Patritius Benedikt Zimmer (GND 10071398X)

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Daten
Nachname Zimmer
Vorname Patritius Benedikt
GND 10071398X
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft, Religion

ZIMMER (Patritius Benedikt) Professor der Theologie zu Landshut. Er wurde den 22. Februar 1752 zu Abtsgmünd im Ellwangischen (nun zum Königreiche Würtemberg gehörig) gebohren, wo sein Vater Joseph Zimmer Wundarzt war. In Ellwangen absolvirte er die Gymnasialklassen, und die Philosophie, und studirte dann an der damahligen hohen Schule in Dillingen Theologie und die Rechte. In der Fasten des Jahres 1775 erhielt er die Priesterweihe, wurde im J. 1777 im Studienconvikte zu Dillingen als Repetitor des Kirchenrechts, und 1783 als öffentlicher Professor der dogmatischen Theologie an der Universität aufgestellt. Dieser Lehrstelle stand er zwölf Jahre vor, während welcher Zeit er im J. 1791 zugleich Pfarrer in Steinheim bei Dillingen wurde. Im J. 1795 wurde er der Professur entlassen, aber 1799 an die Universität nach Ingolstadt als Lehrer der Dogmatik berufen, und 1800 mit der Universität nach Landshut versetzt. Hier erfuhr er, wie früher in Dillingen, eine unverdiente harte Verfolgung, welcher er nur mit Stillschweigen und Rechtthun begegnete, die aber doch im November 1806 seine Quiescirung zur Folge hatte. Doch schon im Anfang des Sommersemesters 1807 wurde Zimmer an derselben Universität Landshut wieder in Thätigkeit gesetzt, und zwar als Professor der Archäologie und Exegese. Im J. 1819 wurde er zum Universitätsrektor in Landshut, und zum Abgeordneten zur zweyten Kammer der Baierischen Ständeversammlung in München gewählt. Er war der Philosophie, Theologie, und des Kirchenrechts Doktor, Königl. Baierischer wirklicher geistlicher Rath, und lehrte bis zu seiner letzten Krankheit an der Sektion der Theologie zu Landshut die theologische Literärgeschichte, die Patrologie, und die biblische Archäologie. Professor Zimmer wurde durch seine Talente, und durch sein tiefes Denken und Forschen einer der vorzüglichen und berühmtesten katholischen Theologen, besonders in Bezug auf Dogmatik, und auf Verbindung der Philosophie mit der Theologie. In seinen Lehrvorträgen herrschten immer Gründlichkeit, Deutlichkeit, und Bestimmtheit, und seine seltene Lehrgabe, die in der lebendigen Anschauung der Wahrheit ihren Grund hatte, und in der gleich lebendigen Darstellung derselben fortbestand, war es, die auf seine empfänglichen Zuhörer einen unauslöschlichen Eindruck machte, und denselben eine unerschütterliche Verehrung für ihren Lehrer einflößte. Sich gleich, sagt Sailer von ihm, und Eins mit sich im Denken und Lehren, war er es auch in seinem übrigen Leben. Dieselbe Festigkeit und Bestimmtheit des Geistes, mit welcher er die Gegenstände seines Lehrfaches behandelte, hatte sich auch seinem sittlichen Charakter so eingedrückt, daß er im Umgange die nämliche feste und bestimmte Haltung seines ganzen äussern Menschen darstellte, und behielt, die er als Professor auf dem Catheder hatte. Sein ganzes Wesen voll Würde, sein hoher, Achtung gebietender, Ernst, mit dem er auch die minder wichtigen Dinge des Lebens verfaßte, konnte sich im kleinen Kreise des häuslichen und gesellschaftlichen Lebens so wenig, als im grössern seines öffentlichen Lehrberufes verläugnen. Ueberall erschien er als derselbe ernste, feste Mann, dem es nur um Wahrheit und Recht zu thun ist. Mit seinem Ernste waren Demuth, Liebe, und Freundlichkeit, die strengste Moralität, und die reinste Religiosität verbunden. Er war der beste, und selbst bei seinem permanenten Eifer, der immer kräftige, manchmal derbe, Worte erzeugte, liebenswürdigste Gesellschafter, voll Offenheit, Unbefangenheit, und Herzlichkeit. Die Wahrhaftigkeit war der wesentliche Schmuck seines Wortes; die Falschheit war war ihm zuwider, und Nichts wurde von ihm mehr gehaßt, als Heucheley. Seine zu grosse Freigebigkeit, bei einem hiezu nicht hinreichenden Einkommen, setzte ihn manchmal in peinliche Verlegenheiten. Es ward ihm schwer, einem verschämten Dürftigen, noch schwerer, einer Hilfebedürftigen Familie, eine erbetene Unterstützung zu versagen; am liebsten kam er immer gleich mit seiner Gabe der Bitte bevor. Schon einigemal hatte eine Krankheit, welche sich vorzüglich durch beengtes Athmen, und sehr heftiges Herzklopfen offenbarte, und innere organische Fehler anzeigte, die sich auch nach seinem Tode bei der Sektion des Körpers zeigten, das Leben Zimmer’s mit Gefahr bedrohet; allein geschickte ärztliche Hilfe stellten ihn wieder auf einige Zeit her. Für die Herbstferien des Jahres 1820 begab er sich auf seine Pfarrei nach Steinheim, und kam nicht wieder zurück. Es überfiel ihn eine nervöse Apoplexie, an deren schnellen Folgen er den 16. Oktober 1820 in seinem Pfarrhause zu Steinheim starb, und auf dem Kirchhofe des Dorfes begraben wurde. Was man von Wenigen sagen kann, darf ich von Zimmer behaupten: Das, ihm von seinen Freunden in seinem Leben und nach seinem Tode gespendete, Lob ist wahr und gerecht, der Tadel seiner Gegner unwahr und ungerecht. -- Seine Schriften:

Vergl. Patritius Benedikt Zimmer’s kurzgefaßte Biographie, u. ausführliche Darstellung seiner Wissenschaft (verfaßt von Joh. Mich. Sailer, und Joseph Widmer), herausgegeben von Joh. Mich. Sailer. Mit dem (nach einem Gemälde des Grafen August von Seinsheim von Schleich gestochenen) Bildniß des Verblichenen 8. Landshut b. Krüll 1822. 12 Bog. Jos. Widmer’s Nachtrag zu Zimmer’s kurzgefaßten Biographie, oder dessen Theologie u. Philosophie in gedrängter Kürze. 8. Uri b. Zgraggen. 1823. 359 S. Gradmann’s gel. Schwaben S. 810. Meusel’s gel. Teutschland B. VIII. S. 693. B. X. S. 856. u. B. XVI. S. 313. Reithofer’s Gesch. und Beschreibung der Ludwig Maximilians Universität in Landshut S. 171. Felder’s u. Waitzenegger’s Gel. Lexikon der teutschen kathol. Geistlichkeit B. II. S. 540--543. u. B. III. S. 589. Münchner Literaturzeitung 1820. St. 87. S. 695. Repertorium allg. der Literatur 1785--1795.

  1. 1. Diss. dogmatica de vera et completa potestate ecclesiastica, illiusque subjecto, prout illa a Christo instituta, et hoc ab eodem determinatum est. 4. Dilling. 1784. 228 S.
  2. 2. Theologiae christianae theoreticae systema, eo nexu atque ordine delineatum, quo omnium optime tradi explanarique videtur. Sectio I. ibid. 8. 1787.
  3. 3. Theologia christiana dogmatica. Sectio I. Aug. Vindel. ap. Rieger 8. 1789. 463 S. Sectio II. ib. 1790 226 S.
  4. 4. Veritas christianae religionis, seu Theologiae christianae dogmaticae Sectio I. ib. 1789. Sectio II. 1790. Ist die vorstehende Schrift, mit verändertem Titel angezeigt.
  5. 5. Fides existentiae Dei, seu de origine hujus fidei, unde ea derivari possit et debeat, criticum examen, una cum selectis ex universa Theologia positionibus. 8. Dilling. 1791.
  6. 6. Theologiae christianae specialis et theoreticae Pars I. de Deo in se, sive quid sit Deus? 8. Landish. ap. Weber 1802 48. u. 323. S. Pars II. de Deo pro nobis, sive quid Deus pro homine sit, complectens Sectionem primam de Deo creatore, et partem Sectionis secundae de Deo gubernatore. ib. 1803. 340 S. Pars III. de Deo pro nobis, complectens reliquam partem Sectionis secundae de Deo gubernatore. ib. 1804. 380 S. Pars IV. ib. 1806.
  7. 7. Philosophische Religionslehre. Erster Theil. Lehre von der Idee des Absoluten. Landshut b. Weber. 8. 1805. 268 S.
  8. 8. Philosophische Untersuchung über den allgemeinen Verfall des menschlichen Geschlechts. Erster Theil. 224 S. 2ter Theil. 220 S. 3ter Theil. ebend. 8. 1809.
  9. 9. Untersuchung über den Begriff und die Gesetze der Geschichte, über die vorgeblichen Mythen im ersten Buche Moses, u. über Offenbarung und Heidenthum, als Einleitung in die Geschichte des menschlichen Geschlechts, in so fern sie Geschichte der Völker der alten Welt ist. 8. München b. Lentner 1817.
  10. 10. Erklärung an das Publikum; in der Oberteutschen allg. Literat. Zeitung 1805. II. S. 15.
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Fußnoten

  1. s. Neue Lit. d. kath. Teutschl. B. II. S. 526.
  2. s. Allg. t. Bibl. B. 94. I. S. 77. u. B. 99. I. S. 43. Obert Lit. Z. 1790. I. S. 209. u. II. S. 972. Tüb. gel. Z. 1787. S. 249. Lit. Mag. f. Kath. I. S. 110.
  3. s. Obert. Lit. Z. 1802. II. S. 268. u. 1805. II. S. 321. Annalen d. baier. Lit. 1802. I. S. 302. Kaplers Mag. 1802. II. S. 218. Felders Lit. Z. 1811. I. S. 266.
  4. s. Obert. Lit. Z. 1806. I. S. 865. Jen. Lit. Z. 1806. II. S. 313. Mastiaux Lit. Z. 1819. IV. S. 225.
  5. s. Gött. gel. Z. 1811. II. S. 1582. Felders Lit. Z. 1810. II. S. 217. u. 268.
  6. s. Felders Lit. Z. 1818. II. S. 377.