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Gregor Leonhard Reiner (GND 100395236)


Daten
Nachname Reiner
Vorname Gregor Leonhard
GND 100395236
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Gregor Leonhard Reiner in der BSB

REINER (Gregor Leonhard) Professor zu Landshut. Er wurde am 6. Februar 1756 zu Murnau in Oberbaiern geboren, studirte in den Klöstern zu Ettal, Polling, und Schussenried, dann am kathol. Gymnasium und Lyceum zu Augsburg, und trat 1774 zu Steingaden in Oberbaiern in den Prämonstratenser Chorherrenorden. Nach abgelegten Ordensgelübden, und vollendeten theologischen Studien wurde er auf Unkosten seines Stiftes nach Polling gesendet, wo er, vorzüglich unter Gerhoh Steigenbergers Anleitung, Philosophie, Mathematik, und Literägeschichte studirte, und 1779 in sein Kloster zuruckkam, wo er sogenannter Professor domesticus ward, und seinen Ordensbrüdern Philosophie lehrte. Im J. 1781 berief man ihn nach Ingolstadt, um als ordentl. Universitäts Professor theoretische und praktische Philosophie vorzutragen, wozu 1784 auch noch die Lehrkanzel der Universalgeschichte kam. Sein Vortrag, besonders über manche biblische Geschichten, war zu freymüthig, oft unklug, und unkatholisch. Seine zu profane Kleidung erschien orthodoxen Geistlichen anstößig, und Professor Wolfgang Fröhlich fand daher Ursachen genug, den aufstrebenden Reiner bey dem Bischöflichen Ordinariat in Eichstädt anzuklagen. Dieses berichtete hierüber nach München, und von da kam, ohne weiterer Untersuchung, sogleich nach Ingolstadt der Befehl, daß Reiner des Lehramtes entsetzt sey, und innerhalb 24 Stunden die Stadt räumen müsse. Er wurde, nach seinen eigenhändigen, mir über seine Schicksale mitgetheilten Nachrichten, gar niemahls wegen den ihm zur Last gelegten Punkten, und den ihm unbekannt gebliebenen Anschuldigungen vernohmen, und ihm alle Erlaubniß versagt, sich zu vertheidigen. Der geheime Rath Herr Graf Max von Preysing in München, der Reiner’s vorzügliche Fähigkeiten kannte, nahm ihn als Hofmeister für seine Söhne auf, und er stand diesem Posten von 1785 bis 1789 vor. Hierauf übertrug ihm sein Prälat Gelbert Michl, der sein Freund war unter sehr vortheilhaften Bedingungen, die Professur der Philosophie im Kloster, und die Bibliothekärsstelle. Im Jahr 1799, bey dem Eintritt der neuen erlauchten Regierung Baierns, wurde Reiner wieder aus seinem Kloster auf die Ehrensvollste Art an seinen vorigen Posten als Universtäts Professor der Philosophie berufen. Er war in der alten und neuen klaßischen Literatur sehr bewandert, und verband mit dem Reichthume seiner Kenntnisse einen lebhaften und angenehmen Vortrag. Er starb zu Landshut zähen Todes am 15. Februar 1807. Die Universität hielt ihm keine Denkrede und sein Grabhügel bekam keinen Leichenstein. Er schrieb:

  1. 1. Allgemeiner Ueberblik der gesamten Mathematik. 4. Füssen b. Mayr. 1795. 24 S.
  2. 2. Die Grundlehren der Arithmetik und Algebra; aus den Lehrbüchern der Hrn. Kästner und Lorenz ausgezogen, und zum Gebrauch der Vorlesungen eingerichtet. 4. ebend. 1796. 139 S. [1]
  3. 3. Kants Theorie der reinen moralischen Religionslehre, mit Rücksicht auf das reine Christenthum kurz dargestellt. 8. Riga b. Hartknoch (München b. Lindauer) 1796. 190 S. [2]
  4. 4. Allgemeine Rechtslehre nach Kant, in Vorlesungen. 8. Landshut b. Attenkofer. 1801. 230 S. [3]
  5. 5. Mehrere anonyme Schriften, und Aufsätze in Journalen.
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Fußnoten

  1. s. Gött. gel. Z. 1797. III. S. 1480. Neue allg. t. Bibl. B. 34. I. S. 30. Jen. Lit. Z. 1798. II. S. 78.
  2. s. Jen. Lit. Z. 1796. IV. S. 539. Obert. Lit. Z. 1798. II. S. 969.
  3. s. Obert. Lit. Z. 1801. II. S. 209. Keysers Annalen d. baier. Lit. 1802. I. S. 70. Hall. Lit. Z. 1805.