Als die Sage gieng, daß mir Aufhebung des Jesuiten-Ordens auch die Seminarien eingehen würden, begab sich Planes nach Sulzbach, einer Stadt, in der damals die verwittibte Frau Pfalzgräfinn Franziska Durchlaucht residirte, wo ein Regierungs- und Hofkammer-Collegium bestand, und die sich im Litterarischen sowohl, als auch in der Tonkunst, und sonst im geselligen Umgange besonders auszeichnete, und für die studirende Jugend zur Bildung überhaupt sehr geeignet war. Sehr vortheilhaft war für ihn, daß am Hofe der Frau Pfalzgräfinn Durchlaucht öfters Operetten und auch Konzerte gegeben wurden, wo er Gelegenheit hatte, auch in der Musik sich zu vervollkommnen. Als er die Rhetorik daselbst studirte, starb sein ehemaliger Musiklehrer Joh. Christoph Wührl, und nun erhielt Planes von seiner Vaterstadt den Ruf dessen Stelle zu übernehmen. Nachdem er in München die Prüfung rühmlich bestanden, und sich hierfür ganz geeignet gezeigt hatte, wurde er als Rektor -- diese Benennung erhielt jeder, weil er zugleich Unterricht in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache geben mußte -- und als Chorregent zu Hirschau den 23. März 1775 angestellt. Die Kirchenmusik daselbst zu verbessern, und die dortigen Bürger mit dem neuern Geschmacke der Tonkunst bekannt zu machen, gehörte unter seine ersten Sorgen. Er machte des Pergolesi und Haydn Stabat Mater, Graun’s Tod Jesu s. a. für seinen Musikchor brauchbar, und da er sich überzeugte, daß Menschen, die in ihrer Kindheit schon an Harmonie und Gesang gewöhnt wurden, empfänglicher für das Schöne, Wahre und Gute wären, und ihre Tage zufriedener dahin lebten, so ließ er an seiner Singschule jedermann Theil nehmen, und vernachläßigte beim Unterrichte in der Musik auch die Aestethik nicht. So giengen denn aus dieser seiner Schule viele gute Musiker[1] hervor, und allgemein wurde Gefühl für Musik und alles Schöne in Hirschau aufgeregt.

Planes ist ein guter Baß-Sänger, spielt Violin, Violonzell und den Contrebaß sehr artig, verschafte sich aus Büchern, und eigenem Nachdenken gründliche Einsichten in der Musik und selbst in der Tonsetzkunst, erwarb sich im Fache der Litteratur, überhaupt durch Lektüre ausgebreitete Kenntnisse, und war durch seinen Fleiß und seine Thätigkeit dem Vaterlande Baiern und seiner Vaterstadt ein sehr nützlicher Mann. Ihm danken viele das, was sie sind; denn er legte bei ihnen einen festen Grund in der Moralität, in den Wissenschaften, und in der Musik, daher auch sein Namen in den Annalen seiner Vaterstadt mit Achtung genannt zu werden verdient. Sein Sohn Joseph Planes erhielt von ihm ebenfalls Unterricht in der Musik. Da sein Vater die Kosten nicht zu bestreiten vermochte, um ihn auf eine hohe Schule zu schicken, so nährt er sich gegenwärtig als Oberschreiber bei Königl. Landgerichten.


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Fußnoten

  1. Von diesen verdienen hier besonders genannt zu werden: 1) Ambros Weih, der nun Wagenmeister und Bürger zu Hirschau ist, und den dortigen Chor als ein guter Tenorsänger besucht. 2) Amand Brand, ehedem Benediktiner zu Michaelfeld, nun Mitarbeiter an der Hofbibliothek zu München. 3) Adam Luber, gegenwärtig Aktuar beim Domkapitel zu Regensburg. Er studirte zu Amberg, war daselbst Seminarist, und wurde wegen seiner schönen Stimme Bassist an der Domkirche zu Regensburg. 4) Andreas Wedl, Professor der Physik, Kanonikus bei St. Johann und Königl. baier. Schulrath, ist ein Zögling des Seminars zu Neuburg an der Donau, und ein vorzüglich guter Violinspieler. 5) Joh. Nepomuk Wedl, dermal Weltpriester, ein guter Sänger. 6) Franz Seraph Tritschler, dermal Kooperator zu Kulmain bei Stadt Kemnath, war im Seminar zu Amberg, wo er auch studirte, Sopranist, und in der Folge Präfekt daselbst. Er ist ein guter Violinspieler. 7) Georg Schmid, Handelsmann zu Michaelfeld, spielt mehrere Instrumente ganz artig, und besucht in der dortigen Kirche den Musikchor. 8) Anton Fischer kam anfangs als Sopranist nach Sulzbach, dann in das Seminar nach Amberg, wo er auch studirte. Dermal ist er Baß-Sänger an der Domkirche in Passau. 9) Anton Weich, war als Sopranist zu Amberg, studirte daselbst, und bildet sich als einen guten Tenoristen und Violinspieler. 10) Albin Rogenhofer, Lieutenant bei einem Königl. b. Linien-Infanrie-Regimente, kam als Sopransänger nach Michaelfeld, und dann nach Neuburg a. d. D. in das Seminar, wo er sich nicht nur in den Wissenschaften, sondern auch im Gesange, dann im Klavier- und Violinspielen besonders auszeichnete. 11) Joh. Nep. Rogenhofer, Doktor der Arzneikunde, kam ebenfalls nach Michaelfeld und Neuburg in das Seminar, und wurde ein guter Klavier- und Violinspieler. 12) Joseph Schreiner, ein sehr geschickter Tischlermeister zu Nabburg, erwarb sich im Violinspielen viele Geschicklichkeit, und singt auch ganz artig. 13) Gottfried Wedl, Bürger und Fleischer (Metzger) zu Hirschau, singt noch ganz artig den Baß. 14) Thomas Bieler, bürgl. Hufschmidmeister zu Hirschau, singt auch einen guten Baß u. a. m.