Johann Georg Prändel (GND 116278706)

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Daten
Nachname Prändel
Vorname Johann Georg
GND 116278706
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst

PRÄNDEL (Johann Georg) Professor zu München. Von diesen, selbst in Baiern, theils wenig gekannten, theils verkannten, Gelehrten lieferte ich in der Zeitschr. für Baiern u. die angränzenden Länder (8. München 1816.) B. II. S. 358--365. Nachrichten, und diese sind, meines Wissens, auch die einzigen geblieben, die über ihn erschienen. Johann Georg Prändel wurde am 9. April 1759 zu München von Gypsbrennerleuten gebohren, und konnte, nur von seinem Vater, einem armen und gemeinen, aber mit manchen Kenntnissen begabten Manne, unterrichtet, schon in einem Alter von drey Jahren fertig und richtig teutsch und lateinisch lesen. Das Schreiben lernte er in der Folge von sich selbst, ohne eine Schule besucht, oder einen Informator gehabt zu haben. Am 26. September 1772 trat er zu Oberau einem Dorfe bey Ettal in Oberbaiern, in Bauerndienste, und blieb in dieser Eigenschaft als Knecht bis 3. Februar 1777. Während dieser fünf Dienstjahre traf er bey seinem Bauern zufälligerweise in einem Winkel des Hauses das große Nürnbergische Rechenbuch von Kleemann an, und kam damit, ohne äusserer Anweisung, die unter den Bauern in Oberau ohnehin nicht möglich war, durch Privatfleiß an den Feyertagen, wozu er auch manche Nacht nahm, so weit, daß er die ganze Arithmetik und die Algebra bis zu den höhern Gleichungen von selbst erlernte, und manche unvollkommene Erfindung in der Mathematik machte, von der er in der Folge zu seinem Erstaunen erfuhr, daß sie bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert als vollendet existirte. Auch dichtete er mitunter Volkslieder, sowohl im alten und populärsten (Bairischen) Dialekte, als in reiner (Baierischer) Sprache, die in ländlichen Zirkeln gerne gesungen wurden, und noch itzt bey den Bauern in Oberbaiern bekannt sind. Ohne ein astronomisches Buch und die Nahmen der Gestirne zu kennen, beobachtete er doch den Lauf derselben mit der größten Genauigkeit, und bildete sich hierüber ein System Er gieng dann nach München, und brachte 3 Jahre, theils bey seinen Eltern, theils auf der Hofgypsmühle mit Gypsbrennen zu. Weil er aber, wie seine Anverwandte klagten, das Versemachen und das Rechnen mit Buchstaben nicht lassen wollte, verschaffte ihm Gypsmüller und Stadtrath Joseph Lerch die Bekanntschaft von des damaligen Kurfürstl. Leibarztes Joseph Baaders Söhnen (nämlich von mir, und meinen Brüdern Joseph und Franz, deren Hofmeister dem, bis dahin noch von Niemanden unterrichteten, Prändel täglich 2 Stunden Unterricht in Sach- und Sprachgegenständen im Jahre 1780 mit so gutem Erfolge gab, daß er in Zeit von acht Monathen von der Kurfürstl. Akademie der Wissenschaften, wo er geprüft wurde, das Zeugniß der vollkommenen Fähigleit, in die Rhetorik zu treten, erhielt, in welche er dann am Gymnasium zu München, noch in demselben Jahre 1780 den 3. November, in einem Alter von 21 Jahren kam. Er zeichnete sich in der öffentlichen Schule sehr vortheilhaft aus, und erhielt Preise aus der Mathematik und Dichtkunst. Nach zurückgelegtem ersten Kurse der Phylosophie trat er im Jahre 1783 zu Raitenbuch in den Orten der regulirten Chorherren, welchen er aber, keinen Beruf zum geistlichen Stande in sich fühlend, nach neun Monathen wieder verließ, und hierauf am Lyceum zu München den zweyten Kursus der Philosophie studirte, wo er unter seinen Mitschülern aus der Physik den zweyten, und aus der höhern Mathematik den ersten Fortgangsplatz erhielt. Vom Jahre 1785 an versah er am Lyceum zu München 14 Jahre lang die Stelle eines öffentlichen Repetitors aus der Mathematik und Physik. Im Jahre 1799 kam er als ordentlicher Professor der Physik und Matematik an das Lyceum zu Amberg in der obern Pfalz. Im J. 1801 wurde er von der K. Akademie der Wissenschaften in München auf eine eingesendete Abhandlung: Optische Betrachtung der Kugel, zum korrespondirenden Mitglied ernannt, und auch nach der Reorganisation der Akademie blieb er Ehrenmitglied derselben. Unterm 5ten November 1803 wurde er zum Professor der Mathematik an der K. Pagerie zu München ernannt. Er lebte in einer gesegneten Ehe. Die Mathematik war und blieb bis an sein Ende sein, ihn nie ermüdendes, Studium. Sein früher Hang zur Poesie sprach sich auch noch in spätern Jahren durch manche Gelegenheitsgedichte aus. Er starb am 8. Jäner 1816. Seine Schriften:

  1. 1. Desbillons Fabeln ins Teutsche übersetzt (mit einer Vorrede von Weinzirl). 8. München bey Lindauer 1792. 17 Bog.
  2. 2. Geometrie, und ebene Trigonometrie, nebst ihrer Ausübung auf dem Felde. Mit 9 Kupfern. München bey Lentner. 8. 1793. 13 Bog. 2te Auflage unter dem Titel: Die Elementargeometrie und ebene Trigonometrie, theoretisch und praktisch abgehandelt. eb. 1813. 434 Seiten.
  3. 3. Kugeldreyecklehre, und höhere Mathematik, samt ihrer kleinen Geschichte. eb. 8. 1793. 14 Bog. mit 4 Kupf.
  4. 4. Arithmetik, nebst einer kleinen Globuslehre. 8. eb. 1795. 560 S.
  5. 5. Algebra, nebst ihrer literarischen Geschichte. 8. eb. 1795. 560 S.
  6. 6. Arithmetik, ins Kurze gefaßt, für die ersten Anfänger aufs deutlichste vorgetragen. eb. 1796.
  7. 7. Vollständige Anleitung zur teutschen Versekunst, mit neuen praktischen Beyspielen. eb. 8. 1797. 247 S.
  8. 8. Anleitung zur Landwirthschaftskunde. 8. eb. 1797. 12 Bog.
  9. 9. Meßkunde für die Jugend. 8. eb. 1798. 7 Bog. mit 2 Kupf.
  10. 10. Abhandlung über das Sehen des thierischen Körpers. eb. 1799.
  11. 11. Die Ballistik, oder Anwendung der Parabellehre auf das Bombenwerfen. 8. eb. 1801. 88 S.
  12. 12. Algebra, ins Kurze gefaßt, und mit möglichster Deutlichkeit zum Selbstunterrichte vorgetragen. 8. eb. 1800. 245 S.
  13. 13. Anleitung zur Naturlehre zum Behuf seiner Zuhörer bearbeitet von Maximus Imhof, und aus dem Latein ins Teutsche übersetzt von Prändel. 8. Amberg bey Koch 1802. 344 S.
  14. 14. Dichtungen in Nebenstunden. 8. Amberg und Sulzbach bey Seidel 1802.
  15. 15. Kurze Uebersicht der Mathematik und Physik, wie sie auf dem Kurfürstl. Lyceum zu Amberg dermalen gegeben werden. 8. München bey Lentner 1804. 15 Bog.
  16. 16. Erdglobuslehre, im Verbande mit mathematischer Geographie. 8. Amberg bey Uhlmann 1804. 66 S.
  17. 17. Erdbeschreibung der gesammten Pfalzbaierischen Besitzungen, mit stäter Hinsicht auf Topographie, Geschichte, physische Beschaffenheit, Land- und Staatswirthschaft. Erste Abtheilung. Die Globuslehre, im Verbande mit mathematischer Geographie, die Baierischen Besitzungen im Allgemeinen, das Herzogthum Baiern, die obere Pfalz mit Sulzbach und Pfalzneuburg enthaltend. Amberg bey Uhlmann. 8. 1805. 470 S. 2te Abtheilung, die Pfalzbaierische Provinz in Schwaben, die beyden Fürstenthümer Bamberg und Würzburg, und das Herzogthum Berg enthaltend. 8. eb. 1806. 415 S.
  18. 18. Geographie der sämmtlichen Kurpfalzbaierischen Erbstaaten, ins Kurze gefaßt. eb. 8. 1806. 12 und 266 S.
  19. 19. Sehr faßliche, und größtentheils neue Theorie der unreinen cubischen Gleichungen. 8. München bey Lindauer 1809. 136 S.
  20. 20. Die gemeinützigsten und faßlichsten Sätze aus der Naturlehre, für Real- und Feyertagsschulen. 2 Bändchen. eb. 8. 1809. 418 S.
  21. 21. Mathematische Anweisung, Landkarten nach den Gesetzen der Sphäroidik anzulegen. 4. eb. 1810.
  22. 22. Arithmetik in engerer Bedeutung. 8. eb. 1810.
  23. 23. Die Rechenkunst, besonders die Reesische Regel, in sehr interressanten praktischen Beyspielen, nebst der Decimalrechnung, den Anfangsgründen der Algebra, und der Ausziehung der Quadrat- und Cubikwurzel. 8. Amberg 1812. 334 S.
  24. 24. Das Wissenswürdigste aus der Kosmologie und Chronologie, für Bürger- und Feyertagsschulen. 8. München 1814.
  25. 25. Arithmetik in weiterer Bedeutung, oder Zahlen- und Buchstabenrechnung in einem Lehrkurse. Mit Tabellen über verschiedene Münzsorten, Gewichte, Ellenmaaße, und einer kleinen Erdglobuslehre. 8. München bey Lentner und Leipzig in Commission bey Gleditsch 1815.
  26. 26. Die Sphärig, analytisch vorgetragen, und mit Beyspielen aus der Erdglobuslehre erläutert. 8. eb. 1815.
  27. 27. Arithmetik für angehende Kaufleute und Banquiers. 8. eb. 1815.
  28. 28. Die mathematischen Räthsel und ihre Auflösungen; im Hübschmannischen chronolog. genealog. Handkalender, München, vom Jahr 1797--1804.
  29. 29. Vom baierischen Eisen; eb. 1797.
  30. 30. Vom baierischen Gypse, und vom Berechnen der Ziegelsteine und Dachplatten bey Gebäuden; eb. 1798.
  31. 31. Vom Holzmessen; im Hübschmannischen Schrannen- und Taschenkalender. München 1798.
  32. 32. Etwas über das Floßwesen auf der Isar und Loisach nach München; eb. 1799.
  33. 33. Vom baierischen Holze; eb. 1800.
  34. 34. Etwas über die einheimische Perlen-Fischerey; eb. 1801.
  35. 35. Landwirthschaftliche Bemerkungen über den Unterschied zwischen Oberbaiern und der obern Pfalz; eb. 1802. 1803 und 1804.
  36. 36. Vergleichung der in verschiedenen Ortschaften der obern Pfalz üblichen Getraid-Messereyen mit dem Münchner Getraid-Maaße; eb. 1803.
  37. 37. Rückerinnerung der verschiedenen Neuerungen, die sich in Baiern in kirchlicher Hinsicht ereignet haben; eb. 1803.
  38. 38. Aufsätze in Wieglebs natürlicher Magie, umgearbeitet von Rosenthal.
  39. 39. Rektifikation, Quadratur, und die beyden Kubaturen der Ellipse; in Rosenthals mathemat. Encyklopädie.
  40. 40. Rezensionen in der Oberteutschen allg. Literaturzeitung.
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Fußnoten

  1. s. Gött. gel. Z. 1794. III. S. 1200. Jen. Lit. Z. 1796. S. 521. Neue allg. t. Bibl. B. 18. II. S. 481. Wiener Lit. Z. 1814. Sept. S. 1161.
  2. s. Neue allg. t. Bibl. B. 18. I. S. 95. Gött. gel. Z. 1794. II. S. 1200. Jen. Lit. Z. 1796. I. S. 521.
  3. s. Jen. Lit. Z. 1796. II. S. 640. Neue allg. t. Bibl. Anh. z. B. 1--28. II. S. 235.
  4. s. Jen. Lit. Z. 1796. I. S. 811.
  5. s. Neue allg. t. Bibl. B. 32. I. S. 165.
  6. s. Jen. Lit. Z. 1797. III. S. 390.
  7. s. Neue allg. t. Bibl. B. 36. II. S. 311. Jen. Lit. Z. 1797. IV. S. 423.
  8. s. Neue allg. t. Bibl. B. 55. II. S. 340.
  9. s. Leipz. Jahrb. d. Lit. 1800. IV. S. 561. Jen. Lit. Z. 1801. III. S. 174. Neue allg. t. Bibl. B. 68. I. S. 129.
  10. s. Obert. Lit. Z. 1802. II. S. 1028.
  11. s. Keysers Annalen d. baier. Lit. 1802. I. S. 37.
  12. s. Hall. Lit. Z. 1805. IV. S. 557.
  13. s. Obert. Lit. Z. 1805. II. S. 1073. Hall. Lit. Z. 1807 I. S. 57.
  14. s. Obert. Lit. Z. 1806. I. S. 1115. Jen. Lit. Z. 1806. III. S. 494. Hall. Lit. Z. 1807. I. S. 71.
  15. s. Neue Obert. Lit. Z. 1809. II. S. 110.
  16. s. Neue Obert. Lit. Z. 1809. II. S. 973. Jen. Lit. Z. 1811. II. S. 110.
  17. s. Hall. Lit. Z. 1813. III. S. 655. Jen. Lit. Z. 1814. I. S. 289.