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Johann Joseph Pracht (GND 100229840)


Daten
Nachname Pracht
Vorname Johann Joseph
GND 100229840
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Johann Joseph Pracht in der BSB

PRACHT (Johann Joseph) Unterprimärlehrer zu Eichstädt. Unter den vielen eigenhändigen Selbstbiographien Baierischer Schriftsteller, welche ich besitze, befindet sich auch die von Pracht, einem, seiner Schicksale wegen, allerdings merkwürdigen Manne. Ein Auszug aus dieser Biographie ward bereits früher aus einem einzelnen Blatte gedruckt, welches sich aber längst ganz verlohren hat. Er wurde in der oberbaierischen Stadt Schongau, wo sein Vater Tischlermeister und Bürgermeister war, am 25. Dezember 1765 gebohren, und in dieser seiner Vaterstadt in den Elementargegenständen, den Anfangsgründen der lateinischen Sprache und in der Musik unterrichtet. Sein Vater verschaffte ihm durch den Stadtmagistrat in Schongau den Genuß des Gebratischen Stipendiums im Seminar zu München, wohin der junge Pracht 1776 kam, und wo er die Gymnasialklassen absolvirte, aber 1782, um einem jüngern Bruder Platz zu machen, das Seminar wieder verlassen, und seine Studien am Lyceum zu München, lediglich auf Kosten seines Vaters, fortsetzen mußte. Er hörte nun bis 1784 unter Paul Hupfauer Logik und Metaphysik, und unter Caietan Fischer Mathematik und Physik. Allein es fehlte ihm durchaus an Anlage und Neigung zu diesen Studien, und er übte sich also mehr in der Lektür guter lateinischer und teutscher Schriftsteller, vorzüglich der Dichter, und im Zeichnen. Da seine Eltern bey ihm keine Lust zum Klosterleben fanden, und ihre einzige Hoffnung, an ihm einen geistlichen Herren Sohn zu haben, vereitelt sahen, auch ihr Vermögen ganz unzureichend war, um ihn auf die Universität zu schicken; so drangen sie in ihn, fernere, ihrer Meynung nach ohnehin ganz vergebens verwendete, Kosten zu vermeiden, und das ehrsame Tischlerhandwerk zu ergreiffen. Pracht trat also im Jahre 1784 nach absolvirter Physik mit schwerem Herzen als Lehrjunge in die Werkstätte seines Vaters zu Schongau, und avancirte bald zum wirklichen Handwerksgesellen. Zugleich erlernte er von seiner Mutter das, die geringen Finanzen der Familie auch in Etwas vermehrende, Oblatenbacken, und da er diese kleine Beschäftigung meistens bey der Nacht allein in einem Zimmer am Ofen sitzend verrichtete, benützte er sie nebenbey zum Studieren und Uebersetzen. An den Sonntagen und Feyerabenden las er immer gute Bücher, welche er durch Gefälligkeit des benachbarten Klosters Steingaden, und des damaligen Schongauischen Landrichters Hrn. Franz Xaver Schönhammer erhielt. Im J. 1790 verehelichte sich Pracht als Tischlergeselle mit Johanna Reichard, einer Schuhmacherstochter aus Schongau, und erhielt an ihr eine vernünftige und treue Gattin, eine geschickte und fleißige Hauswirthin. Die ganze Familie lebte nun in Eintracht zusammen; Vater und Sohn arbeiteten mit vereinten Kräften in ihrer Werkstätte, und jeder Erwerb war gemeinschaftlich, so wie jedes Bedürfniß des Hauswesens. Es gab zwar Arbeit, aber die Bezahlung stand damit nicht immer im gehörigen Verhältniß, und die Ausgabe nicht mit der Einnahme, ungeachtet aller Einschränkung, mit der man lebte. Pracht mußte daher auf Verbesserung seiner Lage denken, hielt um Verleihung des zweymal nach einander erledigten Stadtpfarrmeßmerdienstes in Schongau an, ward aber mit seinem Gesuche abgewiesen, trieb daher sein Tischlerhandwerk ruhig fort, und bediente sich nebenbey der Dichtkunst, als eines Wehrmittels gegen Dürftigkeit und Melancholie. Mehrere im Manuscripte von ihm zirkulirende gelungene Gelegenheitsgedichte, und seine 1798 und 1800 im Druck erschienene Uebersetzungen von Phädri und Desbillons Fabeln, verschafften ihm viele Freunde, und vorzüglich in München hohe Gönner, von denen er manche kräftige Unterstützung erhielt. Allein im Jahre 1800 fielen die Lasten des Krieges mit Einquartierungen, vermehrten Abgaben, und dem beynahe gänzlichen Aufhören alles Verdienstes und Nebenverdienstes, schwer aus ihn. Dazu kam noch der, am 27. Dezember desselben Jahres erfolgte, Tod seines Vaters, wodurch er ein ganz baufälliges Haus, mit einigen Grundstücken, und den darauf haftenden, den Werth übersteigenden, Schulden übernehmen mußte. Er arbeitete noch über zwey Jahre auf seiner Profession thätig fort; doch ward seine Lage durch die stets andauernden Einquartierungen, und durch das Drängen seiner Gläubiger um Bezahlung, immer mißlicher, und höchst kummervoll. Am 26 Oktober 1805 wurde er vom damaligen General-Schul- und Studien-Direktorium zu München zum Aktuar beym Ober-Schulkommissariat in Straubing, mit der zwar kleinen, aber bey seiner Genügsamkeit, und bey der Häuslichkeit seiner Gattin, hinreichenden Besoldung von jährlich 350 Gulden, ernannt. Er versah diesen Posten zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten bis zur Aufhebung des erwähnten Ober-Schulkommissariats, und kam dann als Unterprimärlehrer an die Königl. Studienschule zu Eichstädt mit 500 Gulden Gehalt. Von seiner vollendeten Uebersetzung: Palingenii zodiacus vitae, wovon er den ersten Band noch als Tischlermeister, und den zweyten als Ober-Schulkommissariats-Aktuar herausgab, und welche seine Celebrität sehr vermehrte, erlebte er das Erscheinen des dritten und vierten Bandes nicht mehr. Sein früheres trauriges Schicksal, die vielen ängstlichen Sorgen und der heftige Kummer, womit er beynahe stets zu kämpfen hatte, nagten so sehr an seinen Körper- und Geisteskräften, daß er, da er sein Lehramt zu Eichstädt eben erst 6 Monathe lang versehen hatte, 46 Jahre alt, den 4. Junius 1811 an einer Auszehrung starb. Er hinterließ seine Gattin mit fünf unversorgten Kindern. Seine Schriften:

  1. 1. Aug. Lib. Phaedri fabulae aesopicae, nebst einer Uebersetzung in teutschen Reimen. 8. Nürnberg bey Stein 1798. 18 Bog. [1]
  2. 2. Fr. Jos. Desbillons fabulae aesopicae, in teutsche Reime übersetzt. 8. München bey Lentner 1800. 309 S. [2]
  3. 3. Marcelli Palingenii stellati poetae zodiacus vitae, oder Thierkreis des Lebens, in teutsche Reime übersetzt. 8. Erster Band, im eigenen Verlage zu Schongau 1803. 217 S. 2ter Band. München bey Zangl 1804. 337 S. 3ter und 4ter Band. München gedruckt bey Seybold 1813--1815. [3]
  4. 4. Patriotische Empfindungen bey der Erhebung Baierns zum Königreiche. 4. Straubing 1806.
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Fußnoten

  1. s. Jen. Lit. Z. 1798. IV. S. 657. Erlang. Lit. Z. 1799. S. 653. Neue allg. t. Bibl. B. 46. I. S. 245. Tüb. gel. Z. 1799. S. 429.
  2. s. Jen. Lit. Z. 1802. II. S. 668.
  3. s. Obert. Lit. Z. 1803. II. S. 801. und 1805. I. S. 95.