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Johann Gabriel Doppelmayr (GND 11617997X)


Daten
Nachname Doppelmayr
Vorname Johann Gabriel
GND 11617997X
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Johann Gabriel Doppelmayr in der BSB

DOPPELMAYR (Johann Gabriel) Mathematiker und Professor zu Nürnberg; daselbst 1671 gebohren. Sein Vater Johann Sigmund war ein Kaufmann. Er fieng im J. 1689 an, das Egidische Gymnasium seiner Vaterstadt zu frequentiren, und dann die öffentlichen Vorlesungen der Professoren Arnold, Eschenbach, Wülfer, und Unglenk zu besuchen. Im J. 1696 gieng er nach Altdorf, und studierte unter den Professoren Hildebrand, Rötenbeck, Omeisen, und Sturm die Rechte. Zuerst disputirte er de sole, und 1699 de visionis sensu nobilissimo, ex camerae obscurae tenebris illustrato. Er gieng dann nach Halle, wo er unter den Professoren Götsch, Stryk, und Thomasius die Studien in den Rechten fortsetze, dieselben aber endlich aufgab, und sich ausschlüßig auf Physik und Mathematik verlegte. Am 8. September 1700 verließ er Halle, und gieng über Berlin, Magdeburg, Halberstadt, Helmstädt, Braunschweig, Hannover, Zelle, Lüneburg, Hamburg, Bremen, Emden, Gröningen, Löwarden, Franecker, und Harlingen nach Amsterdam. Zu Utrecht und zu Leiden studierte er ferner Mathematik und Astronomie, und lernte die italienische, französische, und englische Sprache, und das Glasschleifen. Er gieng dann nach England, wo er sich mehrere Monate zu London und Oxford aufhielt, dann nach Teutschland zurückkehrte, und über Cassel, Marburg, Giesen, Wetzlar, und Frankfurt im August 1702 wieder in Nürnberg ankam. Daselbst wurde er 1704 am Egidischen Gymnasium Professor der Mathematik, und trat mit einer Rede: quod Deus geometriam in mundo exerceat, sein Lehramt an, welches er über 46 Jahre lang verwaltet hat. Der Markgraf zu Ansbach rief ihn öfters zu sich, und sowohl Gelehrte, als Fürsten und Adeliche beehrten ihn mit Briefen und Besuchen. Er wurde im Jahr 1713 Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu London, 1715 Mitglied der kaiserl. Akademie der Naturforscher, 1739 der königl. Akademie zu Berlin, und 1741 der kaiserl. Akademie zu Petersburg, so wie anderer gelehrter Gesellschaften. Bereits im J. 1716 hatte er sich mit Susanna Maria geb. Kellner einer Nürnbergischen Apothekers Tochter verehelichet. Er machte viele bis zu seiner Zeit noch unbekannte Versuche mit der Elektricität. Sein Atlas coelestis wurde mit verdientem Beyfall aufgenohmen, und seine Nachricht von Nürnberg. Mathematicis ist für Geschichte und Literatur ein interreßantes Werk. Er starb am 1. Dezember 1750. Seine Schriften:

Vergl. Dunkels Nachrichten von verstorbn. Gelehrten B. I. Th. 1. S. 58. u. Th. 2. S. 338. Adelungs Fortsetzung von Jöcher B. II. S. 742. Negotianten illustre Th. II. S. 193. Schmersahls neue Nachrichten von jüngst verstorbn. Gelehrten B. II. St. 2. S. 349. Hamburg. Berichte von gel. Sachen 1751. S. 101--104. S. 116--120 u. S. 134--136. Wills und Nopitsch Nürnb. Gel. Lexikon B. I. S. 287--290. u. B. V. S. 245. Saxii Onomast. litterar. Th. VI. S. 641. Hirschings histor. literar. Handbuch B. II. Abth. I. S. 39. Meusels Lexikon verstorbn. Schriftsteller B. II. S. 411--414. Ladvocats Handwörterbuch B. I. S. 1161. Grosmanns Handwörterbuch B. II. S. 410. F. A. Ebert’s allg. Bibliograph. Lexikon B. I. Lief. 3. Nr. 6369. u. 70.

  1. 1. Progr. ad orationem inauguralem. 4. Norimb. 1704.
  2. 2. Thomae Stretti tabulae astronomicae; ex idiomate anglico latino redditae. 4. ibid. 1705.
  3. 3. Kurze Erklärung über 2 neue Homannische Karten des Copernikanischen Systems. Nürnb. 4. 1707.
  4. 4. Ausführliche Erklärung über 2 neue Homannische Karten: Systema solare et planetarum, und Europam eclipsatam. 4. ebend. 1707.
  5. 5. Kurze Einleitung zur edlen Astronomie. eb. 1708. Stehet unter diesem Titel mit fortlaufenden Seitenzahlen als Anhang am vorhergehenden Buch.
  6. 6. Vierter Theil zur Welperischen Gnomonik gehörig. eb. 1708.
  7. 7. Nicol. Bions mathematische Werkschule, aus dem Französ. 4. 1712. Erste Fortsetzung zur Bionischen Werkschule. 1717. 2te Fortsetzung. 1720.
  8. 8. Joh. Wilkins vertheidigter Copernikus, aus dem englischen übers. 4. Nürnb. 1713.
  9. 9. Summa geometriae practicae, worinnen erstlich Bernhard Canzlers kurzer und leichter Bericht vom Feldmessen auf die insgemein vor andern vorkommende Fälle des Messens und Abtheilens gerichtet; dann zum zweyten unterschiedliche, in Friedens- und Kriegszeiten zu Land und Wasser nützliche Annotationes, auch arithmeticae, trigonometricae, graphicae, geographicae, nauticae, aquaeductoriae etc. additiones und inventiones, durch M. Abdiam Trew; zum Dritten ein neuer Anhang enthalten, in welchem das Feldmessen nach denen heut zu Tage richtigsten Manieren kürzlich vorgestellt wird. Mit 8. Bog. Kupfern. Nürnb. 8. 1718. Neue Auflage. eb. 1750.
  10. 10. Einleitung zu der Geographie, bey dem Homannischen Atlas. eb. Fol. 1714 u. 1716. Lateinisch. 1731.
  11. 11. Neue und gründliche Anweisung, wie nach einer universalen Methode grosse Sonnen Uhren auf jeden ebenen Flächen, als lauter horizontaln, und zwar diejenige, die in dem Meridiano eines vorgegebenen Ortes, ohne Abweichung sich befinden, als eigentliche, die aber davon abgehn, als reducirte Horizontaluhren, sowohl aus einem arithmetischen Fundament auf verschiedene Art accurat zu beschreiben, als auch ganz geometrisch nach der sphärischen Geometrie richtig zu verzeichnen, dann aber auf solchen allerhand astronomische Vorstellungen, als die Paralleli des Aequatoris, vor die 12 Himmelszeichen und Tagelängen, die Paralleli des Horizonts, oder die Almucauttharat, die Azimutha, endlich die Stundenlinien der Babylonischen, Italienischen, Nürnbergischen Uhr, sowohl aus einem arithmetischen als geometrischen Grunde gehörig zu ziehen; zu weiterer Erklärung der neuvermehrten Welperischen Gnomonik, in IV. Theilen dargestellt. Fol. Nürnb. 1719. Mit neuem Titelblatt. 1786. 223 S. [1]
  12. 12. Nova methodus parandi sciaterica solaria. 4. Norimb. 1720.
  13. 13. Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern, welche fast von dreyen Seculis her durch ihre Schriften und Kunstbemühungen die Mathematik und mehresten Künste in Nürnberg vor andern trefflich befördert, und sich um solche sehr wohl verdient gemacht, zu einem guten Exempel, und zur weitern rühmlichen Nachachtung in 2 Theilen an das Licht gestellt, auch mit vielen nützlichen Anmerkungen und verschiedenen Kupfern versehen. Fol. Nürnb. 1730.
  14. 14. Physica experimentalis illustrata. 4. ib. 1731. In teutscher Sprache. eb. 1731.
  15. 15. Atlas coelestis, in quo 30. tabulae astronomicae aeri incisae continentur. Fol. ib. 1742.
  16. 16. Neu entdeckte Phaenomena von Bewunderswürdigen Wirkungen der Natur, welche bey der fast allen Körpern zukommenden elektrischen Kraft und dem dabey in der Finstern mehrentheils erscheinenden Licht, einige berühmte Glieder der K. englischen Societät der Wiss. vornämlich aber Hr. Hauksbee und Hr. Gray in London, und nach einer weitern Untersuchung Mr. du Fay in Paris, durch viele Experimente glücklich hervorgebracht u. s. w. mit vielen Anmerkungen, physikal. Betrachtungen und einer Hypothesi erläutert. Mit Kupf. Nürnb. 1744. [2]
  17. 17. Berichtschreiben an den Rath zu Nürnberg wegen einiger Differenz, so sich im J. 1724 bey Feyerung des Osterfestes äußern dürfte, de anno 1722; in Lünigs Vorrath wohl stylisirter Schreiben. 1728. S. 659.
  18. 18. Vorrede zu der von Scharfenstein im J. 1733 herausgegebenen Beschreibung von Ober- und Niederelßaß samt dem Sundgau.
  19. 19. In das Commercium litterarium ließ er einrücken: Observationes meteorol. von den J. 1732 bis 1743.
  20. 20. Er hinterließ auch mehrere Manuscripte, die zum Drucke fertig lagen.
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Fußnoten

  1. s. Jen. Lit. Z. 1787. V. S. 87.
  2. s. Leipz. gel. Z. 1744. St. 36. Erlang. gel. Nachr. 1751. S. 3.