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Benno Ortmann (GND 123883520)


Daten
Nachname Ortmann
Vorname Benno
GND 123883520
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst, Religion, Wissenschaft


BSB Benno Ortmann in der BSB

ORTMANN (Benno) Congregations-Präses zu München. Er wurde am 1. Februar 1752 zu Mariaort eine Stunde von Regensburg gebohren, und erhielt in der Taufe den Nahmen Johann Baptist; denn den Nahmen Benno bekam er erst im Kloster. Sein Vater war ein Steinbrecher und Ziegelbrenner. Doch so arm die Eltern waren, sorgten sie doch sehr für des Sohnes Erziehung, und schickten ihn, ehe er vollends fünf Jahre alt war, in die Schule. Noch nicht vollends sieben Jahre alt, wurde er im Kloster Prüfling als Ministrant (Altardiener bey der Messe) angestellt, wurde dann Singknabe im Klosterseminar, und erhielt die zweckmäßigste Vorbildung für die Studien. In seinem zwölften Lebensjahre kam er nach Regensburg in die öffentlichen lateinischen Schulen, wo sein Unterhalt gegen vier Jahre lang sehr ärmlich ausfiel, indem er seine tägliche Mittagskost an Klosterporten, und in Privathäusern erbetteln mußte. Doch durch Fleiß und Talente verbesserte er nachher seine Lage, wurde in der Gymnasialklasse der Poesie Repetitor, und erwarb sich auch durch sein dramatisches Spiel in den sogenannten Exercitiis scholasticis, wo von den Studenten lateinische Theaterstücke, und kleine teutsche Singspiele aufgeführt wurden, und durch vorzügliche Geschicklichkeit in der Musik, so wie durch seine gute Sitten, viele Gönner und Freunde. Er wurde als erster Violinist in das damalige Seminar für Studierende nach Landshut berufen, und endigte daselbst zugleich, und zwar mit Ehre, das philosophische Studium. Im Jahre 1773 trat er zu Prüfling (auch Priefening genannt, unweit Regensburg) in den Benediktinerorden, machte nach dem im Kloster Scheuern bestandenen Probejahr, den 1. November 1774 die Ordensprofeß, und ward, nach absolvirten Studien der Theologie und des Kirchenrechts, den 5. Oktober 1774 zum Priester ordinirt. Er übte hierauf mit Eifer und Klugheit die Seelsorge aus, bis er von seinen Ordensobern zum Inspektor des Klosterseminars aufgestellt ward. Im Jahre 1782 erhielt Ortmann den Ruf an das Gymnasium nach Amberg als Lehrer der ersten Grammatik, und kam 1784 an die Klasse der Poesie, die er dann, mit der Rhetorik abwechselnd, bis 1794 lehrte. Als Rhetor war er Präses der sogenannten kleinen Congregation, welche er in ein niedliches Odäum umschuf, und wo er eine neue Kanzel für die rhetorischen und poetischen Deklamationen aufstellte, die wochentlich unter den Schülern statt hatten, um sie an ordentlichen und öffentlichen Vortrag zu gewöhnen. Im Jahre 1794 folgte er dem Rufe nach München als Gymnasial-Professor der Rhetorik. Hier wurde ihm auch die Mitinspektion des Seminars, dann zugleich der Unterricht über geistliche Beredsamkeit für die Kandidaten der Theologie am Lyceum übertragen. Im Jahre 1798 wurde er zum Präses der größern lateinischen Congregation gewählt, an der er bis 1803 nach hergebrachter Sitte lateinisch predigte. Nachdem die Congregation in die Dreyfaltigkeits-Kirche am Promenadeplatz war versetzt worden, wurden teutsche Anreden eingeführt. Bey der im Jahre 1800 vorgefallenen Studienreformation verlohren die Klöster die Aufsicht und Lehrstühle der Gymnasien und Lyceen, und daher auch Ortmann seine Professur. Er blieb aber Congregations-Präses, da diese Funktion ausser Zusammenhang mit den Studienanstalten stehet, bis zu seinem am 7. März 1811 erfolgten Tod. Benno Ortmann verdient, als Klostergeistlicher, als Professor, als Prediger und als Schriftsteller, die Achtung auch der Nachwelt, und er leistete durch seine Lehren, und durch das Beyspiel seines Lebenswandels, ungemein viel Gutes. Seine freundliche Bereitwilligkeit, in gelehrten Angelegenheiten jede erbetene Auskunft, die ihm möglich war, sogleich zu ertheilen, muß auch ich dankbar anrühmen, da er unter meine literarische Korrespondenten gehörte. Seine Schriften:

  1. 1. Plan der Gegenstände aus der Dichtkunst. Amberg. 8. 1785. 18 S.
  2. 2. Gegenstände der ersten Rhetorik zu Amberg. 8. 1787. 16 S.
  3. 3. Drey Cantaten, zu Ehren des Abts Martin vom Kloster Prüfling. 1785--1788.
  4. 4. Zwey festliche Gesänge auf die Wahlfeyer des Abts Rupert von Prüfling. 8. Amberg 1793.
  5. 5. Drey Schlitaden (Schlittenfahrten) als Faschingslustbarkeiten für die Studenten in Amberg.
  6. 6. Die ersten Anfangsgründe für die italienische Sprache. 8. Amberg bey Koch 1793.
  7. 7. Ode auf die Wiedergenesung Sr. Herzogl. Durchlaucht Karl von Zweybrücken.
  8. 8. Bardenode auf die Wiederkehr Seiner Kurfürstl. Durchlaucht Karl Theodor’s von Mannheim nach München.
  9. 9. Umfang der heutigen Poesie im Allgemeinen und Besondern; zum gebrauche der Vorlesungen in lateinischen Schulen. Erster Theil. 8. Sulzbach bey Seidel. 2ter Theil, auch unter dem Titel: Fortschritte des menschlichen Geistes in Betreff der teutschen Poesie, mit beständiger Rücksicht auf Baiern. eb. 1809. [1]
  10. 10. Beredsamkeit in ihrer Uebersicht, oder Plan der rhetorischen Gegenstände. 8. München bey Zangl 1795.
  11. 11.* Epithalamium auf die festliche Vermählung des durchlaucht. Kurfürsten Karl Theodors mit Maria Leopoldine. 4. München 1795. 2 Bog. [2]
  12. 12. Triumph der Künste und Wissenschaften; Cantate bey der öffentl. Preisevertheilung. eb. 8. 1795.
  13. 13. Eine Schäfer Cantate, bey Gelegenheit der Zurückkunft der von den Franzosen zu Amberg mitgenohmenen Geiseln. 8. 1796.
  14. 14. Christlich patriotische Zusprache an die Studierende meines Vaterlandes, ein Erbauungsbuch; dem Magistrat in München zugeeignet. 8. München bey Lentner 1797.
  15. 15. Principia cum sacrae, tum civilis eloquentiae, in usum auditorum collegit, disposuit, illustravit. 8. ib. 1797. 307 S. Neue Auflage. 1800. [3]
  16. 16. Einklang der studierenden Jugend des Gregorianischen Hauses in die allgemeine Landesfreude, beym feyerlichen Einzug des Durchlaucht. Landesfürsten Maximilian Joseph; ein Feyerlied. 4. München 1799.
  17. 17. Moralität gründete von jeher der Staaten Glück. Verdient sie nicht im öffentlichen Unterrichtssysteme einen vorzüglichen Rang? warum, und wie soll sie erzielet werden? Einige Reflexionen, abgelesen bey der feyerlichen Preisevertheilung. 4. eb. 1799.
  18. 18. Deus in suis perfectionibus. ib.
  19. 19. Discursus christiano morales in odeo congregationis latinae habiti, in compendium redacti, et xenii loco decenti reverentia oblati. 8. ib. 1800.
  20. 20. Mehrere sogenannte Xenien für die lateinische Congregation in München.
  21. 21. Codex scripturisticus relationem hominis ad Deum delineans, duo tomuli; additae sunt antiquitatis ethnicae sententiae homogeneae.
  22. 22. Harmonie der Evangelien, mit Erläuterungen, in fünf Abtheilungen.
  23. 23. Das Beten in Geist und Wahrheit; ein Gebetbuch.
  24. 24. Philosophisch christliche Betrachtungen auf die Festtage des Herrn.
  25. 25. Facies primaeve ecclesiae christianae in Bavaria usque ad saeculum X. ad optimorum scriptorum testimonium adumbrata. Monachii. 8. 1803.
  26. 26. Die Cokarde, ein Gelegenheitsgedicht.
  27. 27. Gedicht bey der Wiederkehr der Bojer aus dem Felde.
  28. 28. Mehrere Schützenlieder, für die Jakobi Dult in München.
  29. 29. Georg der Seinsheimer, eine Biographie zur Beleuchtung des von Seinsheimischen adelichen Stammes. 8. Augsburg bey Platzer 1805.
  30. 30. Biographie des erlauchten Helden und Staatsmannes, Grafen Ludwig von Seinsheim, mit beständiger Rücksicht auf die Reichsbegebenheiten. 8. eb. 1805.
  31. 31. Geschichte des altadelichen Spretischen Hauses; Ursprung und Fortblüthe in Ravenna und Baiern, mit historischen Reflexionen dargestellt, nach den bewährtesten Urkunden. 8. Nürnberg und Sulzbach bey Seidel 1806. 142 S. [4]
  32. 32. Christliche Reden und Predigt Skizzen. Erster Theil. Augsburg bey Platzer. 8. 1806.
  33. 33. Auli Flacci Persii satyrae, cum paraphrasi teutonica, et notis illustrantibus. Monachii. 8. 1807. 130 S. [5]
  34. 34. Ein allegorisches Gemälde auf die hohe Vermählung des Erbprinzen Wilhelm mit Königl. Hoheit Charlotte Augusta. 8. München 1808.
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Fußnoten

  1. s. Neue allg. t. Bibl. Anh. z. B. 1--28. III. S. 158.
  2. s. Obert. Lit. Z. 1795. I. S. 791.
  3. s. Münchner Int. Bl. 1799. I. S. 216. Obert. Lit. Z. 1799. I. S. 259.
  4. s. Obert. Lit. Z. 1806. II. S. 935.
  5. s. Jen. Lit. Z. 1807. III. S. 529.