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Michael Ignatz Schmidt (GND 119056151)


Daten
Nachname Schmidt
Vorname Michael Ignatz
GND 119056151
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Michael Ignatz Schmidt in der BSB

SCHMIDT (Michael Ignatz) zu Arnstein einer Würzburgischen Provinzialstadt am 30. Jäner 1736 gebohren. Sein Vater war Walbrechnungsführer und Oberzöllner. Den ersten Schulunterricht erhielt der junge Schmidt in seiner Vaterstadt, und nach dem Tode seines Vaters 1749 kam er an das Gymnasium nach Würzburg, wo er sich durch seinen Fleiß, und die Fortschritte, die er machte, rühmlichst auszeichnete. Er wählte den Weltpriesterstand, und trat in das Bischöfliche Clerikalseminar, wo er Philosophie, Theologie, Kirchenrecht, Geschichte, und Sprachen studirte, fünf Jahre blieb, und aus demselben als Doktor der Philosophie, Lizentiat der Theologie, und Priester kam, um an der Landpfarrei Haßfurt die Kaplansstelle zu übernehmen. Er wurde aber bald nach Bamberg in das Haus des Großhofmeisters von Rotenhan als Erzieher dessen jüngsten Sohnes berufen, wo er sich durch die vorhandene ansehnliche Bibliothek, und durch den Umgang mit Geist- und Kenntnißreichen Männern weiter ausbildete. Während des siebenjährigen Krieges überwarf sich Rotenhan mit dem Fürstbischofe, legte seine Stelle an dessen Hofe nieder, und zog auf seine Güter in Schwaben nach Neuhaus unweit Stuttgart, wohin er auch seinen bisherigen Hauslehrer mit sich nahm. Schmidt wurde aber von da nach wenigen Monaten nach Würzburg berufen, um für einstweilen im Seminar die Stelle des nach Rom gereisten ersten Vorstehers zu übernehmen. Im Jahr 1771 wurde er zum Universitäts Bibliothekar, und da der Fürstbischof zur Reform der Unterrichts- und Erziehungsanstalten eine eigene Schulcommission errichtete, zum Mitglied derselben, dann bald hierauf auch zum Beysitzer der theologischen Fakultät, und zum Lehrer der teutschen Reichsgeschichte an der Universität ernannt. Im Jahre 1774 erhielt er eine Canonikalpräbende, und die Würde eines wirklichen geistlichen Rathes. Einen erhaltenen vortheilhaften Ruf nach Mainz als Professor der Geschichte schlug er aus. Er errichtete in Würzburg ein Schullehrerseminar, und entwarf 1773 einen Plan zur Organisation der Würzburgischen Volksschulen. Die Akademie der Wissenschaften in Erfurt, und mehrere gelehrte Gesellschaften nahmen ihn unter ihre Mitglieder auf. Duch seine Geschichte der Teutschen, die er im Jahre 1778 herauszugeben anfieng, und der er sein ganzes übriges Leben widmete, erwarb er sich nicht nur in Teutschland, sondern im ganzen literarischen Europa, grosse Celebrität. Diesem Werke hatte er auch den Ruf als Custos der Kaiserlichen Hofbibliotek nach Wien zu verdanken, welchen die Kaiserin Maria Theresia an ihn ergehen ließ, den er aber ausschlagen muste, da der Fürstbischof von Würzburg seine Entlaßung verweigerte, ihm aber doch die Erlaubniß gab, für einige Zeit nach Wien zu reisen, um die dortigen Archive zur Fortsetzung seiner Geschichte zu benützen. Die Kaiserin ließ den Antrag an Schmidt, in ihre Dienste zu treten, wiederholen; er nahm ihn ohne weitere Rücksichten, wozu auch gar keine Gründe vorhanden waren, nun an, und wurde in Wien zum wirklichen Kaiserlichen Hofrath, und Direktor des Haus- und Staatsarchivs mit einem jährlichen Gehalte von vertausend Gulden ernannt. Kaiser Joseph wählte gleich bey dem Antritt seiner Regierung denselben überdieß zum Mitglied des neu organisirten Censurkollegiums, und in der Folge zum Lehrer in der Geschichte für seinen Neffen und künftigen Thronfolger. Er starb zu Wien am 1. November 1794 im acht und fünfzigsten Jahre seines Alters. Schriften:

  1. 1. Methodus tradendi prima elementa religionis, sive catechizandi. Accedit ad calcem brevis historia catechetica, sistens fata catecheseos, nec non celebriores, qui prodierunt usque ad nostra tempora catechismos. 8. Bambergae et Wirceburgi. 1769. 420 S. Erschien Teutsch unter dem Titel: Der Catechist nach seinen Eigenschaften und Pflichten, oder die rechte Weise, die ersten Gründe der Religion zu lehren, verfasset von Michael Ignatz Schmidt; aus dem Lateinischen übersetzt durch Benedikt Strauch Can. reg ord. S. Augustini Congr. Lateran. zu Sagan, mit einer Vorrede des Saganischen Prälaten Johann Ignatz v. Felbiger. 8. Bamb. und Würzb. 1772. Neue verm. Auflage. ebend. 1785. 50 Bogen. [1]
  2. 2. Die Geschichte des Selbstgefühls. Epicteti Enchirid. 8. Frankf. u. Leipz. (Würzburg.) 1772. 200 S. [2]
  3. 3. Geschichte der Teutschen. Erster Theil, von den ältesten Zeiten bis auf Konrad I. Ulm. 8. 1778. 2ter Theil, bis auf Friedrich den 2ten, 1778. 3ter Theil, bis auf Wenceslaus. 4ter Theil, bis auf Karl V. 1781. 5ter Theil, welcher die Regierung Karl V. bis auf das Jahr 1544 enthält. 1785. Neue Ausgabe. V Theile. Wien. 8. 1783--1785. Nachdruck: Frankenthal und Mannheim, von 1783 an. Französisch von J. C. Thibaut de la Veaux. Lüttich. 1784-1787. Auch zu Rheims. 1784. Holländisch zu Utrecht von 1782 an.
  4. 4. Neuere Geschichte der Teutschen. Erster Band, von dem Schmalkadischen Krieg bis an das Ende der Regierung Karl V. Wien. 1785. 2ter Band, von Ferdinand I. bis Rudolph II. vom Jahre 1558 bis 1576. ebend. 1785. Der Ulmische Verleger druckte seiner Seits die Fortsetzung fort unter der Aufschrift : 6ter Theil, 7ter Theil u. s. w. 3ter Band, bis auf Matthias, vom Jahre 1576 bis 1612. Wien. 1787. 4ter Band, Matthias u. Ferdinand II. vom J. 1613 bis 1630. eb. 1789. 5ter Band. Ferdinand II. u. Ferdinand III. vom J. 1630 bis 1648. eb. 1791. 6ter Band, von den Westphälischen Friedensunterhandlungen bis um Tod des Römischen Kaisers Ferdinand III. vom J. 1643 bis 1657. ebend. 1793. 7ter Band, Kaiser Leopold, vom J. 1658 bis 1686. Aus des Verfaßers hinterlassenen Papieren bearbeitet und fortgesetzt von Joseph Milbiller. 1797. 8ter Band, Kaiser Leopold, vom Jahre 1687 bis 1700. Ulm und Wien. 1800. 9ter Band, Kaiser Leopold, vom J. 1700 bis 1705. ebend. 1800. 10ter Band, Kaiser Joseph I. vom J. 1705 bis 1709. 11ter Band, Kaiser Joseph I. und Karl VI. vom Jahre 1709 bis 1715. ebend. 1802. 12ter Band, Kaiser Karl VI. vom Jahre 1715 bis 1740. eb. 1803. 13ter Band, Kaiser Karl VII. vom Jahre 1740 bis 1745. eb. 1804. 14ter Band, Kaiser Franz I. vom J. 1745 bis 1765. ebend. 1805. 15ter Band, Kaiser Joseph II. und Leopold II. vom Jahre 1765 bis 1792. eb. 1806. 16ter Band, vom Jahre 1792 bis 1806. eb. 1807. 17ter und letzter Band, enthaltend: Teutschlands Zustand vom Jahre 1740 bis 1806. und ein allgemeines Register über das ganze Werk. eb. 1808. Verbesserungen und Zusätze, welche in der neuen verbesserten Ausgabe seiner Geschichte der Teutschen enthalten sind: für die Besitzer der ältern Ulmer Originalauflage. Ulm. 8. 1788. Früher noch waren folgende Register erschienen: Hauptregister über sämmtliche V Theile der Geschichte der Teutschen nach der Ulmer Originalausgabe. 8. Ulm. 1785. Vollständige Register über die von ihm herausgekommene, und nach der Wienerischen verbesserten Auflage abgedruckten Ausgabe; nebst einem genauen Verzeichniß der in dieser Geschichte angeführten Schriften. 8. ebend. 1788. [3]
  5. 5. Luther, und die Reformation; aus M. J. Schmidt’s Geschichte der Teutschen, mit Anmerkungen von Joh. Ferd. Gaum. 8. Ulm. 1785. 178 S. Diesen Auszug ließ der Verleger ohne Schmidt’s Vorwissen drucken, und es erschien hierauf: Ehrenrettung der Lutherischen Reformation gegen zwey Capitel von M. J. Schmidt’s Geschichte der Teutschen, nebst einigen Bemerkungen über gegenwärtige katholische Reformation im Oesterreichischen, von Karl Leonhard Reinhold. 8. Jena. 1789. 172 S. [4]
  6. 6.* Prüfung der Ursachen einer Association zur Erhaltung des Reichssystems, welche in der Erklärung Sr. Königl. Majestät von Preußen sind vorgelegt worden. 4. Wien. 1785. 4 Bog. Es erschien hierauf vom Grafen E. F. von Hertzberg: Beantwortung der zu Wien herausgekommenen sogenannten Prüfung u. s. w. 8. Berlin. 1785. [5]
  7. 7. De fatis jurium Imperatoriorum circa electionem et confirmationem Romanorum Pontificum; in Actis Acad. Erfurt. 1778.
  8. 8. Vorrede zu Helwig’s Zeitrechnung zur Erläuterung der Daten in Urkunden für Deutschland. 1787.
  9. 9. Er war auch Mitarbeiter an der Literatur des katholischen Teutschlands, und an den Fränkischen Zuschauern. Vergl. M. J. Schmidt’s Lebensgeschichte, von Franz Oberthür. 8. Hannover. 1802. Hirsching’s hist. lit. Handbuch, fortges. von Ernesti B. XI. Abth. 1. S. 309--382. Bönicke Grundriß einer Gesch. der Univers. Würzburg Th. II. S. 154 u. 210. Koppe jur. Almanach auf das J. 1795. S. 389--394. Denkwürdigkeiten aus dem Leben ausgezeichneter Teutschen des 18. Jahrh. S. 359--361. Baur’s Gallerie histor. Gemälde aus dem 18. Jahrh. Th. IV. S. 175--180. Jördens Lexikon teutscher Dichter u. Prosaisten B. IV. S. 593--605. Jäck’s Pantheon der Literaten Bambergs Heft V. u. VI. S. 1006--1008. Klüpfelii Necrologium sodalium et amicorum litterariorum S. 108--117. Hormayr’s Oesterreichischer Plutarch B. XVI. Meusel’s Lexikon verst. Schriftsteller B. XII. S. 297--301. Conversationslexikon mit vorzügl. Rücksicht auf gegenw. Zeiten Th. V. Heft 1. S. 119--121. Eschenburg’s Beyspielsammlung zur Theorie u. Literatur d. schön. Wiss. B. 8. Abth. 2. S. 465--474. Rötger’s Nekrolog. St. IV. S. 199--201. Ladvocat’s Hanbwörterbuch B. IX. S. 897. Conversations Lexikon oder encyclop. Handwörterbuch, vierte Aufl. B. VIII. S. 780--782. Repertorium allg. der Literatur 1785--1790.
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Fußnoten

  1. s. Allg. t. Bibl. B. 11. II. S. 189. u. B. 19. I. S. 229.
  2. s. Götting. gel. Z. 1772. St. 99.
  3. s. Hall. u. Jen. Literat. Zeitungen. Nov. bibl. eccles. Friburg. Literatur d. kath. Teutschlandes. Göttinger, Gotthaer, Leipziger, Nürnb. u. and. gel. Zeitungen.
  4. s. Jen. Lit. Z. 1789. III. S. 233. Gotth. gel. Z. 1789. 1. S. 391.
  5. s. Leipz. gel. Z. 1786. I. S. 223. u. 311. Schotts jur. Bibl. 1785. II. S. 301 u. 383.