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Iohann Ioseph Gassner (GND 116450274)


Daten
Nachname Gassner
Vorname Iohann Ioseph
GND 116450274
( DNB )
Wirkungsgebiet Religion


BSB Iohann Ioseph Gassner in der BSB

GASSNER (Iohann Ioseph), Weltpriester und Pfarrer zu Bonndorf bey Regensburg in Baiern. Er war am 20sten Aug. 1727 zu Bratz bey Bludenz in Schwaben geboren, und erhielt weder von der Natur die Fähigkeit, noch von seinen Eltern und Lehrern die Anleitung, ein aufgeklärter und gelehrter Mann zu werden. Er wurde, ohne sich auszuzeichnen, auf die alltäglichste Weise Student, Priester und Pfarrer, und wäre der politischen und literarischen Welt unbekannt geblieben, wenn er nicht im Iahre 1774 als ein Teufelsbeschwörer aufgetretten wäre, und zuerst durch ganz Schwaben und Baiern, und bald durch das ganze übrige Teutschland seinen Ruf ausgebreitet, und viele tausend Menschen bethört hätte. Er war Pfarrer zu Klösterle in Schwaben. Sein Schauplatz war das Frauenkloster Söflingen bey Ulm, dann Ellwangen, und die Hauptepoche seines Wirkens währte von 1774 bis 1776. Er gab vor, dass beynahe alle körperlichen Krankheiten vom Teufel herkommen, machte über jeden Kranken, dessen Imagination durch Geschrey und Zeremonienwesen exaltirt und von ihm abhängig gemacht werden konnte, Exorzismen, und brachte wirklich ausserordentliche, aber dem Psychologen nicht ganz unerklärbare Wirkungen hervor. Viele von den Kranken, die zu ihm kamen, blieben ungeheilt, und viele, die geheilt schienen, bekamen ihr voriges Uebel, oft stärker, als vorher, sobald der auf ihre schwache Phantasie und ihr Gemüth gemachte heftige Eindruck und Reiz vorüber war. Auch gab es Patienten, die nur Verstellungsrollen spielten. Der damalige Fürstbischof von Regensburg gab Gassnern die Pfarrey Bonndorf, wo er im April 1779 im 52ten Lebensjahre starb.

Als Schriftsteller lieferte Gassner:

Weise, fromm und gesund zu leben, auch ruhig und gottselig zu sterben, oder nützlicher Unterricht, wider den Teufel zu streiten, durch Beantwortung der Fragen: I. Kann der Teufel dem Leibe der Menschen schaden? II. Welchen am meisten? III. Wie ist zu helfen? Mit Erlaubniss geistlicher Obrigkeit. 8. Kempten 1774, 2 Auflagen. 3te vermehrte Auflage, 8. Augsburg 1775. Wurde öfters nachgedruckt.

S. ADB. 24. B. II. S. 620. Literatur des kathol. Teutschl. B. I. Heft. 2. S. 140. u. H. 3. S. 82.

Antwort auf die Anmerkungen, welche in dem münchnerischen Intelligenzblatt vom 12ten Nov. wider seine Gründe und Weise zu exorciren gemacht werden, 8. Augsburg 1775.

S. ADB, 24 B. II. S. 623.

Tägliche Ermahnung 8. Regensburg 1774.

  • Antwort auf das Sendschreiben des Hrn. R. an Hrn. R., 8. Regensburg 1775.

Segen und Weise, wider die Anfechtungen der Hölle zu streiten, 8. Augsb. b. Bullmann 1774.

Nützlicher Unterricht, wider den Teufel zu streiten, abgekürzt, 8. Würzburg 1776.

In der Gassnerischen Sache erschienen pro und contra über 40 kleine Schriften. -- Sein Porträt wurde öfters in Kupfer gestochen.

S. Eigne Sammlungen. Meusels gel. Teutschl. 4te Ausg. Viele Privat-Nachrichten. ADB. 75. B. S. 436--442. Wielands teutsch. Merkur 1784. St. IV. S. 60--90 u. 161--178. Archiv der Schwärmerey und Aufkl. Hamb. 1788. B. 1 u. 2. Ans. Rabiosus Reise durch den baier. Kreis 1778. S. 90. Annalen der baier. Lit. B. II. S. 135. Nov. Biblioth. eccles. Friburg. B. V. Fasc. 3. S. 420--443. Allg. theol. Bibl. Mietau, B. VI. S. 251. Sterzingers aufgedeckte Gassnerische Wunderkuren, 8. München, 1775. Westenrieders Beyträge zur vaterl. Historie B. I. S. 344. Teutsche Chronik 1774. Ienaer ALZ. 1788. I. S. 18. Hirschings hist. lit. Handbuch. B. II. Abth. I. S. 374. Kohlbrenners Materialien 1774. S. 167. Ladvokats fortges. hist. Handwörterbuch. B. V. S. 613.


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