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Philipp Ernst Spiess (GND 117490911)


Daten
Nachname Spiess
Vorname Philipp Ernst
GND 117490911
( DNB )
Wirkungsgebiet Wissenschaft


BSB Philipp Ernst Spiess in der BSB

SPIESS (Philipp Ernst) Regierungsrath zu Baireuth; gebohren am 27. Mai 1734 zu Ettenstadt im Ansbachischen. Er studirte zu Ansbach, und seit 1752 zu Jena Jurisprudenz, hauptsächlich Geschichte. Im J. 1754 wurde er, wegen seiner ansehnlichen Leibesgrösse, wider seinen Willen, als Kadet unter der Markgräflich Ansbachischen Leibcompagnie zu Gunzenhausen angestellt, 1758 Fähndrich bey der Graf Sayn-Altenkirchischen Kreiscompagnie, 1759 mit eben dem Range wieder der Leibcompagnie in Ansbach zugegeben, und 1762 Unterlieutnant bey der damahls neu errichteten Schlammersdorfischen Compagnie. Während seines Soldatenstandes hatte er die Studien keineswegs vernachläßiget; vielmehr verschaffte er sich freyen Zutritt zu dem fürstlichen geheimen Archiv, und zur Bibliothek. Sein Fleiß und seine erlangte Geschicklichkeit blieben nicht unbemerkt, und er erhielt 1769 die Stelle eines Markgräflich Ansbachischen Hof- und Regierungs-Rathes in Culmbach, und ersten geheimen Archivars des in der Festung Plassenburg befindlichen Archivs. Im J. 1772 wurde er zugleich Regierungsrath in Baireuth, wohin er 1783 ziehen mußte, um näher bey der Hand zu seyn, und noch mehr gebraucht werden zu können. Er stand in solchem Ansehen und Rufe, daß mehrere Reichsstände ihre Archivare zu ihm schickten, um sie im Archivwesen und in der Diplomatik zu unterrichten. Im J. 1780 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Mannheim, im J. 1783 Mitglied historischer Klasse der Akademie der Wissenschaften zu München, an welche er eine Abhandlung von einer Eheverbindung Herzogs Heinrich XVI. von Niederbaiern mit einer Tochter des römischen Königs Friedrich, übersendet hatte, und im J. 1792 ward er unter die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Berlin aufgenohmen. Im Jahre 1785 wurde er nach Wien gesendet, um dem Kaiser einen grossen Vorrath von wichtigen Ungarischen Urkunden zu überbringen, die er im Ansbachischen Archiv endeckt hatte. Kaiser Joseph beschenkte ihn sehr ansehnlich, versuchte aber vergebens, den, seinem Vaterlande sehr ergebenen, Mann in seine Dienste zu erhalten. Auch unter den Gelehrten in Wien, und überhaupt unter jenen des katholischen Teutschlandes, stand Spieß in grossem Ansehen, besonders bey den gelehrten und thätigen Conventualen des Klosters St. Blasien im Schwarzwalde. Diese wünschten, mit ihm, als einem so geübten Diplomatiker, über die Unternehmung der Germania sacra mündliche Abrede zu nehmen. Er durfte auch wirklich 1788 diese Reise nach St. Blasien auf herrschaftliche Kosten machen, und durchreisete bey dieser Gelegenheit ganz Schwaben, einen Theil des Elsaßes und der Schweitz. Er besah genau die Archive und Klöster, und vermehrte dadurch, so wie bey seinen jährlichen Reisen durch Franken, immer mehr seine Kenntnisse und Erfahrungen über diplomatische Gegenstände. Vorzüglich gern besuchte er manchmal in den fränkischen Abteyen Langheim und Banz seine dortigen gelehrten Freunde. Im Dezember 1790 nahm ihn der Markgraf Alexander, auf ausdrückliches Ansuchen des Staatsministers Grafen von Herzberg, mit nach Berlin, wo er sowohl von diesem Minister, als vom König selbst, sehr geehret, und vom König mit einer kostbaren Dose beschenkt wurde. Gleich das Jahr darauf ersuchte ihn der Fürst von Oettingen-Wallerstein, sein Archiv zu ordnen, wofür er gleichfalls reichlich belohnt wurde. Da er mit dem nachherigen Fürstabt Moritz zu St. Blasien bis zur vertrautesten Freundschaft bekannt war; so gab ihm dieser im Mai 1793 sogleich von seiner Erwählung zur Abtswürde Nachricht, und lud ihn wiederhohlt zu einem neuen Besuch in St. Blasien ein, um dem Kloster Convent bey den vorhabenden gelehrten Arbeiten mit Rath und That behülflich zu seyn, wozu der Fürstabt die Reisekosten über sich nehmen wollte. Obgleich schon kränklich, reisete Spieß doch im September 1793 dahin ab, und fieng sogleich an, gemeinschaftlich mit den Conventualien an der Ausführung ihres verabredeten literarischen Planes zu arbeiten, wie man denn Beweise davon in dem ersten Theil der Germania sacra 1794, der das Bistum Würzburg enthält, wozu er Beiträge lieferte, findet. Aber seine Gesundheitsumstände verschlimmerten sich so sehr, daß er nach einem Aufenthalt von 6 Wochen wieder nach Baireuth zurückreisen mußte. Von dieser Zeit an ward er immer kränker, und starb am 5. März 1794. Sein Bildniß befindet sich vor dem 10. Band der neuen allgem. teutschen Bibliothek. Schriften:

Vergl. Meyer’s biograph. Nachrichten von Ansbach. u. Baireuth. Schriftstellern. S. 362--370. Weidlich’s biograph. Nachr. von jetztleb. Rechtsgelehrten. Th. IV. S. 229--238. Schlichtegroll’s Nekrolog auf das J. 1794. B. I. S. 50--64. Koppe jurist. Almanach auf das J. 1795. S. 316--328. Vocke Ansbach. Geb. und Todten Almanach. Th. I. S. 373--375. Hirsching’s hist lit. Handbuch fortges. von Ernesti. B. XIII. Abth. 1. S. 22--28. Meusel’s Lexikon verstorbn. Schriftsteller B. XIII. S. 233--238. Rötger’s Nekrolog. St. IV. S. 212--216. Ladvocat’s Handwörterbuch B. VIII. S. 755. Westenrieder’s Geschichte der Baier. Akad. d. Wissensch. B. II. S. 139 u. 580. Ersch Hanbbuch der teutschen Literatur. Abth. III u. VI. Journal von und für Franken B. II. S. 117 und 754. B. IV. S. 663. u. B. VI. S. 740.

  1. 1. Bulla aurea Rudolphi I. Romanorum regis, quae Plassenburgi in archivo Brandenburgico asservatur, exhibita et descripta, additis quibusdam ad Sphragisticam annotationibus haud inutilibus. 4. Baruth. 1774. [1]
  2. 2. Von Archiven. 8. Baireuth b. Hagen. 1777. [2]
  3. 3. Archivische Nebenarbeiten, und Nachrichten vermischten Inhalts, mit Urkunden. Erster Theil. Halle b. Gebauer. 4. 1785. 2ter Theil. ebend. 1785. [3]
  4. 4. Geschichte des kaiserlichen neunjährigen Bundes, vom Jahre 1535 bis 1544. Aus den Originalakten dargestellt. 4. Erlang. 1788. 264 S. [4]
  5. 5. Aufklärungen in der Geschichte und Diplomatik, als eine Fortsetzung der Archivischen Nebenarbeiten. 4. Baireuth. 1791. 294 S. [5]
  6. 6. Verbesserungen und Zusätze zu der Häberlinischen teutschen Reichshistorie, die deren Verfaßer in den Vorreden zu den 1774--1783 erschienenen 26 Bänden anführet.
  7. 7. Anzeige vom Alter des Spanischen Wachses 1775; stehet in der Jenaischen gelehrten Zeitung 1775. St. 94. im Hannöv. Magazin 1775. St. 104. und in Meusel’s Geschichtforscher. 1777. Th. 4. S. 249--254.
  8. 8. Entwurf eines, dem fränkischen Kreisconvent übergebenen, Vorschlags zur Aufnahme der historischen Wissenschaften in Franken; in Meusel’s Geschichtforscher. 1775. Th. 1. S. 1--13.
  9. 9. Kurze Untersuchung der, durch das erloschene Geschlecht der Dynasten von Lobdeburg beschehenen, Stiftung des ehemaligen Benediktinerklosters Anhausen an der Wernitz im Fürstenthum Onolzbach gelegen; ebend. S. 184--199.
  10. 10. Joh. Gottfr. Biedermanns, gewesenen hochfürstlich Brandenburg. Culmbach. Pfarrers zu Untersteinach bey Culmbach, Erläuterung und Beweis zu seinen genealogischen Tabellen des hochgräflichen Hauses Castell; ebend. Th. 2. S. 253--346.
  11. 11. Berichtigung der Frage: ob vor dem Jahre 1478 ein Frauenkloster der dritten Regel St. Franciscenordens in dem Dorfe Königshofen gewesen sey? ebend. Th. 7. S. 94--98.
  12. 12. Zwey Bischöflich Würzburgische Urkunden, die Juden betreffend; ebend. S. 210.
  13. 13. Nachricht von einem bey Tauperlitz in der Brandenburgischen Landshauptmannschaft Hof vorgefallenen Duell zwischen Herzog Friedrich zu Sachsen -- Altenburg und Herzog Franz Albrecht zu Sachsen-Lauenburg im Jahre 1624; in Meusel’s historischen Untersuchungen. B. 1. St. 2. S. 69--90.
  14. 14. Beyträge zur Schmalkadischen Kriegsgeschichte, und zwar a.) ein Bericht von der Niederlage des Markgrafen Albrecht bey Rochlitz, und von seiner Gefangenschaft. b.) Zwey Berichte von Adam Wilibald von Wiersberg, von der Niederlage des Kurfürsten Johann Friedrich bey Mühlberg, welcher der Verfaßer, der damahls unter der kaiserlichen Reuterey diente: als Augenzeuge mit beygewohnet, an den Pfalzgrafen, den nachherigen Kurfürsten Friedrich III. eb. 1780. B. 1. St. 3. S. 35--57.
  15. 15. Beyträge zur Geschichte Pabst Julius des dritten; in Meusel’s Beyträgen zur Erweiterung der Geschichtkunde. 1782. Th. 2. S. 145--156.
  16. 16. Von den Reuter-Siegeln; in Histor. et Comment. Academiae Theod. Palatinae. B. V. 1783. S. 423--444. Nachher auch besonders gedrukt, mit Verbesserungen und Zusätzen, besonders aus Kluit Historia critica Hollandiae et Zeelandiae. 4. Halle b. Gebauer 1784. [6]
  17. 17. Beweis, daß Pfalzgraf Hermann bey Rhein, der sonst den Zunahmen von Stahleck hatte, ein gebohrner Graf von Hochstatt in Ostfranken gewesen ist; in den Actis histor. Acad. Theodoro-Palatinae. B. VII. S. 395--419.
  18. 18. Er hatte Antheil an einigen Journalen, vorzüglich an der Literatur des katholischen Teutschlandes, und an der allgemeinen Literatur-Zeitung.
  19. 19. Phil. Ernst Spieß angelegentlicher Unterricht von dem ältesten Gebrauch der Siegeloblaten (aus den Aufklärungen in der Geschichte und Diplomatik 1791.) begleitet mit verschiedenen zweckmäßigen Zusätzen, wie auch einigen, die älteste Bedienung des spanischen Wachses bey der Urkunden Besiegelung bezielenden Bemerkungen, von Joh. Phil. Roos. Frankfurt b. Andreä. 4. 1794. 44 S. [7]
  20. 20. Lebensumstände dess Hrn. Phil. Ernst Spieß, von ihm eigenhändig verfaßt. Bey sseiner Beerdigung den 8. März 1794 abgelesen, und auf vielfältiges Verlangen, nebst der dabey (vom Konsistorial-Rathe Kapp) gehaltenen Standrede, zum Druck befördert. 4. Baireuth). 1794. 26 S.
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Fußnoten

  1. s. Gött. gel. Z. 1774. S. 691.
  2. s. Schotts unparth. Critik. B. 8. S. 925. Gött. gel. Z. 1777. S. 685.
  3. s. Jen. Lit. Z. 1785. IV. S. 77. Allg. t. Bibl. B. 78. II. S. 497. Gött. gel. Z. 1785. III. S. 1680. Leipz. gel. Z. 1785. III. S. 1473.
  4. s. Jen. Lit. Z. 1788. IV. S. 99. Obert. Lit. Z. 1789. II. S. 715. Gött. gel. Z. 1788. III. S. 1497. Tüb. gel. Z. 1789. S. 172.
  5. s. Obert. Lit. Z. 1792. II. S. 753. Gött. gel. Z. 1792. I. S. 438. Jen. Lit. Z. 1792. II. S. 81.
  6. s. Jen. gel Z. 1784. St. 88.
  7. s. Jen. Lit. Z. 1797. III. S. 39. Nürnb. gel. Z. 1797. S. 248.