Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Karl Reinhard (GND 116419784)


Daten
Nachname Reinhard
Vorname Karl
GND 116419784
( DNB )
Wirkungsgebiet Kunst


BSB Karl Reinhard in der BSB

Reinhard, (Karl), geboren 1763 im Gothaischen, gieng eigentlich erst 1787 bei Klooß in Bonn und Cöln ganz zum Theater über, denn die drei Jahre vorher privatisirte er in Frankfurt am Main, in Mannheim, und der Rheingegend, und war nur wenige Monate bei zwei reisenden Gesellschaften. Bei Klooß fand er damals die beßte Oper in Deutschland, und sang Aushilfrollen. Als zwei Jahre darauf Klooß die Gesellschaft aufgab, gieng Reinhard von Achen, wo das letztere geschah, nach Holland, wo er zuerst in deutscher, dann aber in holländischer Sprache auf einigen Liebhaber-Theatern sang und spielte. Das Jahr darauf begab er sich zum Schweriner-Theater und war dann eine kurze Zeit darauf mit Tilly in Lübek und Braunschweig, wo er auch noch zuweilen den Himmelsturm im Deserteur, Conrado in der Lilla, den Sichel im Doktor und Apotheker, und den Capellet in Romeo und Julie, und mehrere andere Rollen in Singspielen sang, bis er 1793 im Dezember nach Hamburg zum Schröderschen Theater kam, und den Gesang in der Oper nun ganz aufgab. Kurz vorher hatte er geheirathet, Charlotte Henriette Sallbach, geboren 1776 zu Frankfurt an der Oder. Er spielte in Hamburg gesetzte Liebhaber, Helden und Charakterrollen; seine Gattinn hatte, bevor sie nach Hamburg kam, nur noch wenig gespielt, und bildete sich daselbst unter den großen Schröder zu Rollen der Königinn, Heldinnen und Damen, und entsprach um so mehr, als sie die Natur mit einem hehren, simmetrischen, großen und schlanken Wuchs, einer sehr schönen Bildung ihres Angesichts, einem vortrefflichen Organ, mit einer ausnehmenden Grazie, und feinem Gefühle reichlich beschenkt hatte, und also Schröder nur diese Grazie zu erhöhen, und ihre natürliche Anlage zur Schauspielkunst zu entwickeln brauchte. Als Schröder 1797 das Theater verpachtete, giengen Reinhard und dessen Gattinn nach Frankfurt am Main, im folgenden Jahre aber nach Hannover, wo er zuerst unter der Entrepriße von Walter und Reinicke als Mitglied einer Comitee das Theater dirigiren half, und vier Jahre später, auf Befehl der dortigen Regierung, und unter der Oberdirektion des Stallmeisters von dem Busche, ein Theater für immer errichtete, welches eine, von allen Bühnen ganz abweichende Constitution hatte, und womit ein Pensionsfond verbunden war, nach welchem die Schauspieler nur 15 bis 20 Jahre höchstens beim hannövrischen Theater bleiben durften, und dann 1/3 Theil, oder die Hälfte ihres Gehaltes Zeitlebens bezogen. Die Occupation dieses Landes, durch die Franzosen, vernichtete dieses Theater, und Reinhard gieng mit seiner Frau im Dezember 1803 nach Berlin, wo sie, zwei Jahre früher, mit ausgezeichnet großem Beifalle Gostrollen gegeben hatten, und weßwegen der berühmte Iffland ihnen sogleich ein Engagement angeboten hatte, das sie auch annahmen. In Berlin trat Reinhard in des vortrefflichen Schauspielers Fleck Stelle, so wie ehemals in Hamburg in die des berühmten Zuccarini. Madame Reinhard fand daselbst keine offene Stelle. Aber eben in Berlin erhielten beide Eheleute einen Ruf zum Hoftheater nach München, und als Reinhard’s Gattinn jene durch den Abgang der Madame Meyer, nachherigen Händel, geworden wäre, hatten sie sich schon in München verpflichtet, und traten dieses neue Engagement den 20. Junius 1805 an. Reinhard’s innerer Beruf und mächtiger Hang für die Kunst, treibt ihn an sie überall aufzusuchen, und, wo er sie findet, zu verherrlichen. Man kann sagen, daß er sich mehr Mühe giebt, fremde Verdienste, als seine eigenen zu erheben. Sein schön gebauter, nervigter Körper ist aller Bewegungen, in denen Würde und Anmuth herrscht, fähig, und seine männliche Römerstimme erhebt sich beinahe von der süßen Flöte bis zur schmetternden Tuba. Er ist ein Schauspieler von tiefer Einsicht, mit der er große praktische Gewandheit, Selbstständigkeit und Fleiß verbindet. Diese und seine deutliche, gute Aussprache machen ihn dem Königl. Hofe und dem Münchener Publikum sehr beliebt, und krönen mit lautem Beifalle seine Verdienste um die Kunst und die Bühne. Gleiche Ehre wiederfährt seiner Gattinn, auch sie gehört unter jene Künstlerinnen, die sich den Beifall des allerhöchsten Königshofes und des Publikums erwerben, und die ihrem ehemaligen Lehrer Schröder alle Ehre macht. Sie spielt Liebhaberinnen, junge Frauen und Mütter, dann Heldinnen mit Natur, Würde und Anstand.

Karl Reinhard ist der gelehrten Welt auch als Schriftsteller rühmlich bekannt. Er schrieb unter andern Piecen für die Schaubühne: der Pasquillant, Schauspiel in einem Aufzuge; der Landphilosoph, Lustspiel in 3 Aufzügen; Pflichtgefühl, Schauspiel in 2 Aufzügen; die Tugend unter den Barbaren; der willkommene Gast; Heinrich der Löwe; der Bund bei Alkala; und mehrere Uebersetzungen aus dem Französischen, worunter auch die Oper: die Intrigue durch die Fenster, gehört. Er ist auch der Verfasser der drei 1804 zu Berlin und Hamburg herausgekommenen Schriften: Ueber die Gefahren einer Landung in Engeland; Europa’s Gefahren im gegenwärtigen Kriege, und über den englischen Handel, dann eine Menge zerstreuter Aufsätze verschiedenen Innhaltes in mehreren der gelesensteu Journalen. Er diente, bevor er Schauspieler geworden, drei Jahre unter den Hessen-Casselschen Truppen in Amerika als Lieutenant, und schrieb nach geendigten Kriege, während seines Aufenthaltes am Rheine, mehrere Abhandlungen über denselben. Während dieser Periode hat er von Zeit zur Zeit mehrere kleine Schriften über wichtige Zeitereignisse, und zuletzt noch in München seine Beobachtungen über den Krieg von 1809, in 5 Heften; dann Andreas Hofer, und die Tiroler Insurrektion, ein historisches Gemälde, geschrieben, welche alle eine innige Vorliebe für sein sich selbst gewähltes Vaterland Baiern verrathen.


Vorheriger
Vorheriger
Eintrag
Seite 276 Seite 277 Seite 278 Nächster
Nächster
Eintrag